Das Stadion heißt Adlerhorst, der Adler ist das Wappentier der Stadt – das und mehr müssen Sie zu den Go Ahead Eagles aus Deventer wissen. Foto: IMAGO/ANP

Mit den Go Ahead Eagles trifft der VfB auf den zweiten niederländischen Gegner in Folge in der Europa League. Wir haben alles Wissenswerte rund um den Club zusammengetragen.

Fragt man die KI nach der Bilanz des VfB Stuttgart gegen niederländische Clubs, so fällt der Erkenntnisgewinn recht übersichtlich aus. Das liegt insbesondere am Umstand, dass es bisher kaum Duelle gab in den Jahren seit der Gründung 1893. Zwei Spiele gegen den FC Groningen, eines gegen Heerenveen und satte neun gegen Feyenoord Rotterdam. Immerhin erfährt man, dass Bilanz und Torverhältnis positiv sind (12 Spiele, 6 Siege, 2 Remis, 4 Niederlagen, 21:14 Tore). Über die Go Ahead Eagles aus Deventer erfährt man: nichts. Höchste Zeit also, das zu ändern.

 

Geografie und Geschichte

Deventer ist eine kleine, rund 100 000 Menschen umfassende Gemeinde in der Provinz Overijssel. Die nächste größere Stadt ist Apeldoorn. Zur deutschen Grenze sind es knapp 70 Kilometer. Die Go Ahead Eagles gibt es seit dem 2. Dezember 1902. Wobei, genau genommen, nicht. In den ersten Jahren firmierte man unter „Be Quick“ Deventer. Bereits 1905 folgte die Umfirmierung zu Go Ahead. 1971 kam dann der Adler dazu, das Wappensymbol der Stadt Deventer.

Sportliches: Historie, Erfolge, Ehemalige

In der ersten Ära des Clubs gab es vier niederländische Meistertitel. 1917, 1920, 1930, 1933. 1996 kam es zum ersten Abstieg aus der Eredivisie, 2014 zum Wiederaufstieg, 2015 wieder Abstieg, 2016 wieder Aufstieg, 2017 wieder Abstieg. Deventer wurde zur Fahrstuhlmannschaft. Doch seit 2021 hält sich der kleine Club wieder konstant in der ersten Liga. Im Jahr 2025 holte man sich den ersten Titel seit 92 Jahren und wurde niederländischer Pokalsieger. Im Finale rang man AZ Alkmaar nieder. 1:1 stand es nach der Verlängerung, 4:2 im Elfmeterschießen.

In der Geschichte des Clubs findet man kaum außerhalb der Niederlande bekannte ehemalige Spieler. Der inzwischen wegen diverser Verfehlungen in den Niederlanden sehr kontrovers wahrgenommene Marc Overmars hat zunächst ein Jahr in Deventer gespielt, später beim FC Arsenal und FC Barcelona, kehrte dann noch mal zurück. Auch Harry Decheiver (später SC Freiburg und BVB) hat hier gespielt. Bert van Marwijk, Ex-Coach der Dortmunder Borussen, war einmal ein Adler. Auch René Eijkelkamp stammt aus der Deventer-Jugend, spielte später beim FC Schalke 04. Mael Corboz, der Kapitän von Arminia Bielefeld, im letzten DFB-Pokalfinale Gegner des VfB, ging 2019 von der SG Wattenscheid 09 zu den Go Ahead Eagles, blieb zwei Jahre.

Dafür gibt es in der Trainerhistorie des Clubs Namen, die bekannter sind: Leo Beenhakker, Henk ten Cate, Erik ten Hag (Ajax Amsterdam, Manchester United, Bayer 04 Leverkusen) und Kees van Wonderen (zuletzt Schalke 04). Auch Decheiver war für vier Spiele Coach der Eagles, heute trainiert er einen Amateurclub aus der Stadt.

Das Stadion Adlerhorst

Deventers Stadion heißt De Adelaarshorst (Der Adlerhorst) und wurde 1920 erbaut. Über die Jahre wurde es dann immer wieder erweitert, bis es in den 60er Jahren bis zu 25 000 Zuschauer fasste. Durch den Umbau von Steh- zu Sitzplätzen sank die Kapazität nach und nach auf unter 7000 Zuschauer. Der bisher letzte Umbau erfolgte 2015 auf nun 10 400 Plätze und vier überdachte Tribünen. Die Eagles sind Sparfüchse: Früher nutzte man Sitze aus dem de Kuip aus Rotterdam, später aus dem Stadion des AZ Alkmaar.

Das müssen Sie zum Trainer und Kader wissen

Deventers Trainer ist Melvin Boel (38), der im Sommer vom FC Dordrecht kam. Er ist Nachfolger von Paul Simonis, der mit den Eagles den Pokal gewann und dann zum VfL Wolfsburg wechselte – wo er schon wieder entlassen ist. Boel war einst Jugendtrainer bei Feyenoord Rotterdam – unter anderem des heutigen VfB-Profis Ramon Hendriks.

Trainer Melvin Boel gehört zur neuenm jungen und aufstrebenden Trainergeneration in den Niederlanden. Foto: IMAGO/Pro Shots

Bei den Eagles stehen aktuell zwei Deutsche unter Vertrag. Ersatzkeeper Luca Plogmann wurde in der Jugend des SV Werder Bremen groß, spielte dann beim SV Meppen, eher er nach Deventer wechselte. Gerrit Nauber (33), einst in der Jugend des VfL Osnabrück und von Bayer 04 Leverkusen, kam 2021 vom SV Sandhausen zu den Eagles. Derzeit fehlt er aber verletzt. Davor spielten schon elf andere deutsche Spieler in Deventer: Ogechika Heil, Nicolas Abdat, Tim Hölscher, Theo Vogelsang, Kurt Rettkowski, Matthias Maiwald, Willi Kraus, Rolf Thiemann, Hans Pfeiffer, Mark Wiggers, Werner Schaaphok.

Wie diese Auflistung schon vermuten lässt: Im Kader der Adler finden sich keine großen Namen. Wertvollster Spieler ist das dänische Offensivtalent Jakob Breum mit einem Marktwert von 5 Millionen Euro. Er fehlte zuletzt drei Spiele wegen einer Muskelverletzung, am vergangenen Wochenende wurde er für 17 Minuten eingesetzt. Die Go Ahead Eagles haben aktuell einen Kaderwert 30,1 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der VfB liegt aktuell bei 339,43 Millionen Euro.