Bilal El Khannouss (links) spielt in den Planungen von Trainer Sebastian Hoeneß eine wichtige Rolle. Foto: Baumann

Der Offensivspieler soll nach dem Afrika-Cup schnell wieder einstiegen, wobei der Zeitpunkt maßgeblich vom Ausgang des Viertelfinals abhängt. Welche VfB-Spiele realistisch sind.

Ein großes Turnier im eigenen Land – diese Chance kommt für Fußballprofis in aller Regel nur einmal im Leben, wenn überhaupt. Was die WM 2006 oder die EM 2024 aus deutscher Sicht war, erlebt Bilal El Khannouss in diesen Tagen mit Marokko. Zum zweiten Mal nach 1988 richtet das Land den Afrika-Cup aus, der Offensivspieler des VfB Stuttgart ist mittendrin – und es lässt sich gar nicht so einfach sagen, ob nun die Euphorie oder doch die Erwartungshaltung größer ist. Vor exakt 50 Jahren hat Marokko das Turnier zum ersten und bislang letzten Mal gewonnen, die Sehnsucht ist riesig. „Viele Menschen wünschen sich, dass wir den Titel holen“, hatte der 21-Jährige bei seiner Abreise betont, „wir setzen uns selbst die höchsten Ziele.“

 

Dass der Titeltraum keine Utopie ist, zeigt ein Blick auf den Kader und die Einsatzzeiten von El Khannouss. Der Stuttgarter Stammspieler muss im Nationaltrikot um jede Minute hart kämpfen, nach zwei Einwechslungen in der Vorrunde stand er zuletzt im Achtelfinale gegen Tansania (1:0) die vollen 90 Minuten auf dem Feld. „Wir haben ein starkes Team mit vielen guten Spielern“, sagt El Khannouss. Das gilt für die Defensive mit Achraf Hakimi (Paris Saint-Germain) oder Noussair Mazraoui (Manchester United), aber auch für die vorderen Positionen mit Brahim Diaz (Real Madrid) oder Neil El Aynaoui (AS Rom). „Wenn wir unsere Qualität abrufen können, dann ist sehr viel möglich“, sagt der VfB-Profi. Drei Schritte fehlen noch, an diesem Freitag (20 Uhr) geht es in Rabat im Viertelfinale gegen Kamerun.

Sebastian Hoeneß: „Es ist keine Zeit da, wir müssen weitermachen“

Man kann davon ausgehen, dass dann auch Sebastian Hoeneß vor dem Bildschirm sitzen wird. „Natürlich verfolge ich es“, sagt der Stuttgarter Trainer, „wir sind ständig im Austausch.“ Kurze Textnachrichten wandern seit Wochen von Bad Cannstatt nach Marokko und wieder zurück. Glückwünsche, Mutmacher, Nachfragen. Dass man den Afrika-Cup beim VfB zugleich mit gemischten Gefühlen verfolgt, liegt auf der Hand. „Klar schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, sagt Hoeneß, „es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, es ist nicht so.“

Denn während des Turniers fehlt El Khannouss logischerweise im Verein – was für die Stuttgarter einen schmerzhaften Ausfall darstellt. Im ersten Halbjahr hat sich der Neuzugang von Leicester City als echte Verstärkung erwiesen, mit seiner starken Technik auch in engen Räumen immer wieder Lösungen gefunden und Spiele mit einzelnen Aktionen entschieden. Wie beim 1:0 gegen den 1. FC Heidenheim oder mit seinem späten Führungstreffer beim 2:0-Erfolg gegen Feyenoord Rotterdam in der Europa League.

Bilal El Khannouss hat mit Marokko den Titel im Blick. Foto: IMAGO/Loulidiphoto

Ein vorzeitiges Aus und damit eine frühere Rückkehr nach Stuttgart wünscht sich aber auch der Trainer nicht. „Das gibt es in einem Fußballerleben ganz selten, dass du in deinem Heimatland so ein großes Turnier spielen kannst“, sagt Hoeneß. „Er soll das verbinden mit erfolgreichen Momenten. Die werden ihn dann auch tragen über die weitere Saison.“

Klar ist zugleich auch: Sobald das Turnier für Marokko beendet ist, plant der VfB wieder mit El Khannouss. Ein, zwei Tage Pause seien denkbar, so Hoeneß – mehr aber nicht: „Es ist keine Zeit da, wir müssen weitermachen. In England haben sie auch keine Zeit, da wird auch durchgespielt. Das wird es nicht geben. Er wird nicht noch eine Woche in Marokko bleiben.“

Damit lässt sich schon absehen, wann der Kreativspieler den Stuttgartern wieder zur Verfügung steht. Sollte El Khannouss am Freitag mit Marokko aus dem Turnier ausscheiden, könnte er schnell wieder eine Option sein. Zwar noch nicht an diesem Samstag (18.30 Uhr) bei Bayer Leverkusen, womöglich aber schon am Dienstag (18.30 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt, in jedem Fall am darauffolgenden Sonntag (15.30 Uhr) gegen Union Berlin.

Zieht Marokko dagegen ins Halbfinale ein, verschiebt sich alles nach hinten: Da es ein Spiel um Platz drei gibt, wird El Khannouss dann bis zum finalen Turnier-Wochenende am 17. und 18. Januar im Wettbewerb sein und dem VfB fehlen. Weil er im darauffolgenden Europa-League-Spiel des VfB bei der AS Rom wegen einer Gelbsperre nicht spielberechtigt ist, hätte er noch ein paar Tage mehr Pause. Bis zum 25. Januar. Dann gastieren die Stuttgarter bei Borussia Mönchengladbach, dann soll Bilal El Khannouss in jedem Fall wieder zur Verfügung stehen. Womöglich ja mit einem Titel und viel Rückenwind im Gepäck.