Der VfB hat den SC Freiburg besiegt und nun zwölf Punkte Vorsprung auf Rang sieben. Entscheidend war der Wille, das Spiel doch noch zu gewinnen. Unsere Analyse zum Landesduell.
Es lief schon die 89. Minute im baden-württembergischen Landesduell zwischen dem VfB Stuttgart und dem SC Freiburg. Und: Man musste sich im Grunde schon damit abfinden, dass dieses Aufeinandertreffen ohne Tore und ohne einen Sieger über die Bühne gehen würde. Aber: Der VfB wollte sich damit nicht abfinden – und blieb im Vollgas-Modus. Und ließ die Schüssel namens MHP-Arena tatsächlich wieder spät explodieren.
Deniz Undav und Maximilian Mittelstädt setzten den Gegner nach einem Ballverlust entscheidend unter Druck. Chris Führich wählte nach dem Ballgewinn gleich den vertikalen Pass. Undav spielte nach innen, wo der Ball vor dem eingewechselten Ermedin Demirovic nach dem ersten Kontakt einmal aufhüpfte. Dann nahm der Bosnier den Ball aus der Luft – und erzielte per Vollspann ein fast traumhaft schönes Tor zum 1:0. Und damit zum wichtigen Sieg in diesem prestigeträchtigen Duell.
„Ich hatte ein gutes Gefühl“, sagte Demirovic nach seinem 50. Bundesligatreffer, „dann klappt so was.“ Sebastian Hoeneß ergänzte: „Es war toll von den Jungs, dass sie bis zum Schluss drangeblieben sind. Das war ein Big Point heute.“
Der Trainer des VfB Stuttgart hatte seine Mannschaft ordentlich umgestellt nach dem 3:2-Erfolg am Donnerstag gegen die Young Boys Bern. Lediglich vier Spieler, die auch im Europa-League-Heimspiel begonnen hatten, standen auch am Sonntag in der Startformation: Finn Jeltsch, Jeff Chabot, Angelo Stiller und Deniz Undav. Und zunächst wirkte es, als machten es diese Umstellungen dem VfB schwer, in dieses Landesduell zu finden.
Die Freiburger jedenfalls störten den Stuttgarter Spielaufbau früh, das VfB-Team hatte damit zunächst seine liebe Mühe – doch mit jeder Minute, die dann verrann, erarbeiteten sich die Gastgeber mehr Ballbesitz und Spielkontrolle. Was dann auch zunehmend in torgefährliche Situationen mündete.
Der VfB vergibt einige gute Möglichkeiten
In der 19. Minute hatten die Freiburger Glück, als es nach einem unabsichtlichen Handspiel von Max Rosenfelder Eckball und nicht Strafstoß gab. Sekunden nach dieser Szene hielt SC-Keeper Noah Atubolu stark gegen den köpfenden Josha Vagnoman. Einen Schuss von Deniz Undav klärte Freiburgs Abwehrspieler Matthias Ginter knapp vor der Linie (28.) – ehe der VfB-Stürmer freistehend die bis dahin größte Chance der Stuttgarter vergab.
Noah Atubolu spielte den ersten Pass etwas schlampig auf Maximilian Eggestein. VfB-Mittelfeldspieler Nikolas Nartey war aufmerksam, stibitzte den Ball, der dann vor die Füße von Deniz Undav rollte. Der hatte im SC-Strafraum nur noch Atubolu vor sich, setzte den Ball aber neben das Tor.
Danach hatten noch mal Undav, Nartey und nach dem Wechsel Bilal El Khannouss weitere Möglichkeiten – doch statt eine Führung zu bejubeln, hatte der VfB ein altes Thema dieser Saison wiederbelebt: Vor dem gegnerischen Tor war das Team des Cheftrainers Sebastian Hoeneß einfach nicht konsequent genug, die deutliche Dominanz spiegelte sich im Zwischenergebnis nicht wider.
Der Coach reagierte darauf nach rund einer Stunde mit einem Doppelwechsel, brachte Chris Führich und Maximilian Mittelstädt, eine Viertelstunde später kamen noch Chema Andrés und Ermedin Demirovic. Die Partie war zu diesem Zeitpunkt etwas offener, auch die Freiburger hatten nun etwas mehr Offensivaktionen. In den Schlussminuten war es dann aber fast ausschließlich der VfB, der vehement versuchte, doch noch den Siegtreffer zu erzielen. „Es sah fast aus wie Handball“, sagte Hoeneß. Wieder und wieder rannten die Stuttgarter an – und wurden dann tatsächlich für ihre Unnachgiebigkeit belohnt.
Demirovics Treffer ließ die Arena beben, danach vereitelte Keeper Alexander Nübel („Ich bin happy, dass wir gewonnen haben“) den Freiburger Ausgleich, dann war klar: Der VfB hat nicht nur dieses Spiel gewonnen. Er bleibt in der Liga in 2026 auch ungeschlagen (vier Siege, ein Unentschieden) und hat seine Situation mit Blick auf die Tabelle noch einmal verbessert. Die Stuttgarter kletterten auf Rang vier und haben nun schon zwölf Punkte Vorsprung auf Rang sieben. Dem ersten Rang also, der keine erneute internationale Beteiligung in der kommenden Saison vorsieht. Dort steht weiter der SC Freiburg.
Das Polster nach hinten darf dem VfB weiter Sicherheit geben – für die kommenden Aufgaben, die rasend schnell auf das Team zukommen. Schon am Mittwoch (20.45 Uhr) geht es bei Holstein Kiel um den Einzug ins Halbfinale im DFB-Pokal.