Der Pokalsieger verbindet mit der Reise nach Italien hohe Ansprüche. Es geht um die direkte Qualifikation für das Achtelfinale – aber nicht nur.
Die Gefühle gegenüber italienischen Teams sind zuletzt zwiespältig gewesen beim VfB Stuttgart. Da gibt es zum einen den euphorisierenden 1:0-Erfolg bei Juventus Turin in der Champions League aus dem Oktober 2024. Die Mannschaft von Chefcoach Sebastian Hoeneß beeindruckte bei der Alten Dame des europäischen Fußballs und dominierte trotz des knappen Sieges klar. Die Dramaturgie der Begegnung sorgte zudem für emotionale Ausbrüche und einen hohen Erinnerungswert, da El Bilal Touré erst in der Nachspielzeit traf.
Ernüchternd verlief dagegen zum anderen die Heimpartie gegen Atalanta Bergamo wenige Wochen später in der Königsklasse. 0:2 – und der VfB machte die Erfahrung, dass Mannschaften von Gian Piero Gasperini mit großer Klarheit, Konsequenz und Körperlichkeit agieren. Es war ein Spiel mit großem Lernpotenzial für den VfB, da der damalige deutsche Vizemeister seine Stärken nicht auf den Platz brachte.
Nun wird sich zeigen, ob Hoeneß und seine Mannschaft Lehren aus der jüngeren Vergangenheit gezogen haben, denn an diesem Donnerstag (21 Uhr/RTL) steht an der Außenlinie wieder Gasperini. Der 67-jährige Trainer leitet die AS Rom an und im Duell der beiden Traditionsvereine prallt auf großer Bühne im Stadio Olimpico enormer Ehrgeiz aufeinander. „Auch wenn sich Rom fast schon wie ein Ausflug in die Champions League anfühlt, haben wir unsere Pflichten fest vor Augen. Die Play-offs haben wir bereits sicher erreicht, wollen uns aber nach Möglichkeit in eine Position bringen, in der wir das Achtelfinale direkt erreichen“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth.
Punktgleich liegen der Vierte der Bundesliga und der Vierte aus der Serie A auf den Rängen neun und zehn der Europa-League-Tabelle – und streben unter die ersten acht Teams, um die Zwischenrunde zu überspringen. „Insofern wird das kein Trip auf einem Vergnügungsdampfer, sondern eine Reise mit hohem Anspruch, bei der wir die Möglichkeit haben, wertvolle internationale Erfahrung zu sammeln“, sagt Wohlgemuth.
Die Ansprüche beim Pokalsieger sind gestiegen und mittlerweile haben sich die VfB-Profis ja an die Mehrfachbelastung gewöhnt. Beim Rennen zwischen den drei Wettbewerben geraten sie nicht mehr so leicht aus dem Tritt wie beim internationalen Comeback nach 14 Jahren. Liga, DFB-Pokal und Europacup – das sind die Herausforderungen der nächsten Wochen, die Trainer und Team zu bewältigen haben und die Fans von Titeln träumen lassen. Vor allem nach dem verheißungsvollen Jahresauftakt mit den Siegen gegen Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt sowie dem Unentschieden zuletzt gegen Union Berlin.
„Wir haben in der Liga zuletzt Selbstbewusstsein tanken können und wollen auch in Rom unser Spiel durchsetzen. Dabei ist völlig klar, dass wir alle unsere Qualitäten abrufen müssen, um auswärts in diesem Rahmen bestehen zu können“, sagt Wohlgemuth. Denn schließlich fühlt sich der VfB vor dem wichtigen Spiel bei der AS Rom wie in der Champions League.