Bundesligist Allianz MTV Stuttgart macht zwar mit zehn Volleyballerinnen des aktuellen Kaders weiter, trotzdem wird der Aderlass zu spüren sein – weil starke Kräfte gehen.
Es gab Jahre, da musste sich Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart komplett neu aufstellen. Besonders krass war die Situation nach den beiden vergangenen Spielzeiten. 2024 gewann der Verein das Triple, verlor anschließend aber elf (!) Profis aus dem Meister-Team. „Man darf das nicht persönlich nehmen“, sagte Kim Renkema, damals noch Sportdirektorin, „es ist Teil des Geschäfts.“
Ein Jahr später gab es den nächsten großen Umbruch. Neun Spielerinnen gingen, darunter die Clublegenden Krystal Rivers, Roosa Koskelo und Maria Segura Pallerés. In diesem Sommer? Ist viel Kontinuität im Spiel. Einige der insgesamt sechs Abgänge schmerzen trotzdem.
Vor allem Kapitänin Antonia Stautz (32) hätte Trainer und Kaderplaner Konstantin Bitter gerne behalten. Die Außenangreiferin entwickelte sich in der vergangenen Saison zur festen Größe, auch wenn sie bei den Niederlagen im Pokalfinale (2:3 gegen den VfB Suhl) und im Play-off-Halbfinale (zweimal 2:3 gegen den Dresdner SC) nicht an ihr Maximum herankam.
Trotzdem wäre die deutsche Nationalspielerin eine MTV-Führungskraft geblieben, wenn sie sich nicht gegen die automatische Verlängerung ihres Vertrages entschieden hätte. Nach Informationen unserer Zeitung soll es in den Verhandlungen nicht nur um den Traum von Antonia Stautz gegangen sein, ins Ausland zu wechseln, sondern auch um finanzielle Fragen. Einen neuen Verein hat die Außenangreiferin noch nicht gefunden. Zu Gerüchten thüringischer Medien, sie erwäge – auch weil ihr Freund Jannis Schneibel (25) beim Handball-Bundesligisten ThSV Eisenach unter Vertrag steht – einen Wechsel zum VfB Suhl, sagt sie: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ich nach Suhl gehe, ist sehr, sehr gering.“
Lucia Varela Gomez zieht es in den Süden
Selbstverständlich hätte Allianz MTV Stuttgart auch Lucia Varela Gomez (22) gerne weiterverpflichtet, der Verein aber hat es gar nicht erst ernsthaft versucht – weil klar war, dass die Spanierin, eine der besten Mittelblockerinnen der Bundesliga, aus finanziellen und aus sportlichen Gründen nicht zu halten sein wird. Ob sie künftig in Italien oder der Türkei aufschlägt, ist noch nicht bekannt.
Der neue Club von Melani Schaffmaster (24) steht dagegen bereits fest, die Zuspielerin wechselt nach Griechenland zu Olympiakos Piräus. Außenangreiferin Mikala Mogensen (24) zieht es zu CSO Voluntari nach Rumänien. Ihre Kollegin Julia de Paula, die in der gesamten Saison kaum eine Rolle gespielt hat, wird wohl nach Fluminense in Brasilien wechseln. Bleibt noch Pauline Martin (23).
Nur vier Neuzugänge werden kommen
Die belgische Diagonalangreiferin erreichte im September 2025 mit ihrem Nationalteam bei der WM in Thailand das Achtelfinale und machte dabei so sehr auf sich aufmerksam, dass sie ein lukratives Angebot erhielt. Nach Informationen unserer Zeitung scheiterte ein Wechsel am Veto von Allianz MTV Stuttgart – der Bundesligist hätte zu diesem Zeitpunkt keinen adäquaten Ersatz mehr finden können. Als Folge davon war damals allen Beteiligten bewusst, dass sich die Wege am Ende der Saison wohl trennen werden.
Wie sehr das Sextett fehlen wird, ist offen. Wichtig waren Antonia Stautz, Lucia Varela Gomez, Melani Schaffmaster, Mikala Mogensen und Pauline Martin bis zuletzt – alle hatten in der Halbfinalserie gegen den Dresdner SC sehr viel Spielzeit. Verpflichtet werden nun nur vier externe Neuzugänge, was auch daran liegt, dass Coach Konstantin Bitter künftig vermehrt auf den eigenen Nachwuchs setzen will: Leilani Slacanin (17) ist nächste Saison eine von vier Außenangreiferinnen, Tea Jerkovic (17) hinter Pia Kästner die zweite Zuspielerin. „Wir möchten, dass sich unsere jungen Talente aufs Feld kämpfen und sich dort auch behaupten“, sagt der MTV-Coach, „das trauen wir ihnen absolut zu.“