Die jüngsten Spiele der Stuttgarter gegen Borussia Dortmund haben regelmäßig für Schlagzeilen gesorgt – am Ende meist mit dem besseren Ende für den VfB.
Gegen den BVB hat alles angefangen. Zumindest vor eigenem Publikum. Das 3:3 gegen Borussia Dortmund im April 2023 war das erste Heimspiel, in dem Sebastian Hoeneß als Trainer des VfB Stuttgart an der Seitenlinie stand. Damals steckte die Mannschaft tief im Abstiegskampf, inzwischen mischt sie in der Spitzengruppe mit – auch dank Erfolgscoach Hoeneß, der an diesem Freitag seit genau drei Jahren im Amt ist und damit in einen illustren Kreis vorstößt: Nur Christoph Daum und Felix Magath standen seit Einführung der Bundesliga noch länger ohne Unterbrechung für den VfB an der Seitenlinie, beide kann Hoeneß in zweieinhalb Wochen respektive drei Monaten einholen. An Jürgen Sundermann (1976–1979) und Meistertrainer Helmut Benthaus (1982–1985) zieht er indessen schon jetzt vorbei.
Es passt irgendwie ganz gut, dass zu diesem Jubiläum am Samstag (18.30 Uhr) wieder Borussia Dortmund zu Gast ist. Gegen kein Team hat Hoeneß als VfB-Trainer häufiger gespielt, keines der bisherigen sieben Duelle ging verloren. Und: Meist waren es spezielle Partien, an denen sich die Stuttgarter Entwicklung der vergangenen drei Jahre gut nachzeichnen lässt. Ein Rückblick.
April 2023: VfB – BVB 3:3. Lange sehen die Stuttgarter wie die sicheren Verlierer aus: Der Abstiegskandidat liegt gegen den Zweiten und Titelanwärter mit 0:2 hinten und spielt nach einer unnötigen Gelb-Roten Karte gegen Konstantinos Mavropanos in Unterzahl. Was folgt, ist ein großer Kraftakt. In der siebten Minute der Nachspielzeit gelingt dem eingewechselten Silas der 3:3-Ausgleich – ein wichtiger Punkt für die Moral. Hoeneß spricht im Anschluss von „einem unglaublichen Spiel mit einer unglaublichen Atmosphäre im Stadion“.
November 2023: VfB – BVB 2:1. Fünf Monate später sind die Vorzeichen völlig andere. Der VfB spielt nach der erfolgreichen Relegation mit dominantem Ballbesitz-Fußball völlig überraschend um die vorderen Plätze mit – und hält die Dortmunder auf Distanz. Der eingewechselte und gerade erst von einer Oberschenkel-Verletzung genesene Torjäger Serhou Guirassy erzielt kurz vor Schluss per Elfmeter den entscheidenden Treffer.
Dezember 2023: VfB – BVB 2:0. In kaum einem Spiel manifestiert sich das neue Standing des VfB so sehr wie in diesem Pokal-Achtelfinale: Dortmund-Trainer Edin Terzic zeigt mit seiner Aufstellung großen Respekt vor dem Gegner, wählt einen defensiven Ansatz und stellt auf Fünferkette um. Die Stuttgarter bestimmen das Geschehen und ziehen verdient in die nächste Runde ein, während beim BVB über den Trainer und die Spielweise diskutiert wird. Torhüter Gregor Kobel stellt bedient fest: „Stuttgart macht es überragend, da ist überall extrem viel Bewegung drin. Wir waren immer sehr statisch.“
April 2024: BVB – VfB 0:1. Ein wichtiger Schritt in Richtung Champions League: Der VfB distanziert den Fünften aus Dortmund im direkten Duell auf sieben Punkte dank des goldenen Treffers von Guirassy, der am Ende auf 28 Saisontore kommt und gemeinsam mit Sturmpartner Deniz Undav (18 Tore) einer der Erfolgsgaranten dieser Saison ist. Am Ende werden die Stuttgarter sogar Vizemeister hinter Bayer Leverkusen.
September 2024: VfB – BVB 5:1. Nach den Sommer-Wechseln von Guirassy und Verteidiger Waldemar Anton zum BVB erhält das Spiel eine besondere Note. Vor allem Anton wird von den VfB-Fans aufgrund seiner vorherigen Treuebekenntnisse bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Die Stuttgarter gewinnen eines ihrer besten Saisonspiele deutlich – auch dank einer Galavorstellung von Enzo Millot, der ein Tor selbst erzielt und zwei Treffer vorbereitet.
Februar 2025: BVB – VfB 1:2. Ein völlig untypischer Auftritt unter Hoeneß. Der VfB verteidigt tief und will nach vier englischen Wochen in Folge Tempo aus dem Spiel nehmen. Letztlich mit Erfolg: Trotz nur 32 Prozent Ballbesitz und wenigen Chancen gewinnen die Stuttgarter durch ein Eigentor von Anton und einen Treffer von VfB-Abwehrchef Jeff Chabot – womit zugleich der Einstand von Niko Kovac als Dortmund-Trainer vermasselt ist. Es folgen eine Stuttgarter Schwächephase und am Saisonende Platz neun, was der Pokalsieg wieder wettmacht.
November 2025: BVB – VfB 3:3. Die Deniz-Undav-Show in Dortmund. Der Stürmer erzielt nach der Pause alle drei Stuttgarter Treffer – den letzten in der Nachspielzeit in klassischer Stürmer-Manier mit dem Rücken zum Tor aus der Drehung. „Das war absolute Werbung für den Fußball“, sagt VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth nach dem überaus unterhaltsamen Spiel. Das könnte es auch am Samstag werden, wenn der Dritte aus Stuttgart den Zweiten aus Dortmund zum Topspiel empfängt. Und Sebastian Hoeneß in sein viertes Jahr beim VfB startet.