In der Innenstadt zischten um 0 Uhr nur vereinzelt Raketen in den Himmel. Foto: Ferdinando Iannone

Das vielfach befürchtete Chaos blieb zu Silvester in der Innenstadt aus. Die Polizei zieht eine positive Bilanz.

Der Neujahrswitz geht in Stuttgart etwa so: In den Tagen vor Silvester sind die Regale in den Geschäften voller Raketen und Böller. Beim Jahreswechsel soll die Polizei dann dafür sorgen, dass niemand das Feuerwerk zündet, jedenfalls nicht in der Stadtmitte. Dass das auch ohne zentrale Silvesterfeier auf dem Schlossplatz am Ende ziemlich gut gelang, war die eigentliche Überraschung.

 

Die Ankündigung, dass Verstöße gegen das Feuerwerkverbot innerhalb des City-Rings mit Geldbußen von bis zu 5000 Euro geahndet werden können, zeigte offenbar Wirkung. Nur hier und da zischten zum Jahreswechsel die Raketen aus der Innenstadt in den Nachthimmel. Das Gros des Feuerwerks ging außerhalb des City-Rings und auf der Halbhöhe über die Bühne. Anders als in anderen Jahren füllte sich der Kessel auch nicht mit einer dicken Rauchsuppe.

Polizei durchsucht Taschen

Weil die zentrale Silvesterfeier auf dem Schlossplatz dem Spardiktat der Stadt zum Opfer gefallen war, war im Vorfeld die Angst groß, dass die Massen dieses Jahr auch in der Innenstadt mit Böller- und Raketen für Stimmung sorgen oder aus Frust gar über die Stränge schlagen könnten. Ein gegenüber den vergangenen Jahren noch einmal deutlich verstärktes Polizeiaufgebot sollte dafür sorgen, dass genau dieses Szenario ausbleibt.

Viel Polizeipräsenz in der Stadt. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Die Polizeipräsenz rund um die Königstraße und auf den großen Plätzen der zentralen Innenstadt war am Mittwochabend und in der Nacht zum Donnerstag denn auch für jeden unübersehbar. Nachdem der Abend zunächst überraschend ruhig begann und die City stellenweise sogar wie ausgestorben wirkte, füllte sich zumindest die Königstraße ab 22 Uhr. Weil der Schlossplatz mit Zäunen abgesperrt war, ebenso wie die Aufgänge zum Kleinen Schlossplatz und zum Königsbau wurde es dann kurz vor Mitternacht im Bereich vor dem Kunstmuseum kurzzeitig sogar eng.

Vor allem auf der unteren Königstraße, im Oberen Schlossgarten und im Bereich des Schlossplatzes hat die Polizei zahlreiche Kontrollen durchgeführt, um das innerhalb des City-Rings geltende Mitführverbot von Feuerwerkskörpern durchzusetzen. Dabei wurden zahlreiche Taschen durchsucht und Jacken abgetastet. Insgesamt registrierten die Sicherheitskräfte bis 2.30 Uhr morgens rund 33 Verstöße gegen die Feuerwerksverbotszone.

Kaum zu überhören war auf der Königstraße und am Schlossplatz in dieser Nacht, dass die meisten, die hier Silvester feiern wollten, einen Migrationshintergrund hatten. Trotz der zahlreichen Plakate und Transparente, die in der ganzen Innenstadt darauf aufmerksam gemacht haben, wussten auf Anfrage viele nicht, dass in der Innenstadt selbst kein Feuerwerk stattfindet.

Enttäuschung auch bei einigen Touristen, die nach Stuttgart angereist waren, um die Silvesterfeier auf dem Schlossplatz mitzuerleben. Ein Paar aus Sigmaringen hatte erst in der Stadt erfahren, dass die zentrale Silvesterfeier mit Lightshow in diesem Jahr ausfällt. „Wir sind dann trotzdem in die Innenstadt gekommen“, erklärten sie. Nicht klar war ihnen, dass man in Stuttgart das Feuerwerk von einem der Aussichtspunkte am Kesselrand deutlich besser betrachten kann.

Mehrere Festnahmen nach dem Jahreswechsel

Die Mitteilungen der Polizei bestätigten den insgesamt friedlichen Eindruck, den die Silvesternacht in der Innenstadt in diesem Jahr machte. Noch in der Nacht bezeichnete Polizeisprecher Timo Brenner die Lage als „weitgehend störungsfrei“. Neben den 33 Verstößen gegen die Feuerwerksverbotszone hatte die Polizei bei drei Personen Messer entdeckt und beschlagnahmt. Nachdem auf dem Schlossplatz kurz nach dem Jahreswechsel vereinzelt Feuerwerk innerhalb der feiernden Personen gezündet worden war, nahm die Polizei die Tatverdächtigen jeweils fest. Zudem wurden drei Personen wegen Widerstand gegen Polizeibeamte festgenommen.

Feuerwerk über die Stuttgarter Innenstadt. Foto: Ferdinando Iannone

Wie die Polizei in der Nacht weiter mitteilte, nahmen die Einsatzkräfte insgesamt 14 Strafanzeigen auf, darunter Körperverletzungsdelikte und Verstöße gegen das Waffengesetz. Polizeisprecher Brenner betonte, dass das „Einsatzkonzept, bestehend aus offensiver Präsenz und niederschwelligen Kontrollen“ aufgegangen sei. Zudem hätten sich viele Bürger an die geltenden Regeln gehalten.

Die Stuttgarter Feuerwehr musste Stand 2 Uhr morgens bei 55 Einsätzen vor allem kleinere Brände im Stadtgebiet bekämpfen. Wie Feuerwehrsprecher Daniel Anand erklärte, kam es bereits am Mittwochabend zu einem Brand auf einer Dachterrasse in der Adlerstraße in Stuttgart-Süd. In der Zeppelinstraße in Stuttgart-West brannte ein Fahrzeug.