Wie viele Fans aus Israel werden erwartet? Welche Regeln gelten beim Einlass und im Stadion? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen.
Schon bei der Auslosung war klar: Dieses Spiel wird keines wie jedes andere. Wenn Maccabi Tel Aviv am Donnerstag (18.45 Uhr) in der Europa League beim VfB Stuttgart gastiert, gelten deutlich höhere Sicherheitsvorschriften als üblich. Die Hintergründe und Einzelheiten zum Ablauf am Spieltag.
Warum ist das Spiel so brisant? Weniger aufgrund einer besonderen Vorgeschichte rivalisierender Fanlager, sondern vor allem mit Blick auf die geopolitische Lage und den Nahostkonflikt. Zwar liegen dem Stuttgarter Polizeipräsidium zufolge keine konkreten Gefährdungserkenntnisse aus dem Bereich der politisch motivierten Kriminalität vor – das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachte aber seit Längerem den erklärten Willen von Islamisten, Anschläge im Westen zu verüben. Hinzu kommt: Der Anhang des israelischen Erstligisten trägt den Nationalstolz in Teilen selbstbewusst nach außen. Entsprechend intensiv laufen seit Monaten die Vorbereitungen zwischen Vereinen, Verbänden und Behörden – wobei die Polizei die Partie mit einem Großeinsatz begleiten wird. Mit dem Heimspiel gegen Maccabi, sagt der VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle, verbinde man nicht nur einen Fußballabend, „sondern auch die Verantwortung, ein Zeichen für Respekt und ein faires Miteinander zu setzen.“
Was ändert sich am Einlass? Einiges. Die Kontrollen werden deutlich intensiver als üblich sein und entsprechend mehr Zeit beanspruchen. Rucksäcke und Taschen können generell nicht mit ins Stadion genommen werden und müssen zuvor abgegeben werden, außerdem kommen Metalldetektoren zum Einsatz – mit einer anschließenden Intensivkontrolle bei begründeten Verdachtsfällen. „Inakzeptables oder unkooperatives Verhalten während des Einlassprozederes führt direkt zu einem Hausverbot für diesen Spieltag“, teilt der VfB mit. Zudem wird die Polizei rund um die Arena und an den Eingängen sichtbar bewaffnet eine starke Präsenz zeigen. Dies diene der Sicherheit aller Stadionbesucher, so der Verein.
Wann sollten Fans da sein? So früh wie möglich. Die Tore öffnen um 16.45 Uhr zwei Stunden vor Spielbeginn, anschließend ist aufgrund der Kontrollen schnell von längeren Schlangen auszugehen. Der VfB betont dabei in einem nicht alltäglichen Hinweis: Wer nicht um 17.15 Uhr und damit 90 Minuten vor Spielbeginn an der MHP-Arena eintreffe, müsse damit rechnen, den Anpfiff zu verpassen. Auch mit fortschreitender Zeit – viele Fans dürften aufgrund der frühen Anstoßzeit und des Berufsverkehrs zum Feierabend erst kurz vor Anpfiff eintreffen – soll das Prozedere nicht verändert werden: „Eine Reduzierung oder Beschleunigung der Kontrollmaßnahmen zu Spielbeginn hin wird es nicht geben.“
Welche Regeln gelten im Stadion? Außerhalb der Cannstatter Kurve und des Gästefanbereichs dürfen mit Ausnahme von Trikots, Schals und Mützen dem VfB zufolge „keinerlei Fahnen, Flaggen, Banner, Schilder, Botschaften oder Fan-Utensilien“ getragen werden. Das bezieht sich natürlich in erster Linie auf politische Botschaften – aber selbst die bei Fans beliebten Trikot-Wunsch-Botschaften auf Pappe an bestimmte Spieler werden dieses Mal untersagt sein. Der Ordnungsdienst ist dabei laut VfB angehalten, „sofort gegen jegliche Form von Störung oder provozierendem Verhalten auf den Zuschauerrängen einzuschreiten und Personen im Fall eines Verstoßes des Stadions zu verweisen“.
Wie viele Maccabi-Fans werden erwartet? Das lässt sich nicht genau beziffern, da der israelische Erstligist den Verkauf seines Ticket-Kontingents erst in der vergangenen Woche gestartet hat. Beim VfB geht man von 1000 bis 2000 Gästefans aus, womit das offizielle Kontingent von fünf Prozent der Gesamtkapazität (3000) nicht ganz erreicht wäre. Der VfB bietet aber in keinem Fall Tickets im Gästebereich an, dagegen wird es eine deutlich wahrnehmbare Trennung zum Heimbereich geben. Für letzteren gibt es nur noch einzelne Restkarten im Mitglieder-Verkauf, sodass mit einem vollen VfB-Fanbereich und 57 000 Stuttgarter Anhängern am Donnerstagabend zu rechnen ist.