Eines der ikonischen Jubelbilder der letzten Saison. Guirassy und Undav freuen sich gemeinsam. Eine Wiederholung wird es nicht geben. Foto: IMAGO/Michael Weber/IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER

Serhou Guirassy wird den VfB verlassen, hat diese Entscheidung dem Club bereits mitgeteilt. Sein Abgang und die damit verbundenen Einnahmen ermöglichen nun wohl eine Wendung, mit der man zuletzt nicht mehr rechnen konnte.

Am Ende hat es niemanden unter dem weiß-roten Dach wirklich mehr überrascht. Serhou Guirassy, VfB-Stürmerstar und der auf eine Saison gesehen erfolgreichste Angreifer der Vereinsgeschichte, wird den Club verlassen. Das hat der Guineer dem Club nun mitgeteilt. Er hat seine Ausstiegsklausel aktiviert und wird wechseln. Knapp 20 Millionen Euro wird das dem VfB Stuttgart einbringen. Bis das allerdings auf dem Konto des Vizemeisters aufschlägt, könnte es sich noch eine Weile hinziehen.

 

Denn nach Informationen unserer Redaktion ist längst nicht klar, wohin es den Angreifer zieht. Ein Verhandlungspartner für den finalen Vollzug des Transfers hat sich nämlich noch nicht beim VfB gemeldet. Lediglich eine Tendenz zeichnet sich ab. Es zieht den Stürmer nicht nach Saudi-Arabien (Al-Ahli SFC war im Gespräch) und auch der FC Chelsea ist aus dem Rennen. Guirassy hat sich auf eine Auswahl aus dem FC Arsenal, dem AC Mailand und Borussia Dortmund festgelegt.

Einer dieser drei Clubs soll es werden. Die Tendenz geht ins Ausland. Dem Vernehmen nach müssen diese drei potenziellen neuen Arbeitgeber ein Paket in Höhe von 65 bis 75 Millionen Euro schnüren, wenn sie den Zuschlag bekommen wollen. So detailliert hat der Stürmer seine Vorstellungen nach unseren Informationen kommuniziert. Die Ablösesumme ist dabei noch der geringste Posten. Der weitaus größere setzt sich aus Handgeld, Jahresgehalt mal Vertragslaufzeit und potenziellen Boni zusammen. Schließlich kennt Guirassy seinen Marktwert genau und weiß, dass es der größte Vertrag sein kann, den er in seiner Karriere noch unterschreiben wird. Da gilt es fordernd zu verhandeln.

Der VfB gibt sich entspannt und vorbereitet

Für den VfB bedeutet das nun, dass er seine Planungen für den Fall der Fälle nun finalisieren kann. Der Club gibt sich entspannt und vorbereitet. Ein Neuzugang für die Offensive soll mindestens noch kommen, dazu bekommen die in der letzten Saison ausgeliehenen Wahid Faghir, Jovan Milosevic, Mohamed Sankoh und auch Thomas Kastanaras die Möglichkeit, sich ab dem Trainingsstart (4. Juli) dem Trainer Sebastian Hoeneß mit Nachdruck zu empfehlen. Für manche aus dem Quartett dürfte das die letzte Chance sein.

Noch wichtiger aber ist: die garantierten Ablösesummen aus den geplanten Verkäufen (Ito und Guirassy bringen zusammen rund 40 Mio Euro) und die des ungeplanten (Waldemar Anton bringt 23,5 Mio. Euro) haben den finanziellen Spielraum des Clubs derart vergrößert, dass man in Sachen Deniz Undav nun bereit ist, in Dimensionen vorzustoßen, die der VfB bislang nur vom Blick auf die Aktivitäten der Konkurrenz auf dem Transfermarkt kennt. Schließlich gilt bis heute Nicolas Gonzalez’ Wechsel aus der Saison 2018/19 als der teuerste der Vereinsgeschichte. Knapp 13 Millionen Euro hat der Argentinier alles in allem gekostet.

Deniz Undav dürfte nun in etwa das Doppelte verschlingen. Eine Summe, die sich zusammensetzt aus der mittlerweile gestiegenen Kaufoption (lag ursprünglich bei 20 Millionen Euro, hat sich durch seine Trefferquote in der Bundesliga und den Einsatz bei der EM auf rund 22 Millionen Euro erhöht) und dem Wert zur Rückkaufoption, die sein Stammclub Brighton & Hove Albion besitzt, zusammensetzt.

Mündliche Einigung zwischen Undav und dem VfB

Dieser Umstand ließ noch in der Vorwoche die Conclusio zu, dass der Deal vollends zu platzen drohte. Doch die Gemengelage hat sich erneut geändert. Denn zum einen hat Undav Brightons neuem Trainer Fabian Hürzeler (kam vom FC St. Pauli) in einem Telefonat unmissverständlich klar gemacht, dass er weiterhin nicht gedenke, nach England zurückkehren zu wollen. Zum anderen hat Undav sich mit dem VfB mündlich komplett geeinigt und nach Informationen unserer Redaktion gewisse Abstriche bei seinen finanziellen Vorstellungen gemacht.

Das alles, um seinen Traum, weiterhin vor der Cannstatter Kurve spielen zu können, Realität werden zu lassen. Um dann alle 14 Tage das Gefühl wieder auskosten zu können, dass er bei seiner Einwechslung im Länderspiel gegen Ungarn in der Vorwoche verspürte: „Ich hatte Gänsehaut, als die Fans meinen Namen gerufen haben. Es ist ein überragendes Gefühl. Auch deswegen fühle ich mich in Stuttgart so wohl. Ich liebe den Verein, ich liebe die Fans“, ließ Undav danach wissen.