Ermedin Demirovic ist zurück und will der Mannschaft sofort wieder helfen. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

VfB-Angreifer Ermedin Demirovic ist zurück im Mannschaftstraining und fühlt sich bereit für mehr. Auch zum knackigen Auftaktprogramm hat der gebürtige Hamburger eine klare Meinung.

90 Tage sind eine lange Zeit. Insbesondere, wenn man Ermedin Demirovic heißt, davor in seiner Karriere noch nie auch nur annähernd so lange ausgefallen war und dazu eine Verletzung diagnostiziert wurde, die noch nicht einmal spürbar war. „Ich kannte es bisher nicht, so lange verletzt zu sein und auch nicht, verletzt zu sein, aber keine Schmerzen zu spüren. Entsprechend unangenehm war ich als Patient. Die Ärzte mussten mich einbremsen, haben das auch getan. Das war keine einfache Zeit“, resümiert der gebürtige Hamburger die letzten Wochen, in denen ihn ein„angehender Ermüdungsbruch im Fuß“ pausieren ließ.

 

Insgesamt 15 Pflichtspiele für den VfB Stuttgart verpasste der Bosnier dadurch. An diesem Samstag stieg er nun wieder voll ins Teamtraining ein und strahlte trotz eisiger Temperaturen in Bad Cannstatt wie ein Honigkuchenpferd. „Es war ein schönes Gefühl! Ich habe zwar vor Weihnachten schon Einheiten mit dem Team absolviert, aber eben nur als neutraler Mann, ohne Körperkontakt“, sagt Demirovic nach dem Trainingsauftakt beim VfB Stuttgart, bei dem der bosnische Nationalstürmer endlich wieder voll ran durfte. „Es tat gut, wieder ein Gefühl fürs Tor zu bekommen, Zweikämpfe führen zu können.“

Damit das auch klappen konnte, schob er in der Zeit zwischen den Jahren Sonderschichten in der Heimatstadt mit seinem Bruder Semir und dem persönlichen Athletiktrainer Gzim Ferizi. Unter anderem mit Steigerungsläufen entlang der Alster triezten sie den Angreifer. „Die haben mir einiges abverlangt, was ich nicht erwartet habe. Das war nicht einfach. Aber sie waren gute Partner“, sagt Demirovic.

Nach seinem geschmeidig wirkenden ersten Auftritt im Jahr 2026 fühlte sich der Stürmer dann auch gleich bereit für mehr. Er könne sich sowieso nicht steuern oder drosseln. „Ich will dem Trainer das Gefühl geben, dass ich da bin. Dass ich ready bin, egal für wie viele Minuten. Ich komme aus einer langen Verletzung, habe einiges dafür getan, bereit zu sein. Für was und wie viele Minuten, entscheidet der Trainer. Ich versuche mit ihm im Austausch zu bleiben, ihm ehrlich zu sagen, wie es dem Fuß geht“, so Demirovic über den Austausch mit Cheftrainer Sebastian Hoeneß.

Aufgrund der neuen Konkurrenzsituation im Sturm – der VfB hat in Jeremy Arevalo einen jungen Herausforderer für Demirovic und Sturmkollege Deniz Undav verpflichtet – macht sich der Angreifer keine Gedanken. „Wir haben so viele Spiele, ich werde schon auf meine Einsatzzeiten kommen. Wichtig ist es jetzt erst einmal, dass ich schmerzfrei bleibe. Der Rest kommt von alleine.“ Eine besondere Zielsetzung gibt es für ihn nicht: „Ich möchte wieder der Alte werden, Tore machen, der Mannschaft helfen. Das ist das Ziel und dafür arbeite ich hart.“

3000 Fans waren beim Auftakt ins Jahr dabei. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Auch das durchaus anspruchsvolle Auftaktprogramm ins Jahr macht ihm nicht Bange. Der VfB hat neun Spiele in 29 Tagen vor der Brust, zum Start geht es gegen Leverkusen und Frankfurt. „Das wird knackig, aber für genau diese Spiele lebst du. Besser gegen diese Gegner als gegen andere“, blickt der 27-Jährige auf die kommenden Wochen. „Weil man gleich voll da sein muss, 100 Prozent bieten muss, an die Grenze gehen muss. Man kann das nicht unterschätzen, muss ans Limit gehen in beiden Spielen. Das ist zum Start genau das richtige Programm“, so Demirovic.

Ermedin Demirovic gibt sich ambitioniert

Ambitionierte Aussagen. Die gut zu den Ambitionen passen, die der Club im Allgemeinen hat. Schließlich tanzt das Team aktuell noch auf drei Hochzeiten, hat im nächsten Halbjahr viel vor. Und möchte es tunlichst vermeiden, noch einmal die Fehler aus dem Vorjahr zu wiederholen. Damals startete der VfB mit drei Siegen in der Liga, war Tabellenvierter mit Kontakt nach ganz oben – und wurde dann in der Champions League vom späteren Sieger Paris Saint-Germain zurechtgestutzt.

Danach lief nichts mehr rund. Sechs Heimniederlagen in Folge, das Aus in der Champions League, der zwischenzeitliche Absturz auf Rang elf der Bundesliga. Der Pokalsieg von Berlin rettete eine eigentlich verkorkste Saison. „Es war zu Saisonbeginn Thema, wir haben darüber gesprochen und das aufgearbeitet. Und ich glaube, wir haben daraus gelernt und das wird uns nicht noch einmal passieren“, glaubt Demirovic.

„Wir sind in einer guten Verfassung, wollen an das gute erste Halbjahr anknüpfen und ich denke, das wird uns auch gelingen“, blickt er nach vorn.“ Damit das so kommen kann, möchte der Mittelstürmer seinen Teil dazu beitragen. Mit vielen Toren – und am liebsten würde er gleich gegen Leverkusen damit anfangen.