Der VfB Stuttgart steht im Viertelfinale des DFB-Pokals und darf weiter von der Titelverteidigung träumen. Wie kam es zum Sieg beim VfL Bochum? Unsere Analyse.
Sie kombinierten, flankten, schossen aufs Tor – mit einem Treffer als krönendem Schlusspunkt ist es aber nichts mehr geworden. Freuen durften sich die Profis des VfB Stuttgart nach dem Abpfiff im Ruhrstadion des VfL Bochum dennoch. Durch das 2:0 gegen den Zweitligisten hat der Titelverteidiger das Viertelfinale des DFB-Pokals erreicht – und seine Pflichtaufgabe recht souverän erledigt.
Sebastian Hoeneß hatte schon vor dem Spiel deutlich gemacht, welche Bedeutung er der Partie in Bochum beimisst. „Wir wollen im Pokal überwintern“, hatte der VfB-Trainer gesagt – und im Gegensatz zur 1:2-Niederlage beim Hamburger SV seine derzeit wohl beste Elf aufgeboten. Einzige Ausnahme: Im Tor stand Fabian Bredlow anstelle von Alexander Nübel. Und der Keeper hatte gleich gut zu tun.
Der Zweitligist, der sich seit dem Trainerwechsel von Dieter Hecking zu Uwe Rösler im Aufwind befindet, legte einen mutigen Beginn hin. Den Schuss von Kjell Wätjen klärte Jeff Chabot noch zum Eckball, ehe Bredlow eingreifen konnte. Nach der folgenden Standardsituation war dann aber auch der Torhüter des VfB gefordert. Im Stadion an der Castroper Straße herrschte zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Fanproteste noch Ruhe – und genau dann, als die Kulisse die Gastgeber beflügeln sollte, sorgten die Bochumer selbst für einen Stimmungsdämpfer.
Es lief die zwölfte Minute, als Ramon Hendriks den Ball für einen Einwurf von links in den Händen hielt. Direkt neben dem Abwehrspieler des VfB saß am Spielfeldrand der 2014-er-Weltmeister und TV-Experte Bastian Schweinsteiger – der nun weiß: Wenn Hendriks wirft, kommt das einer Flanke gleich. Die in diesem Fall der Bochumer Abwehrspieler Philipp Strompf derart unglücklich verlängerte, dass sich der Ball hinter dem VfL-Keeper Timo Horn ins Tor senkte.
Das bedeutete das 1:0 für den VfB – und war ein erster Hinweis, dass es für Philipp Strompf ein komplett gebrauchter Abend war. Den zweiten gab es kurz vor dem Pausenpfiff.
Bis dahin dominierten die Stuttgarter die diese Pokal-Achtelfinalpartie mit viel Ballbesitz, aber ohne große Chancen, weil die Bochumer kompakt verteidigten. Und aus diesem Bollwerk heraus selbst gefährlich wurden. Farid Alfa-Ruprecht und Francis Onyeka hatten durchaus gute Möglichkeiten. Und doch schwanden schon bald die Hoffnungen des VfL.
Philipp Strompf sprang in der Bochumer Hälfte der Ball ein wenig weit vom Fuß, Deniz Undav kam an die Kugel – und beim Versuch, seinen Patzer auszubügeln, räumte der Bochumer Abwehrspieler den Stuttgarter Stürmer rüde ab. Florian Badstübner pfiff, gab Gelb, schaute sich die Szene aber noch einmal auf dem Monitor am Spielfeldrand an. Um sich dann zu korrigieren.
Weil Strompf als letzter VfL-Abwehrspieler eine klare Torchance des VfB vereitelt habe, schickte der Schiedsrichter den Pechvogel des Abends in der 45. Minute vom Feld. Was eine vertretbare, aber doch sehr harte Entscheidung war, die Undav aber etwas anders bewertete: „Eine klare Rote Karte.“ Sebastian Hoeneß ergänzte: „Die Rote Karte war eine kleine Vorentscheidung. Wir hatten einen günstigen Spielverlauf.“
Deniz Undav – neun Tore seit der Verletzung
Der VfB war nach der Pause also vollends in der Rolle des glasklaren Favoriten – und wurde dieser gleich nach zwei Minuten gerecht. Jamie Leweling flankte, Deniz Undav ließ die Kugel über seinen Kopf streichen. Und diese kleine Richtungsänderung, die der Torjäger dem Ball damit gab, sorgte dafür, das Timo Horn erneut ohne Chance blieb. Es war der neunte Treffer Undavs, seit er von seiner Verletzungspause zurückgekehrt ist – und der achte in den vergangenen sechs Pflichtspielen.
Der 29-Jährige also setzte seinen Lauf auch im DFB-Pokal fort – und darf das dann auch im Viertelfinale tun. Denn der Sieg des VfB beim VfL geriet gegen zehn Bochumer nicht mehr in Gefahr. „Ich bin glücklich, dass wir weitergekommen sind“, sagte Undav, „das war das Wichtigste.“ In der 60. Minute brachte Hoeneß noch Chris Führich und Nikolas Nartey, später noch Chema Andres, Badredine Bouanani und Leonidas Stergiou nach langer Verletzungspause. Kurz vor 20 Uhr am Mittwochabend war dann endgültig klar, dass der VfB auch nach dem Jahreswechsel im DFB-Pokal spielen wird – und weiter von der Titelverteidigung träumen darf.
„Am Ende war es verdient“, analysierte der VfB-Sportvorstand, gab aber auch zu: „Die erste Hälfte war ein hartes Brot.“ Auch Hoeneß erklärte: „In der Anfangsphase hast du sofort gesehen, dass es sehr unangenehm werden kann. Sie haben sehr tief verteidigt, wir haben Probleme gehabt, dort Räume zu finden.“
Die Viertelfinalduelle werden am kommenden Sonntag ausgelost, die Spiele finden dann am 3. und 4. sowie am 10. und 11. Februar statt. Dem VfB steht also auch 2026 ein dicht gedrängtes Programm an. Sechs Partien in der Bundesliga und in der Europa League gehen schon im Januar über die Bühne. Zu den fünf Ligaspielen im Februar kommen das Pokal-Viertelfinale und womöglich die Zwischenrunden-Play-offs in der Europa League (19. und 26.).
Nun aber steht nach vier Auswärtsspielen in Folge am Samstag (15.30 Uhr) endlich wieder ein Heimspiel an. Leichter wird es aber eher nicht: Der FC Bayern ist zu Gast. „Das wird“, sagte Deniz Undav, „hoffentlich ein geiles Spiel.“ Wenn er seinen Lauf fortsetzt, scheint das gewiss.