Die Stuttgarter überzeugen beim deutlichen 4:1 in Leverkusen nicht nur in der Offensive – und haben nun in der Bundesliga eine große Chance.
Die Spieler hüpften, die Fans sangen – Bilder wie jene nach Abpfiff am Samstagabend hatte es aus Sicht des VfB Stuttgart in Leverkusen lange nicht gegeben. Nachdem die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß in den vergangenen Jahren in der BayArena oft gut mitgehalten und doch wenig mitgenommen hatte, belohnte sie sich in ihrem ersten Bundesliga-Spiel des neuen Jahres. Und das auf überaus eindrucksvolle Weise mit einem 4:1-Auswärtssieg, der auch in der Höhe in Ordnung ging. „Offensichtlich war es so, dass sich hier in den letzten Monaten und Jahren einiges aufgestaut hat“, sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth im Anschluss, „wir haben hier sehr oft gelitten. Ich denke, wir haben uns den Abend mit dieser ersten Halbzeit redlich verdient.“
Dabei ließen die Stuttgarter die Werkself von der ersten Minute an kaum zur Entfaltung kommen – durch hohes Anlaufen sowie aggressives Gegenpressing nach Ballverlusten. „Absolut überragend“ sei es gewesen, so Wohlgemuth, wie man in der Rückwärtsbewegung die Bälle erobert habe. Da der VfB zugleich sicher und scharf im eigenen Kombinationsspiel agierte, ergab sich eine Fülle guter Chancen. Und insgesamt vier Tore im ersten Durchgang.
Leweling mit starker Leistung und Doppelpack
Die frühe Führung besorgte der starke Jamie Leweling, der sich nach einem Steilpass von Deniz Undav behauptete und den Ball ins Tor spitzelte (7.). Mitte der ersten Hälfte traf Leverkusens Jeanuel Belocian dann den aufgerückten Stuttgarter Rechtsverteidiger Josha Vagnoman im Strafraum an der Wade. Den fälligen Foulelfmeter verwandelte Maximilian Mittelstädt sicher per Flachschuss in die linke Ecke (29.) – womit sich der Stuttgarter Linksverteidiger immer mehr als sicherer Elfmeterschütze herauskristallisiert, nachdem der VfB in den vergangenen Jahren vom Punkt mehrere Strafstöße vergeben hatte.
„Die ersten 30 Minuten waren fast perfekt“, lobte Hoeneß, „wir haben sehr wenig zugelassen.“ In der Folge kam auch Bayer etwas besser auf, wobei VfB-Torhüter Alexander Nübel mit einem starken Reflex gegen Equi Fernandez (32.) seinen Kasten sauber und seine Mannschaft mit zwei Toren in Führung hielt.
Kurz vor der Pause entschied dann der VfB mit Doppelschlag die Partie. Erst stellte Leweling seine starke Schusstechnik unter Beweis und traf aus der Distanz trocken in die kurze Ecke (45.), dann legte Undav in der Nachspielzeit sogar noch den vierten Treffer nach: Nach Vorlage von Chris Führich behauptete er sich unter Bedrängnis und schloss trocken zum 4:0 ab. In der BayArena herrschte Stille, einzig die VfB-Fans sangen und gingen auch schon ein wenig in Hohn und Spott über: „Einer geht noch, einer geht noch rein.“
Nach der Pause gestaltete Bayer die Begegnung offener und erspielte sich einige Chancen. Der Anschlusstreffer durch Alejandro Grimaldo (66.) – Innenverteidiger Jeff Chabot hatte Malik Tillmann im Strafraum zu Fall gebracht – war nur noch Ergebniskosmetik, da der VfB weiter hoch verteidigte und die Werkself nicht ins Spiel kommen ließ. „Da war es wichtig, dass wir nicht nochmal ins Schwimmen kommen“, sagte Hoeneß.
Am Ende sei der Sieg „vielleicht um ein Tor zu hoch“ ausgefallen, so der Stuttgarter Trainer. Dass der Erfolg unter dem Strich aber in Ordnung ging, stand dabei außer Zweifel. Auch aus Sicht des Heim-Trainers. „Es war ein verdienter Sieg“, sagte Bayer-Chefcoach Kasper Hjulmand. „Unsere ersten 30 Minuten waren zu schlecht, Stuttgart hat eine sehr gute Leistung gezeigt. Es geht darum, die Zweikämpfe richtig zu führen. Da war Stuttgart besser.“
Am Dienstag wartet Eintracht Frankfurt
Durch den Sieg steht der VfB jetzt bei 29 Punkten auf Platz fünf – und ist nahe herangerückt an das punktgleiche Leverkusen, das aufgrund der Höhe der Niederlage von Platz drei auf vier abrutschte. Für die Stuttgarter bietet sich nun am kommenden Dienstagabend um 18.30 Uhr im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt die große Chance, sich in der Tabelle weiter oben festzusetzen.
„Einen besseren Start in das Jahr hätte man sich nicht vorstellen können“, sagte Hoeneß, der zugleich mahnte: „Das wird uns nicht automatisch gegen Frankfurt gewinnen lassen. Du musst es immer wieder aufs Neue beweisen. Aber der Glaube und Überzeugung sind da.“ Fest steht: Die Stuttgarter haben zum Start ins Jahr 2026 ein dickes Ausrufezeichen gesetzt und werden die nächsten Aufgaben mit breiter Brust angehen.