Nach dem 4:0 bei Werder Bremen steigt für den VfB das Landesduell gegen die wiedererstarkte TSG Hoffenheim. Ein Jahresfinale, bei dem die Weichen gestellt werden.
Am Ende feierten die Fans des VfB Stuttgart ihre Mannschaft und ein bisschen auch sich selbst. „Auswärts siegen ist schön“, hallte es am Sonntagabend aus dem Gästeblock des Bremer Weserstadions. Vor der Kurve hüpften die VfB-Profis nach ihrem souverän herausgespielten 4:0-Erfolg beim SV Werder Arm in Arm auf dem Rasen im Siegeslied-Takt mit, ehe es unter den vier legendären Flutlichtmasten am Osterdeich zurück in die Kabine ging, die in Bremen ja auf Höhe der Eckfahne vor der Heimkurve durch den Spielertunnel zu erreichen ist.
Auf dem Weg in die Umkleide dann war der Dreier gegen Werder schnell abgehakt. Auf halbem Weg, in der Mixed Zone, dort also, wo die Spieler auf die Medienvertreter treffen und manchmal mehr und manchmal weniger Gehaltvolles aus den Gesprächen herauskommt, war für die Jungs mit dem roten Brustring die nächste Bundesliga-Partie ein großes Thema. Aus gutem Grund, denn die hat es in sich.
Am Samstag empfängt der VfB die TSG Hoffenheim (15.30 Uhr) – aufgrund der Tabellenkonstellation und der Stärke der Kraichgauer ist das Landesduell zum Abschluss des Fußballjahres 2025 ein besonderes. Die TSG ist mit einem Punkt Vorsprung auf den Sechsten VfB aktuell Tabellenfünfter. Mit einem Erfolg würde der VfB nicht nur die Nordbadener überholen. Er wäre damit auch in der Bundesliga voll im Soll, nachdem er im DFB-Pokal ins Viertelfinale eingezogen ist und in der Europa League beste Chancen aufs Weiterkommen hat.
Der VfB-Plan gegen die TSG Hoffenheim
Bevor die Spieler über Hoffenheim sprachen, ordnete der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth vorher noch die Dinge ein. Man könne das in einem etwas größeren Kontext sehen, sagte er also: „Wir wollen mit einem guten Abschluss den Deckel auf das erste Halbjahr draufmachen.“
Dem wollte Jamie Leweling nicht widersprechen. Der Offensivmann betonte, dass es gegen die TSG auch um die Champions-League-Plätze gehe, was angesichts der tabellarischen Lage nicht von der Hand zu weisen ist. So hat der VfB auf den Tabellenvierten Bayer Leverkusen ebenso nur einen Punkt Rückstand.
Am Samstag gegen Hoffenheim also werden die Weichen gestellt mit Blick aufs neue Jahr, in dem es für den VfB zum Auftakt beim direkten Konkurrenten Leverkusen am 10. Januar und drei Tage später gegen den Tabellensiebten Eintracht Frankfurt gleich weiter in die Vollen gehen wird im Kampf um die internationalen Plätze.
Sebastian Hoeneß aber hat wie wohl jeder Fußballlehrer erstmal nur die nächste Aufgabe im Blick. „Du musst gegen Hoffenheim eine absolute Top-Leistung bringen“, sagte der Coach noch am Sonntagabend in Bremen: „Sie haben großes Selbstvertrauen, spielen einen sehr intensiven Fußball – und ihre Offensivstärke ist enorm. Hoffenheim ist gerade mit das Beste in der Bundesliga, deswegen freuen wir uns jetzt auf ein Topspiel zu Hause.“
Die TSG hat unter ihrem österreichischen Trainer Christian Ilzer sechs der vergangenen acht Ligaspiele gewonnen. Und beim 4:1 zuletzt gegen den HSV zeigte sich, was Hoeneß mit der Offensivstärke meint: Der Senkrechtstarter Fisnik Asllani und Ihlas Bebou kamen von der Bank in die Partie, die die Kollegen Andrej Kramaric, Tim Lemperle und der torgefährliche Mittelfeldmann Grischa Prömel im Verbund schon vorentschieden hatten.
Doch auch der VfB geht nach dem 4:0 von Bremen selbstbewusst ins Landesduell. „Es war eine super Teamleistung von uns “, sagte Torjäger Deniz Undav, „das, was ich nach dem Spiel gegen Tel Aviv angesprochen habe, haben wir jetzt besser gemacht.“ Der Führungsspieler Undav hatte nach dem 4:1 in der Europa League gegen Maccabi moniert, dass man nach der 3:0-Führung fahrig agiert habe und sich habe gehen lassen, ohne sich an den Plan zu halten. Jetzt zogen die Weiß-Roten gegen den SV Werder ihr Ding durch – und machten noch einen weiteren Schritt nach vorne.
Denn anders als zwei Wochen zuvor beim 1:2 gegen den Hamburger SV ging das Hoeneß-Team dieses Mal in Bremen nach dem Platzverweis für den Gegner cleverer und abgezockter mit der Überzahl um. „Das Spiel in Hamburg bleibt in bitterer Erinnerung, das haben wir mit dem Spiel in Bremen aber jetzt komplett abgeschüttelt“, sagte der Trainer dazu: „Ich bin richtig stolz auf meine Jungs.“
Und diese Jungs, die gehen nun befreit in die letzte Trainingswoche des Jahres. „Alle haben Spaß, alle sind ruhig und glücklich“, sagte Undav noch – ehe er ähnlich wie der Sportvorstand Wohlgemuth zuvor noch so etwas wie den großen Bogen spannte. Eine allgemeine Tendenz, wo die Reise für den VfB in dieser Saison hingehen könnte, so sagte das Undav am Ende, könne man wohl erst Ende Februar ausmachen: „Wir sollten aber gar nicht so weit nach vorne denken, sondern nur von Spiel zu Spiel.“
Angesichts der aktuellen Stärke des nächsten Gegners aus dem Kraichgau war das keine plumpe Plattitüde – sondern wohl eher so etwas wie der einzig kluge Plan.