Vier von acht Partien in der Ligaphase der Champions League hat der VfB Stuttgart bestritten. Wie fällt die Bilanz nach dem 0:2 gegen Atalanta Bergamo aus? Die Verantwortlichen haben eine klare Meinung.
Sie haben es ja nicht anders gewollt. Den neuen Spielrhythmus, die Hymne, die Flutlichtabende – aber eben auch: die Gegner, die meist noch mal eine ganz andere Qualität mitbringen, als der Großteil in der Fußball-Bundesliga. So stand am späten Mittwochabend also bereits zum vierten Mal in dieser Saison Fabian Wohlgemuth im feinen Zwirn vor den Journalisten. Der Sportvorstand referierte zum 0:2 seines VfB Stuttgart gegen Atalanta Bergamo – und durfte auch ein wenig Bilanz ziehen. Denn: In der ersten Phase der Champions League ist nun quasi die Halbzeit erreicht.
„Wir können“, sagte Wohlgemuth im Bauch der MHP-Arena, „mit der Mannschaft zufrieden sein.“ Er meinte das bezogen auf das vorangegangene Heimspiel – trotz der Niederlage. Aber auch mit Blick auf das Gesamtpaket.
Vier von acht Partien der Ligaphase hat der VfB in seiner Comeback-Saison auf der europäischen Bühne nun absolviert. Die Ausbeute – vier Punkte – klingt nach Durchschnitt mit sorgenvollem Blick nach unten, schließlich liegt das Team des Trainers Sebastian Hoeneß derzeit auf dem 27. der 36 Ränge. Und wäre Stand jetzt nicht für eine weitere Runde qualifiziert. Coach und Sportchef allerdings mochten das am Mittwochabend durchaus relativieren.
Sebastian Hoeneß also verwies auf die Klasse der Gegner. Real Madrid, der Titelverteidiger aus Spanien. Juventus Turin, der italienische Rekordmeister. Atalanta Bergamo, der amtierende Sieger der Europa League. Dazu das unangenehm zu spielende Sparta Prag – so lautete das bisherige Programm des VfB in der Königsklasse. „Teils die crème de la crème“ des europäischen Vereinsfußballs sei das gewesen, erklärte der VfB-Trainer – und versicherte: „Ich hätte vorher die vier Punkte genommen.“
Auch hinterher ist man zufrieden im weiß-roten Lager. „Absolut in Ordnung“ sei die Ausbeute bislang, erklärte der Sportvorstand Wohlgemuth – und erinnerte daran, dass einerseits der VfB Stuttgart vor dieser Saison 14 Jahre lang auf eben diesem Niveau gar nicht mitgemischt hat. Und dass fast für jeden aktuellen Stuttgarter Spieler gilt: „Es ist nach wie vor Neuland.“
Nun kommen vermeintlich einfachere Gegner
Das hat der VfB zwar nicht im Sturm erobert wie in der vergangenen Saison die Bundesliga. Aber das Team hat Eindruck gemacht. Mit dem starken Auftritt in Madrid, mit dem umjubelten Sieg in Turin, und selbst am Mittwoch, als gar nicht so viel fehlte, um dem eingespielten Topteam aus Bergamo wenigstens ein Unentschieden aufzuzwingen. „Wir haben“, sagte Fabian Wohlgemuth, „nicht allzu viel falsch gemacht.“ Aber eben auch nicht alles richtig.
So darf man also zufrieden sein, den neuen Belastungen meist getrotzt und sich eine ordentliche Basis geschaffen zu haben. Klar ist aber auch: In der zweiten Hälfte der Ligaphase der Königsklasse darf es kein bisschen weniger sein als bisher – eher noch ein wenig mehr an Konsequenz, Konzentration und Effektivität. Zwar ist das Erreichen der Play-off-Zwischenrunde der besten 24 Mannschaften nie als offizielles Königsklassenziel des VfB ausgegeben worden. Dass es genau dorthin gehen soll, ist aber im Grunde keine Frage.
So meinte Fabian Wohlgemuth am Mittwoch, die bisherigen vier Zähler auf dem Konto „eröffnen uns die Chance, dass wir in den nächsten Spielen die Schritte machen werden, die für die Qualifikation für die Play-offs reichen könnten“. Die Mannschaft sei „von Spieltag zu Spieltag in der Champions League stabiler geworden“. Der Sportvorstand warnt aber auch: „Es bleibt ein Lernprozess, es bleibt eine Herausforderung.“ Die nun um zwei Komponenten erweitert wird.
Zum einen spüren vor allem die Vielspieler im VfB-Kader so langsam, aber sicher die Mehrbelastung der vergangenen Wochen – teils äußern die sich auch in muskulären Problemen oder gar Verletzungen. Jamie Leweling fällt aktuell aus, Jeff Chabot war angeschlagen, am Mittwoch musste Deniz Undav wegen eines Ziehens im Oberschenkel früh in der zweiten Spielhälfte runter von Platz.
Dazu kommen nun spiele, in denen der Erwartungsdruck ein anderer ist als bisher. Roter Stern Belgrad (27. November), Young Boys Bern (11. Dezember) und Slovan Bratislava (21. Januar) heißen die nächsten Gegner in der Champions League, das Trio ziert derzeit das Tabellenende, hat noch keinen Sieg eingefahren. „Die Gegner werden auf dem Papier einfacher“, wagte der Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt am Mittwoch schon einen Ausblick. Und Sebastian Hoeneß meinte: „Die Spiele, in denen es Anspruch ist, Punkte mitzunehmen, kommen jetzt.“ Doch sollte auch diese Kontrahenten niemand unterschätzen.
„Jedes Champions-League-Spiel hat es in sich“, warnte Mittelstädt und forderte: „Wir brauchen in jedem Spiel eine Top-Leistung.“ Und das nicht nur in der Königsklasse. Am Sonntag (17.30 Uhr) kommt in Eintracht Frankfurt das Team der Stunde in der Bundesliga nach Stuttgart.