Die Wahrscheinlichkeit ist riesengroß, dass der VfB 2026/27 zum dritten Mal in Folge international spielt. Aber in welchem Wettbewerb? Die Aussagen zu den Zielen variieren.
Natürlich ist die Saison noch lange nicht auf der Zielgeraden. An den verbleibenden 14 Spieltagen der Fußball-Bundesliga kann sich noch viel verschieben, werden Mannschaften Hochs und Tiefs durchlaufen, klettern und fallen. Einerseits. Auf der anderen Seite aber befindet sich der VfB Stuttgart im Rennen um die internationalen Plätze in einer Ausgangslage, die kaum Raum für Zweifel lässt.
Durch das hart erarbeitete 1:0 gegen den SC Freiburg haben die Stuttgarter nun zwölf Punkte Vorsprung auf die siebtplatzierten Breisgauer – und sind damit klar auf Kurs Top 6, was am Saisonende in jedem Fall die Qualifikation für das internationale Geschäft bedeuten würde. Die um 13 Treffer bessere Tordifferenz im Vergleich zum SCF bedeutet zudem de facto nochmals einen zusätzlichen Punkt.
Den immensen Abstand nach hinten relativiert auch beim VfB niemand. „Das ist schon ein großes Polster“, sagt Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, während Trainer Sebastian Hoeneß von „Big Points“ gegen die Freiburger spricht. Mit 39 Zählern bewegt man sich auf dem Niveau der Vizemeister-Saison 2023/24, in der es zum selben Zeitpunkt nur ein Punkt mehr war.
Atakan Karazor: „Den vierten Platz wollen wir jetzt halten“
Hinzu kommt: Es deutet wenig auf einen Stuttgarter Einbruch in den kommenden Wochen hin. Der VfB präsentiert sich stabil, gewinnt auch zähe Angelegenheiten und potenzielle 0:0-Spiele wie am Wochenende, hat wenige Verletzungssorgen, kann entsprechend von der Bank nachlegen und trifft oft spät: Gegen den SC gelang bereits zum dritten Mal im noch jungen Jahr 2026 in einem Pflichtspiel der Siegtreffer in den letzten Spielminuten.
Kurzum: Gewagt ist die These nicht wirklich, dass die Stuttgarter in der Saison 2026/27 zum dritten Mal in Folge international vertreten sein werden. Aber: In welchem Wettbewerb? Das ist komplett offen. Als derzeitiger Vierter würde sich der VfB für die Champions League qualifizieren, dahinter drängen aber namhafte und stark besetzte Konkurrenten: RB Leipzig folgt als Fünfter mit nur einem Punkt weniger, Bayer Leverkusen als Sechster mit vier Zählern weniger und einem Nachholspiel beim Hamburger SV in der Hinterhand. Eine sehr enge Konstellation also, in der auch die Europa League oder die Conference League realistische Szenarien bilden.
Nun wäre es ja nicht ganz abwegig, angesichts dieser Ausgangslage und des großen Abstands nach hinten die Königsklasse als Ziel anzuvisieren – was auch passiert, zumindest aus der Mannschaft heraus. Zum Beispiel durch den Kapitän. Schon vor dem Freiburg-Spiel hatte Atakan Karazor teamintern von der Chance gesprochen, auf den wichtigen vierten Platz zu springen. Als das dann geschafft war, untermauerte er die Ansprüche: „Diesen Platz wollen wir jetzt halten“, sagte der Mittelfeldspieler bei „Sky“ und bekräftigte auf Nachfrage: „Ich denke, momentan sind wir auf Champions-League-Kurs.“
Dem Trainer dagegen kommen derart explizite Ambitionen nicht über die Lippen, Sebastian Hoeneß bleibt seiner Linie treu: voller Fokus auf die nächsten Aufgaben, kein Blick in die weiter entfernte Zukunft – und schon gar keine Rechenspiele: „Ich wiederhole mich da gerne gebetsmühlenartig: Das bringt uns nicht weiter, deswegen werden wir nicht besser spielen“, sagt der 43-Jährige. Die jetzige Punktzahl sei enorm, zugleich werde man mit ihr am Ende nichts erreicht haben. „Deswegen bleiben wird fokussiert. Eine Saison besteht immer auch aus Wellen. Da muss man sehr achtsam sein.“ Die vergangene Spielzeit dient da durchaus als mahnendes Beispiel, als eine Delle in der Rückrunde das Abrutschen von Platz vier auf neun zur Folge hatte.
Damals aber war der Vorsprung auf die nicht-europäischen Plätze zu keinem Zeitpunkt so groß wie jetzt. Der Sportchef glaubt durchaus, dass der aktuelle Puffer zu einem positiven mentalen Faktor mit Folgen für das eigene Spiel werden kann – und Druck nimmt. „Möglicherweise“, sagt Fabian Wohlgemuth, „gibt das ja auch nochmals eine neue Sicherheit, vielleicht auch ein wenig Leichtigkeit.“ Man könne mit einem stabilen Grundgefühl in die nächsten Spiele gehen.
Bevor hier in der Bundesliga in den kommenden fünf Partien ausnahmslos Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte auf den VfB warten, geht es an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) im Viertelfinale des DFB-Pokals auswärts gegen Zweitligist Holstein Kiel. Ein komplett anderer Wettbewerb und ein Alles-oder-nichts-Abend – an dem die Bundesliga-Tabelle keine Rolle spielen wird.