Sie war die logische Wahl: Antonia Stautz (31) führt in der nächsten Saison die Bundesliga-Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart an – und tritt dabei in große Fußstapfen.
Wenn Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart zur Saisoneröffnung lädt, geht es eher um Unterhaltung als um harte Fakten. Auch diesmal erfuhren Fans, Sponsoren, Freunde und Mitarbeiter einige nette Neuigkeiten, zum Beispiel die aktuelle Schuhgröße von Supertalent Leilani Slacanin (48,5) oder die bevorzugte Partymeile von Diagonalangreiferin Pauline Martin (Wasen), und dass US-Neuzugang Melani Shaffmaster Strafzettel sammelt, ist nun ebenfalls bekannt. Diesmal hatte die Veranstaltung in der Spardawelt allerdings auch einen beachtlichen Nachrichtenwert – denn Trainer Konstantin Bitter verkündete, wer das Team in der nächsten Saison als Kapitänin anführen wird.
Diesen Job übten zuletzt nacheinander Krystal Rivers, Maria Segura Palleres und Roosa Koskelo aus. Auf die drei Vereinslegenden, die alle am Ende der vergangenen Saison ihren Rücktritt erklärt haben, folgt nun Antonia Stautz. „Sie“, sagt Konstantin Bitter, „war die logische Wahl.“
Einstimmiges Votum für Antonia Stautz
Das hat viel mit der Erfahrung der 31-jährigen Nationalspielerin zu tun, die zuletzt mit der deutschen Mannschaft bei der WM in Thailand im Achtelfinale stand, noch mehr aber mit ihrer Persönlichkeit. „Sie übernimmt Verantwortung, hat bei uns eine Führungsrolle, gibt dem Team Stabilität und spricht viel mit unseren jungen Talenten“, sagt Konstantin Bitter, der diesmal neben seinen Trainer-Kollegen auch die Spielerinnen in die Entscheidungsfindung einbezogen hat, „letztlich gab es ein einstimmiges Votum.“ Über das sich Antonia Stautz sehr freute.
Die Außenangreiferin stand in der vergangenen Saison nur selten in der Anfangsformation, an ihrer Wichtigkeit für das Team änderte das nichts. „Ich bin sehr stolz, nun die Kapitänin von Allianz MTV Stuttgart zu sein“, sagt Antonia Stautz, „ich hätte dieses Amt nicht gebraucht, um mich für den Erfolg der Mannschaft verantwortlich zu fühlen und meine Kolleginnen zu unterstützen. Trotzdem bedeutet es mir sehr viel, das Team nun anzuführen. Ich freue mich über das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird.“ Denn ihre Aufgabe wird nicht nur daraus bestehen, während der Partien mit dem Schiedsrichter zu kommunizieren. „Wir haben eine eher unerfahrene Mannschaft, für die jungen Spielerinnen ist Vieles neu und aufregend“, sagt Antonia Stautz, zu deren Stellvertreterin Eleanor Holthaus bestimmt wurde, „da kann man schon viel helfen. Allerdings bin da nicht nur ich in der Pflicht, sondern auch die anderen, die im Volleyball schon einiges erlebt haben.“
Konstantin Bitter ist zufrieden mit dem Trainingslager in Norditalien
Klar ist schon jetzt, dass es bei Allianz MTV Stuttgart in der ersten Saison nach der Ära der überragenden Individualistin und Punktesammlerin Krystal Rivers wieder mehr auf die Qualitäten des Kollektivs ankommen wird. Insofern war das einwöchige Trainingslager, das in Norditalien stattfand und bei dem nur Pia Kästner (Reha nach Rücken-OP) fehlte, aus Sicht von Konstantin Bitter enorm wichtig. „Wir haben viel Zeit in Teambuilding-Maßnahmen investiert und definiert, welche Werte wir leben und wer wir sein wollen“, sagt der Trainer, „die Energie war hervorragend, der Prozess sehr erfolgreich. In der Form habe ich das selten zuvor erlebt.“ Dazu passten auch die sportlichen Ergebnisse.
Bei dem Turnier, an dem Allianz MTV Stuttgart im Rahmen des Trainingslagers teilnahm, gab es zuerst einen 3:0-Erfolg gegen Cuneo und dann im Finale einen 3:2-Sieg gegen Bergamo, beides ambitionierte italienische Erstligisten. „Es waren zwei gute Auftritte“, sagt Konstantin Bitter, dessen 16-jährige Außenangreiferin Leilani Slacanin als beste Akteurin des Endspiels ausgezeichnet wurde: „Sie war stark in Annahme und Aufschlag, hat zudem viele Punkte gemacht. Sie ist positiv aufgefallen.“ Und wird sich nun mit ihrem Team erstmals den Fans in der Scharrena präsentieren.
Dort findet am Freitag (ohne Publikum) und Samstag der Hummel-Cup statt. Die Stuttgarterin treffen zum Auftakt auf VC Kanti Schaffhausen, den Vizemeister aus der Schweiz. Am Samstag werden dann vor Zuschauern die Partie um Platz drei (15 Uhr) sowie das Finale (17.30 Uhr) ausgetragen. Die Gastgeberinnen spielen entweder gegen den Bundesliga-Konkurrenten VC Wiesbaden oder Triple-Sieger Viteos NUC Neuchatel aus der Schweiz. „Wir wollen uns in eigener Halle von der besten Seite präsentieren“, sagt Konstantin Bitter, der aber auch schon den Blick auf den Bundesliga-Start eine Woche später in Hamburg richtet: „Wir möchten uns kurz vor Beginn der Saison gegen Teams, gegen die wir den Anspruch haben zu gewinnen, unbedingt zwei Erfolgserlebnisse holen. Das Trainingslager war ein guter Anfang – doch die Entwicklung muss weitergehen.“