Chema (Mitte) rückt wieder näher an die Startelf. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Chema Andrés hat beim VfB Stuttgart zuletzt nicht allzu viel Spielzeit gesehen, gegen Young Boys aber ein Ausrufezeichen gesetzt. Wird er im Landesduell wieder eingesetzt werden?

Wenn man José María Andrés Baixauli bei der Ausübung seines Berufes zuschaut, dann kommt einem unweigerlich eine Legende des Weltfußballs in den Sinn. Manchmal meint man sogar, sie stünde tatsächlich auf dem Feld. Nämlich dann, wenn Señor Baixauli, genannt Chema, mit simplen, einfachen Berührungen des Spielgeräts Unerwartetes vollzieht. Den oder die Gegenspieler ins Leere laufen lässt, dem Spielgerät eine andere Richtung gibt, den Takt der Partie bestimmt. Das alles mit hoch aufgerichtetem Körper, Blick nach vorn, niemals nach unten, das Trikot wie es sich für Spieler mit Stil gehört in die Hose gesteckt. Wenn es solch einen Moment im Spiel gibt, dann denkt man manchmal wirklich, Sergio Busquets steht auf dem Feld.

 

Aber es ist nicht der Weltmeister von 2010 und Europameister von 2012. Es ist nicht der Mann mit den unfassbaren 37 Titeln auf Nationalmannschaft- und Clubebene. Es ist Chema Andrés vom VfB Stuttgart. Der hat zwar bisher nur drei Titel in seiner noch jungen Karriere gesammelt, wirkt bisweilen aber wie eine Kopie des 37-jährigen Weltstars. Allerdings war es in den letzten Wochen kaum möglich, dem Spanier dabei zuzusehen, wie er die Kunst der Einfachheit in Deutschlands höchster Spielklasse auf den Platz zeigt. Denn Chema war raus.

Chema Andrés liebäugelt mit der WM

Im Sommer gekommen, zeigte der Neuzugang schnell, welch Potenzial in ihm steckt. Traf sogar bei seinem ersten Einsatz für den neuen Club zum Sieg (1:0 gegen Borussia Mönchengladbach). Dann der Durchbruch, zur Mitte der Vorrunde folgten fünf Spiele über die volle Distanz. Der junge Mittelfeldspieler machte Kapitän Atakan Karazor nahezu komplett vergessen. Doch zum Jahresende war plötzlich die Luft raus. Er kam zu keinen Einsätzen mehr und auch in den letzten sechs Ligaspielen im noch jungen Jahr liest sich seine Bilanz sehr überschaubar. Er stand zwar immer im Kader, wurde aber nur dreimal eingesetzt – für insgesamt gerade einmal 15 Minuten. Viel zu wenig für den ambitionierten Jungstar, der insgeheim noch mit einer Nominierung für die spanische A-Nationalelf für die WM im Sommer liebäugelt. Noch hat der U-21-Europameister von 2024 kein Spiel für die „Furia Roja“ absolvieren dürfen.

Da kam das Europa-League-Spiel gegen Young Boys Bern gerade recht. Denn in den internationalen Spielen setzt der Trainer eher auf den Spanier. In sechs der acht Partien kam er zum Einsatz, in fünf davon vom Start weg. Trainer Sebastian Hoeneß ließ Chema auch gegen Bern von Beginn an ran - und der Spanier rechtfertigte das Vertrauen. An der Seite von Angelo Stiller organisierte er das Spiel, machte Sergio-Busquets-Dinge und zeigte eine Leistung, die denen nahekam, mit denen er sich vor Monaten in Stuttgart einen Namen gemacht hatte. Chema spielte durch – und das, obwohl Hoeneß einen Wechsel auf seiner Position im zentralen Mittelfeld vornahm. Doch nicht Chema musste weichen, als Kapitän Karazor in die Partie kam, sondern der leicht überspielt wirkende Stiller, der keinen guten Tag hatte.

Das ist insofern interessant, dass es normalerweise keine Rolle spielt, wie Stiller drauf ist. Kann er spielen, spielt der verlängerte Arm des Trainers auch – und das in der Regel über die volle Distanz. Dieses Mal allerdings erhielt Chema das Vertrauen, blieb drauf – und krönte seine starke Leistung mit dem Siegtreffer gegen YB in der 90. Minute. Eine blitzsaubere Partie des Youngsters, der damit nach schwierigen Wochen ein Ausrufezeichen setzte. Gut möglich also, dass der junge Organisator im Landesduell gegen den SC Freiburg erneut eine Chance von Beginn an erhält, um seine Klasse zu zeigen. Selbstverständlich stilecht mit aufgerichtetem Körper, Blick nach vorn und dem in die Hose gesteckten Trikot.