Sergio Prieto Hernandez ist nicht nur gegen die SG Neukölln Berlin der beste Spieler beim SV Cannstatt. Foto: Benjamin Lau

Wasserballer Sergio Prieto Hernandez findet beim SV Cannstatt die perfekte Balance zwischen Job und Sport. Gegen Neukölln glänzt er erneut und erhält viel Lob von seinem Trainer.

Das Sportbad im Neckarpark, Schauplatz des 19:18-Sieges des SV Cannstatt über die SG Neukölln Berlin am Samstagabend, ist Sergio Prieto Hernandez seit Jahren bestens vertraut. Der Wasserballer verstärkte im Sommer den Stuttgarter Erstliga-Aufsteiger. Zuletzt spielte er beim Bundesligisten Duisburger SV 98, zuvor jedoch war er beim SV Ludwigsburg unter Vertrag – bis zur Insolvenz des ehemaligen Erstligisten Anfang des vergangenen Jahres. Auch die Ludwigsburger nutzten mangels eigener Schwimmhalle in ihrer Stadt die neugebaute Anlage im Neckarpark. Zudem trainierte Hernandez während seines Engagements für die Duisburger bereits mit dem damaligen Cannstatter Zweitligisten und reiste nur für die Partien der Rheinländer an.

 

Auch deshalb wollte Djordje Milojkovic den Spieler im Sommer unbedingt für seinen Club verpflichten. „Er ist schnell und explosiv und war bei Ludwigsburg der beste Spieler der Saison“, sagt Cannstatts Trainer über die Verpflichtung des mittlerweile 25 Jahre alten Spaniers. Der frühere spanische Jugend-Nationalspieler ist auch bei seinem neuen Club der herausragende Akteur. Mit 28 Treffern ist er der beste Saison-Torschütze des SV Cannstatt. „Er zeigt eine Spitzenleistung. Er tanzt regelrecht im Wasser“, lobt Milojkovic. Auch abseits seiner Position als rechter Feldspieler ist er extrem wertvoll für das enorm junge Cannstatter Team. „Er geht mit seiner Erfahrung voran und dient auch als Vorbild für die Jungs, was sie alles erreichen können“, sagt der Coach.

Denn trotz seines noch recht jungen Alters hat der in Barcelona geborene Wasserballer in seiner Karriere schon einiges erlebt. Hernandez durchlief die Jugend des CN Atlètic Barceloneta, des besten spanischen Wasserballclubs, und besuchte in Sant Cugat del Vallès außerhalb des Stadtkerns von Barcelona eine Schule für Hochleistungssportler. Für eine Saison schaffte er es in den Kader der ersten Mannschaft von Barceloneta und lief unter anderem in der Champions League auf. Danach wechselte er für drei Jahre zur spanischen Nummer drei, dem Club Natació Terrassa. Mit der spanischen Junioren-Nationalmannschaft wurde er Vize-Weltmeister und bei zwei Europameisterschaften ebenfalls Zweiter und einmal Dritter.

Trotz des sportlichen Erfolges war ihm eines immer klar, wie Hernandez erzählt: „Wasserball ist kein großer Sport, man muss immer einen anderen Weg haben.“ Deshalb studierte er zeitgleich in Spanien Luft- und Raumfahrttechnik. „2022 habe ich dann ein Angebot bekommen, in Deutschland ein Praktikum zu machen“, erzählt der Spanier in bereits gutem Deutsch. „Danach musste ich mich entscheiden: Spiele ich auf Hochleistungsniveau weiter in meiner Heimat Spanien und arbeite erst einmal nicht, oder mache ich beides? Von Wasserball kann man aber nur leben, wenn man richtig gut ist“, erzählt Hernandez.

Spanier lebt mittlerweile in Stuttgart-Münster

Hernandez entschied sich deshalb dafür, in Deutschland zu bleiben und setzte sein Studium mit einem Master in Informatik in Stuttgart fort. Neben Studium und Werkstudentenjob lief er für den SV Ludwigsburg auf. Vor kurzem fand er eine Festanstellung bei einer Auto-Zulieferfirma in Möhringen. Mit seiner Freundin, die er hier kennenlernte, lebt der Spanier mittlerweile in Stuttgart-Münster. „Ich bin sehr zufrieden hier. In Münster ist es sehr schön. Auch beim SV Cannstatt ist es für mich perfekt. Sie haben mir angeboten, dass ich nur abends trainieren muss. Deshalb kann ich hier meinen Vollzeitjob und den Sport am besten verbinden“, berichtet Hernandez. Zu Beginn sei das noch junge Aufsteigerteam schwer in der Liga angekommen, sagt der Führungsspieler, mittlerweile seien die Cannstatter aber durchaus konkurrenzfähig.

Im Kellerduell mit dem Tabellenletzten SG Neukölln Berlin feierte der SV Cannstatt seinen dritten Saisonsieg und zieht damit sicher als Vorletzter in die Playoffs ein. Gegner wird dann voraussichtlich der ASC Duisburg. „Gegen Neukölln ist es immer ein enges und hitziges Duell“, weiß Hernandez. Nach dem Hinspiel – der SVC verlor mit 11:17 – erhielt der Spanier nach einer Rangelei und anschließender Diskussion mit den Schiedsrichtern eine Zwei-Spiele-Sperre. Diesmal kontrollierte Hernandez das Spiel und erzielte vier Treffer. Nach der Partie wurde er zum „Spieler des Spiels“ gekürt. „Ich habe nicht damit gerechnet, aber ich habe wichtige Tore geschossen“, sagt er. Für seinen Trainer Milojkovic war die Auszeichnung alternativlos: „Ich hoffe, dass alle anderen Spieler mal so gut werden wie er.“

SV Cannstatt: Pirzer – Hartmann, Zemun (3), Scherrieble (2), Löscher, Vasilev (2), Sopiadis (3), De Marco (1), Patsiavouridis (3), Pletikosic, Tick, Prieto Hernandez (4), Rogge.