Der VfB Stuttgart II steigt in die 3. Liga auf. Foto: Pressefoto Baumann/Pressefoto Baumann

Der VfB Stuttgart II ist zurück im Profifußball. Nach acht Jahren Abstinenz geht es zukünftig wieder gegen die großen Namen. So plant der Verein seine Rückkehr in die 3. Liga.

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, wer an diesem Samstagnachmittag an der Reutlinger Kreuzeiche als Sieger vom Platz gehen würde, dann lieferte ihn Babis Drakas. Der Mentalitätsspieler des VfB Stuttgart II jagte noch in der 75. Minute Ball und Gegner, als ginge es noch um alles. Dabei war die Nummer längst entschieden: Der VfB Stuttgart II führte souverän mit 2:0 (Dejan Galjen, 6. Minute, Laurin Ulrich, 52.), die Kunde vom Rückstand der Kickers in Homburg hatte auch längst die Runde gemacht. Der Drops war gelutscht. Die Feier konnte beginnen.

 

„Es ist Wahnsinn“, seufzte ein frisch biergeduschter Trainer Markus Fiedler, nachdem die erste Anspannung von ihm abgefallen war. „Viele dieser Spieler, mit denen ich hier heute stehe, habe ich in der U13 das erste Mal trainiert. Wir sind zusammen diesen Weg gegangen. Mit ihnen hier stehen zu können und den Aufstieg zu feiern, ist eine ganz besondere Situation. Ein sehr emotionaler Moment“, schob der 38-Jährige, der die Mannschaft vor der Saison übernommen hatte, mit glasigen Augen nach. Es war ein Erfolg des Kollektivs, der es möglich machte, in den letzten Wochen zehn Punkte Rückstand auf die Stuttgarter Kickers wettzumachen, um sie am letzten Spieltag vom Thron stoßen zu können – wenngleich eine solche Aufholjagd ohne diverse schwache Auftritte der Kickers nicht möglich gewesen wäre, aber das interessierte im weiß-roten Lager am Wochenenden keinen.

Aufstieg als Meilenstein

„Wir hatten in den letzten Jahren viele Ausnahmetalente im Team“, sagte ein überglücklicher Kapitän Dominik Nothnagel. „Aber dieses Jahr waren wir eine Ausnahmemannschaft. Wir haben viele Widerstände überwunden, sind oft zurückgekommen. Das hat uns ausgezeichnet.“ Stephan Hildebrandt, der Direktor des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) verteilte Lob: „Der Titel und der damit verbundene Aufstieg sind ein Meilenstein. Markus Fiedler und sein Team haben Großartiges geleistet.“ Der NLZ-Chef richtete aber sogleich den Blick nach vorn: „Zusammen mit den Dortmundern genießen wir nun dieses Drittliga-Privileg und besitzen so ein Alleinstellungsmerkmal im süddeutschen Raum.“

Für ihn und seine Mitstreiter steht nun jede Menge Arbeit an. Es gilt, die Kaderplanungen nachzujustieren. Schließlich lässt es sich mit einer so jungen Mannschaft nur schwer in der Knochenmühle 3. Liga bestehen. Man werde entsprechend reagieren, wolle aber „keine wilden Sachen machen. Am Ende sind wir in erster Linie der Entwicklung unserer Talente verpflichtet. Denen dürfen wir durch unsere Entscheidungen jetzt auf keinen Fall den Weg abschneiden“, so Hildebrandt. Der eigene Stall genießt Priorität. Weswegen man die Plattform 3. Liga als große Chance sieht. „Sie verkürzt die Distanz zur Lizenzmannschaft, macht uns attraktiv für externe Ausnahme-Spieler und schenkt unseren Toptalenten ein Wettkampfformat, in dem wirkliche Weiterentwicklung auf sportlicher und persönlicher Ebene möglich ist. Hier zählt jede Spielminute“, so Hildebrandt weiter.

Ebenfalls großes Thema ist der Spielort. Fest steht, dass das Robert-Schlienz-Stadion nicht in Frage kommt. Da das Gazi-Stadion auf der Waldau durch die Kickers und die Footballer von Stuttgart Surge schon stark belegt ist, wird nach Informationen unserer Redaktion in der kommenden Saison in Großaspach gespielt werden. Final bestätigen wollte dies Hildebrandt nicht, räumte allerdings ein, der Spielort sei gefunden und man sei nun „mit den Verbänden in der finalen Abstimmung.“ Um Punkte geht es dann wieder ab dem 2. August, wenn die 3. Liga ihre Spielbetrieb aufnimmt.