Legt der VfB auf dem Transfermarkt nochmals nach? Der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth äußert sich zu den Planungen.
Acht Spiele noch. So langsam rückt das Jahresende für den VfB Stuttgart näher – und mit ihm die Gelegenheit, einen prüfenden Blick auf den Kader zu werfen. Haben sich die Erwartungen erfüllt? Oder muss im Januar im Winter-Transferfenster nachjustiert werden? Die Frage ist auf den ersten Blick alles andere als abwegig in Bad Cannstatt, schließlich sorgt Rang elf nach zehn Spieltagen nicht gerade für Freudensprünge. Zudem häufen sich derzeit kleinere Blessuren angesichts der Mehrfachbelastung, zuletzt waren Enzo Millot und Angelo Stiller von den Nationalteams abgereist.
Und an Transfergerüchten, das steht fest, herrscht kein Mangel. Schon seit Wochen nicht. Leon Goretzka vom FC Bayern galt einst als heißer Kandidat beim VfB, wenig später verallgemeinerte sich die Diskussion auf einen Mittelfeldspieler in einem bezahlbareren Segment. Rein faktisch aber spricht vieles dafür, dass auch das nicht passieren wird. Denn die Stuttgarter Verantwortlichen können sich gut vorstellen, in genau der jetzigen Konstellation in die zweite Saisonhälfte zu gehen. „Wir sind mit unserer Gruppe sehr zufrieden und planen derzeit keine größeren Transferaktivitäten im Winter“, sagt der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth unserer Redaktion – versehen mit dem relevanten Nachsatz, der stets gilt: „Sofern sich durch Verletzungen keine grundlegend neue Situation ergibt.“
Großes Angebot in der Offensive
In der Offensive überrascht die Marschroute nicht. Mit den Verpflichtungen von Deniz Undav (27 Millionen Euro) und Ermedin Demirovic (21 Millionen) hat man im Sommer bereits viel Geld in die Hand genommen – und sich darüber hinaus verstärkt mit den Leihen der Nationalspieler Fabian Rieder (Schweiz) und El Bilal Touré (Mali). Zusammen mit den Stammkräften der Vorsaison und einigen Talenten herrscht fast schon ein Überangebot, zuletzt sorgten Nick Woltemade und Justin Diehl gegen Eintracht Frankfurt (2:3) für frischen Wind. „Es hat sich zum Beispiel in diesem Spiel gezeigt, dass wir Ausfälle kompensieren können und gegen starke Teams noch immer absolut konkurrenzfähig sind“, sagt Wohlgemuth, „wir haben unseren Kader im Sommer bewusst breiter aufgestellt, um der Mehrfachbelastung Rechnung zu tragen.“ Und: 19 Tore in zehn Bundesliga-Spielen sind ja auch ein guter Wert.
Die Zahl führt aber auch zu einem wunden Punkt. 19 Tore hat der VfB in der Liga nämlich auch schon kassiert. Fast zwei im Schnitt – und viel zu viel, um in interessante Tabellenregionen vorzustoßen. Warum man dennoch mit dem bestehenden Personal von Besserung überzeugt ist? Die Gründe variieren je nach Positionsgruppe. Im defensiven Mittelfeld hat der VfB, zumindest was die Startelf angeht, keine Baustelle. An Atakan Karazor und Angelo Stiller gibt es kaum ein Vorbeikommen, zudem sind sie bislang fast nie länger ausgefallen.
Der VfB könnte bis zur Winterpause aufholen
Yannik Keitel kommt da kaum zum Zug – wie übrigens auch zuvor Mo Dahoud, den der VfB im vergangenen Winter ein halbes Jahr ausgeliehen hatte. Es ist nicht die einzige Position ohne große Rotation, auch Linksverteidiger Frans Krätzig muss sich hinter Maximilian Mittelstädt in Geduld üben. Trotz dieser Hierarchien ist man beim VfB mit dem Einsatz der Profis mit wenig Spielzeit zufrieden – und drängt auf keine Veränderung, sofern die Spieler nicht explizit mit dem Wunsch nach mehr Spielpraxis auf die Verantwortlichen zukommen würden.
Defensive Neuzugänge sind indessen auch deshalb nicht ganz oben auf der Prioritätenliste, da sich zwei interne Verstärkungen anbahnen. Der eine, Außenverteidiger Leonidas Stergiou, hat nach seiner starken Rückrunde der Vorsaison in dieser Spielzeit wegen Rückenbeschwerden noch keine Partie absolviert und steht nun vor dem Comeback. Der andere, Innenverteidiger Ameen Al-Dakhil, ist da schon einen Schritt weiter – und hat Anfang November sein VfB-Debüt gegeben nach einer langwierigen Muskelverletzung. In den Planungen spielt der belgische Nationalspieler eine wichtige Rolle, der im Sommer für 7,5 Millionen Euro vom FC Burnley zum VfB gewechselt war und bis 2028 unterschieben hat. Schon damals war klar, dass er mehr ein Invest in die Zukunft als Soforthilfe in der Hinrunde sein würde.
Nach dem ereignisreichen Sommer-Transferfenster könnte im Winter allenfalls eine Dynamik durch das Interesse eines Topclubs an einer Stuttgarter Stammkraft entstehen – was sich aber nicht abzeichnet. Und selbst vor einem Jahr blieben namhafte Abgänge aus, obwohl der VfB mit Serhou Guirassy eine der heißesten Aktien des Transfer-Winters in seinen Reihen hatte.
Ohnehin gilt: Bevor der Transfermarkt überhaupt Fahrt aufnehmen könnte, will der VfB punkten. Der Zugzwang ist da, die Möglichkeit dazu aber auch. In der Bundesliga warten bis Jahresende Heimspiele gegen den VfL Bochum, den 1. FC Union Berlin und den FC St. Pauli. Auswärts geht es zu Werder Bremen und zum 1. FC Heidenheim. Hinzu kommen Duelle mit Jahn Regensburg im DFB-Pokal sowie mit Roter Stern Belgrad und den Young Boys Bern in der Champions League. Acht wegweisende Partien – in denen der Kader zeigen will und muss, was in ihm steckt.