Durch das ungefährdete 4:0 haben die Stuttgarter nun sogar wieder den direkten Achtelfinal-Einzug im Blick. Die Gelben Karten könnten aber noch Folgen haben.
Dritter Anlauf, erster Sieg: Nachdem der VfB Stuttgart in den ersten beiden Auswärtspartien in der Europa League beim FC Basel (0:2) und bei Fenerbahce Istanbul (0:1) punkt- und torlos geblieben war, feierte die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß im niederländischen Deventer einen 4:0-Erfolg bei den Go Ahead Eagles. Und: Dass dieser verdient zustande gekommen war, daran bestand im Anschluss kaum ein Zweifel. Im Duell des niederländischen Pokalsiegers mit dem deutschen waren die Stuttgarter über weitere Strecken Herr im Haus, bestimmten im engen Adlerhorst-Stadion den Rhythmus und das Tempo – und gewannen so letztlich ungefährdet.
Taktisch hatte Hoeneß dabei im Vorfeld leichte Anpassungen im Vergleich zum 3:3-Unentschieden bei Borussia Dortmund vorgenommen und das System von einer Vierer- auf einer Dreierkette umgestellt – und so das Abwehrzentrum mit drei zentralen Verteidigern verdichtet. Personell hielt sich die Rotation dagegen mit lediglich zwei Änderungen in der Anfangsformation in Grenzen: Kapitän Atakan Karazor rückte im zentralen Mittelfeld in die Mannschaft, der Niederländer Ramon Hendriks in seiner Heimat in die Abwehrkette. Nicht zur Verfügung standen Flügelstürmer Tiago Tomas (muskuläre Probleme) und Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou, der sich im Abschlusstraining eine muskuläre Verletzung zugezogen hatte und nun wochenlang fehlen wird.
Doppelpack von Jamie Leweling
Man wolle, so Hoeneß im Vorfeld des Spiels, mit einem Führungstreffer die Partie auf die eigene Seite ziehen. An eben diesem Tor arbeitete der VfB von der ersten Spielminute an mit viel Dominanz und Ballbesitz, was auch früh zu Chancen führte. In der 16. Minute scheiterte Jamie Leweling noch nach einem schnellen Angriff aus spitzem Winkel an Eagles-Torhüter Jari De Busser (16.), wenig später brachte der Flügelstürmer seine Mannschaft dann aber in Führung: Nach hohem Pressing und einem Ballgewinn tief in der gegnerischen Hälfte bediente der aufgerückte Maximilian Mittelstädt im Zentrum Stürmer Deniz Undav, der wiederum direkt auf Leweling weiterleitete. Der 24-Jährige behielt frei vor De Busser die Nerven, der VfB führte mit 1:0 (20.).
In der Folge agierten die Stuttgarter etwas passiver, beendeten diese rund zehnminütige Phase aber umgehend mit dem zweiten Treffer: Wieder war es der dynamische Leweling, der auf der starken linken Stuttgarter Seite seine Tempovorteile ausspielte, ins Zentrum zog und flach in die kurze Ecke traf (35.). Die Vorlage per Steilpass hatte Angelo Stiller gegeben, der in Deventer sein 100. Pflichtspiel für den VfB absolvierte.
Platz 8 in der Ligaphase würde den direkten Achtelfinal-Einzug bedeuten
Endgültig für klare Verhältnisse aus Stuttgarter Sicht sorgte nach dem Seitenwechsel Offensivakteur Bilal El Khannouss, der nach Brustablage von Undav in die linke Ecke zum 3:0 traf (59.). In besagter Szene spielten die Eagles in Unterzahl, da Julius Dirksen verletzt vom Feld musste und noch kein neuer Mann eingewechselt war. In der Nachspielzeit traf der eingewechselte Badredine Bouanani zum 4:0-Endstand.
Von den Gastgebern kam indessen offensiv zu wenig, um den VfB ernsthaft in Bedrängnis bringen zu können. So stand am Ende ein ungefährdeter Auswärtssieg zu Buche. Ärgerlich aus VfB-Perspektive waren allerdings ob des klaren Spielstands die Gelben Karten gegen Stiller und Undav (74.) sowie Verteidiger Jeff Chabot (90.) in einer Schlussphase, die von einer nickligen Spielweise der Eagles geprägt war. Die dritte Verwarnung innerhalb des Wettbewerbs zieht ein Spiel Sperre nach sich.
„Es war ein ungefährdeter und souveräner Sieg“, betonte der Stuttgarter Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle im Anschluss, „wir haben wenig zugelassen und hätten mit etwas mehr Fortune noch das eine oder andere Tor schießen können. Das war ein wichtiger Schritt.“
Durch den Sieg in den Niederlanden hat der VfB in der Europa League neun Punkte auf dem Konto – und damit drei Spieltage vor Schluss beste Chancen, in die K.o.-Phase einzuziehen: Platz 24 der Ligaphase bedeutet das Weiterkommen, wofür in der Vorsaison zehn Punkte nötig waren. Selbst Platz 8 der Ligaphase und damit der direkte Achtelfinal-Einzug ohne den Umweg über die Play-offs ist für die Stuttgarter noch möglich: Vergangene Saison reichten dafür 14 Punkte.