Der VfB Stuttgart trifft am Mittwoch auf die Young Boys aus Bern, für einen Spieler im Kader der Schwaben ist das Duell eine Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft: Fabian Rieder ist bei YB groß geworden.
So um die 30, 35 Karten, vielleicht auch etwas mehr, mögen es gewesen sein, die Fabian Rieder im Vorfeld der Champions-League-Partie zwischen dem VfB Stuttgart und Young Boys Bern für Freunde und Bekannte besorgen musste. „Ich habe ein wenig den Überblick verloren“, antwortete der Schweizer Nationalspieler im Kader des VfB Stuttgart grinsend. Dass es so viele Kartenwünsche gab, hat ihn nicht überrascht, denn schließlich habe „diese Partie für mich und meine Familie eine gewisse Bedeutung“, sagte Rieder.
Kein Wunder, hat der 22-Jährige doch einen Großteil seiner sportlichen Vita bei den Hauptstädtern verbracht. Ist in der YB-Jugend groß, dann schnell bei den Profis zu groß für die Liga und den Club geworden, sodass er schnell ins benachbarte Ausland wechselte – zu Stade Rennes, von wo er aktuell zum VfB Stuttgart ausgeliehen ist. Trotzdem kennt Rieder seinen alten Club noch in- und auswendig, ist mit der aktuellen sportlichen Situation vertraut. „Ich schaue eigentlich jedes Spiel, wenn es sich nicht mit den unseren überschneidet“, so Rieder, der im Vorfeld natürlich auch für seinen Trainer ein gefragter Gesprächspartner war.
„Sie haben Qualität. Insbesondere offensiv, aber eigentlich in allen Mannschaftsteilen. Sie sind sehr zielstrebig, suchen sofort den Weg in die Box, machen da wenig Umwege. Sie haben auch in der Champions League schon gezeigt, dass sie große Gegner vor Probleme stellen können, etwa kürzlich in Mailand“, umschreibt Rieder die Berner und gibt damit die Quintessenz dessen preis, was er seinem Trainer im Vorfeld des Spiels mitgegeben hat. Tenor: Bloß nicht blenden lassen von der aktuellen Lage der Berner in der Schweizer Liga (nur Neunter von zwölf Mannschaften in der Schweiz) und in der Champions League (punktlos am Tabellenende der 36 teilnehmenden Teams).
Erster CL-Heimsieg seit 2009?
Doch noch viel mehr als die Lage der Gegner beschäftigt Rieder und seine Mannschaftskameraden die eigene Lage. „Wir wissen, dass wir durch die Niederlage von Belgrad gewissermaßen unter Druck stehen. Wir müssen einfach gewinnen, das ist unser Ziel. Schließlich wollen wir weiterkommen und noch mindestens zwei weitere Spiele in der Königsklasse erleben“, gibt sich Rieder so realistisch wie ambitioniert. Daher sei allen bewusst, dass man mit einem Sieg „den nächsten Baustein“ dafür legen könne.
Wie es sich gestalten und ob der VfB in der Lage sein wird, aus der Schwächephase des Gegners Profit zu schlagen, seine eigene Stärken auf den Platz zu bringen und den ersten Champions-League-Heimsieg seit fast auf den Tag genau 14 Jahren einzufahren (3:1 gegen Unirea Urziceni, 9. Dezember 2009), wird sich am Mittwoch ab 21 Uhr (Liveticker) zeigen. Aller Voraussicht nach mit Rieder in der Startformation.