Ermedin Demirovic ist wieder fit – und sieht im Auftreten des VfB 2026 Unterschiede im Vergleich zur Zeit davor. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Vollgas-Fußball gegen Leverkusen und Frankfurt: Der starke Auftakt der Stuttgarter fußt auf klaren Steigerungen im Vergleich zu 2025. Spieler und Verantwortliche mahnen dennoch.

Eigentlich war es ja ein passender Zeitpunkt, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen und das große Ganze in den Blick zu nehmen: Das 3:2 des VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt bildete den Abschluss der Hinrunde, gegen alle 17 Kontrahenten steht ein Ergebnis in den Statistiken, verbunden mit umfassenden Eindrücken. Aber: Ein ausgeruhtes Fazit in der englischen Woche lässt der Terminplan kaum zu, die nächsten Aufgaben nahen. Und so fasste sich auch der Stuttgarter Trainer Sebastian Hoeneß eher kurz, sprach ausdrücklich von einer Momentaufnahme – um dann aber immerhin noch zu betonen: „Es war für uns ein sehr runder Start in das neue Jahr.“

 

Das gilt natürlich zunächst rein ergebnistechnisch, mit den beiden Siegen bei Bayer Leverkusen (4:1) und gegen Eintracht Frankfurt (3:2) hat sich der VfB im vorderen Tabellendrittel der Bundesliga festgesetzt. Aber: Rund sind aus Stuttgarter Sicht eben nicht nur die Resultate. „Die Art und Weise der beiden Siege ist schon auch entscheidend“, sagt Sportvorstand Fabian Wohlgemuth zu den jüngsten Leistungen, in denen eine Weiterentwicklung im Vergleich zur Endphase des Vorjahres unverkennbar war: Der VfB tritt 2026 aufs Gaspedal, offensiv wie defensiv.

An dieser Stelle lohnt zunächst der Blick auf den eigenen Ballbesitz, der in der Spielweise unter Hoeneß bekanntlich einen zentralen Stellenwert einnimmt. Sichere Pass-Stafetten gab es schon in den ersten Monaten der Saison, zuletzt aber paarte sie der VfB mit einer hohen Zielstrebigkeit. Oft ging es geradlinig nach vorne, immer die Tiefe im Blick, selten im Verwaltungsmodus. Die Konsequenz: eine Chancenfülle, sodass sich die Stuttgarter gegen die Frankfurter sogar mehrere vergebene Gelegenheiten leisten konnten – und die Treffer durch viel Präsenz vor des Gegners Tor im Verlauf des Spiels schlicht erzwangen. Letztlich trafen Ermedin Demirovic per Abstauber (27.), Deniz Undav mit einem Schlenzer in die lange Ecke (35.) und Nikolas Nartey nach starker Kombination über rechts (87.).

Ermedin Demirovic: „Wir ackern extrem viel gegen den Ball“

Zugleich ist der VfB auch im Verhalten bei gegnerischem Ballbesitz Schritte gegangen. Frankfurts Trainer Dino Toppmöller hatte schon im Vorfeld eine Partie mit hoher Körperlichkeit erwartet – und bekam sie gegen den VfB, der gallig auftrat und in den Zweikämpfen immer wieder Zeichen setzte. „Das ist ein Schlüssel“, sagt Hoeneß, „wir gewinnen gerade einfach mehr Duelle. Das ist die Basis.“ Mit durchschnittlich 53 Prozent erfolgreichen Zweikämpfen pro Partie sind die Stuttgarter im Ligavergleich ohnehin vorne dabei, in diesem Jahr aber lag die Quote nochmals höher. In Leverkusen bei 55 Prozent, gegen die Eintracht gar bei 60 Prozent.

Dieser Schritt kommt nicht von ungefähr, Mittelstürmer Demirovic hatte bereits während der Winter-Vorbereitung eine neue Power und Angriffslust ausgemacht. „Fußball spielen konnten wir immer, Tore machen konnten wir immer“, sagt der 27-Jährige – und merkt kritisch an: „Manchmal hat man das Gefühl gehabt: Diese Geilheit, mal eine Grätsche auszupacken, einen Ball zu erobern und dann direkt nach vorne zu spielen – das war nicht immer da.“ Derzeit ist das anders, nicht nur in den Spielen. Beim Beobachten der Trainingseinheiten, berichtet der Stürmer, würde man schon unter der Woche sehen, „dass wir gegen den Ball extrem viel ackern“.

Voller Fokus: Deniz Undav im Spiel gegen Frankfurt Foto: Baumann/Alexander Keppler

Die Folge dieser Mischung aus offensiver und defensiver Entschlossenheit: eine starke Ausgangsposition nach der Hinrunde. Mit 32 Zählern haben die Stuttgarter lediglich zwei Punkte weniger auf dem Konto als zum selben Zeitpunkt der Vizemeister-Saison 2023/24 – und drei Zähler mehr als im Vorjahr. „Wir sind mit der Punktzahl extrem zufrieden und haben damit unsere Ambitionen weiter untermauert“, sagt Sportchef Wohlgemuth – mahnt aber umgehend: „Jetzt ist es wichtig, dass wir den Spannungsbogen über die gesamte Zeit aufrechterhalten.“

Die Warnung hat ihren Grund, sie fußt auf konkreten Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit. Im Vorjahr startete man ebenfalls stark in den Januar mit damals sogar vier Pflichtspiel-Siegen in Serie, ehe der große Knacks kam. Das deutliche 1:4 in der Champions League gegen Paris Saint-Germain wirkte nach, die Leistungen fielen vor allem im Februar ab, auch ohne englische Wochen und mit mehr Zeit zur Spielvorbereitung. Am Ende ging es vom vierten Platz nach unten bis auf Rang neun.

Das alles war und ist Thema innerhalb der Mannschaft. „Wir haben letztes Jahr viel über diese Phase gesprochen“, sagt Demirovic, „da haben wir zu viele Punkte liegen gelassen. Uns hat immer ein Prozent gefehlt, alles rauszuholen.“ Dieses Jahr, ist sich der Stürmer sicher, werde das nicht noch einmal passieren. Dafür will auch der Trainer sorgen, der die Konzentration hochhält. „In der Bundesliga ist es immer haarscharf, du musst sehr klar bleiben“, sagt Sebastian Hoeneß, für den längst die nächste Aufgabe gegen Union Berlin am Sonntag (15.30 Uhr) im Fokus ist. Zeit für eine Hinrunden-Bilanz bleibt da kaum.