Der frühere Stuttgarter Kapitän spricht im Interview über die Stärken und Schwächen des kommenden Gegners, die Stimmung im Estadio do Dragao – und die Entwicklung des VfB.
Seine Zeit beim VfB Stuttgart liegt zwar inzwischen zwei Jahrzehnte zurück, der Kontakt von Fernando Meira (47) nach Bad Cannstatt ist aber nie abgerissen. Immer wieder schaut der Kapitän der Meister-Mannschaft von 2007 bei seinem früheren Club vorbei – zuletzt beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg Anfang März und wenige Tage später zum Frühjahrsempfang in der Liederhalle.
Inzwischen lebt der frühere Innenverteidiger wieder in seiner portugiesischen Heimatstadt Guimaraes – spricht aber nach wie vor fließend Deutsch und blickt wenig überraschend mit großem Interesse auf das anstehende Duell in der Europa League zwischen dem VfB und dem portugiesischen Tabellenführer FC Porto. Vor dem Hinspiel an diesem Donnerstag (18.45 Uhr) in der MHP-Arena spricht Fernando Meira über die Stärken beider Clubs und die Knackpunkte in den Partien.
Herr Meira, Sie kennen den portugiesischen Fußball bestens. Was erwartet den VfB gegen den FC Porto?
Ein wirklich starker Gegner. Sie stehen hinten sehr stabil und bekommen kaum Gegentore, agieren aggressiv und pressen gemeinsam. Absolut unbequem. Und das ist schon bemerkenswert, weil die vergangene Saison eine der schlimmsten in der Geschichte des Vereins war. Man hatte sich 2024 nach sieben Jahren vom sehr beliebten Trainer Sergio Conceicao getrennt, danach war es sehr unruhig mit letztlich elf Punkten Rückstand auf Meister Sporting Lissabon. Jetzt sind sie wieder obenauf – und man muss sagen: Der neue Trainer Francesco Farioli hat viel bewirkt, es ist eine ganz andere Mannschaft.
Auf welche Spieler gilt es besonders zu achten?
Im Tor ist Diogo Costa ein unglaublich starker Rückhalt. Interessant ist aber vor allem das zentrale Mittelfeld. Das ist ja beim VfB von großer Bedeutung – und da ist auch Porto stark aufgestellt mit Alan Varela aus Argentinien und Victor Froholdt aus Dänemark. Den finde ich richtig gut, er passt mit seiner aggressiven Art perfekt zu ihrer Spielweise. Etwas weiter vorne müssen die Stuttgarter auf Rodrigo Mora aufpassen. Der ist zwar erst 18 und nicht mal 1,70 Meter groß, aber unheimlich stark im Eins-gegen-eins. Das gilt übrigens für einige Spieler in ihrer Offensive, auch auf außen.
Sehen Sie auch Problemzonen beim FC Porto?
Ja, an zwei Stellen. Auf der linken Außenverteidiger-Position ist die Mannschaft aus meiner Sicht nicht ideal besetzt – egal, wer spielt. Das sieht man auch daran, dass oft ein Rechtsfuß dorthin rückt. Und im Sturmzentrum hat Porto große Verletzungssorgen in dieser Saison. Erst hat sich Luuk de Jong das Kreuzband gerissen, dann vor wenigen Wochen mit Samu Aghehowa ihr bester Torjäger ebenfalls verletzt. Dieser Ausfall schmerzt.
Blicken wir auf die andere Seite. Wie beurteilen Sie den Weg, den der VfB in den vergangenen Jahren eingeschlagen hat?
Sie haben eine tolle Entwicklung genommen und sind vor allem mit Ball extrem stark. Es ist ein attraktiver Fußball mit offensiver Spielkultur, geprägt von viel Selbstvertrauen in die eigenen Abläufe. Wenn ich da so zuschaue, würde ich manchmal selbst noch gerne mitspielen – mein Körper macht nur leider nicht mehr mit (lacht). Die Spielweise unterscheidet sich schon von der des FC Porto, der sich auch bei gegnerischem Ballbesitz wohlfühlt.
Worauf wird es ankommen in den beiden Spielen?
Der VfB muss dagegenhalten, aggressiv und einfach spielen. Zuletzt waren einige vermeidbare Ballverluste und Gegentore dabei. Wenn sie die abstellen und ihr Offensivspiel durchziehen, haben sie gute Chancen.
Die Entscheidung fällt dann nächste Woche im Rückspiel. Was erwartet den VfB im Stadio do Dragao?
Normalerweise ist Porto im eigenen Stadion stärker als auswärts. Die Stimmung in der vergangenen schwachen Saison war aber eine Katastrophe, inzwischen sind Mannschaft und Fans wieder eine richtige Einheit. Das wird schwierig für den VfB – umgekehrt ist aber auch das Spiel in Stuttgart für Porto eine große Herausforderung.
Sehen Sie einen Favoriten?
Es ist ein 50:50-Duell, in dem Kleinigkeiten entscheiden werden. Beide Teams müssen an ihre Grenzen gehen, um sich durchzusetzen.
Meisterkapitän und Rekordtransfer
Verein
Fernando Meira (47) wechselte im Januar 2002 von Benfica Lissabon zum VfB – als bis dato teuerster Neuzugang der Vereinsgeschichte für 7,5 Millionen Euro. In den folgenden fünfeinhalb Jahren absolvierte der Innenverteidiger 230 Pflichtspiele für die Stuttgarter, mit denen er 2007 als Kapitän völlig überraschend die deutsche Meisterschaft gewann. 2008 wechselte er zu Galatasaray Istanbul.
Nationalteam
Meira absolvierte 54 Länderspiele für Portugal. Bei der WM 2006 in Deutschland verpasste er keine Minute und kam mit der Mannschaft bis ins Halbfinale.