Das Spiel des VfB gegen den HSV hätte eigentlich ein Duell der zwei besten Zweikämpfer werden sollen. Doch daraus wird jetzt nichts. Dafür bahnt sich eine spannende Rückkehr an.
Wer sich vor dieser Bundesliga-Saison auf zwei Durchstarter hätte festlegen müssen, der hätte sicher den einen oder anderen Namen von den üblichen Verdächtigen genannt. Zum Beispiel Yan Diomandé (Leipzig), Lennart Karl (München) oder Carney Chukwuemeka (Dortmund). Und ja, das Trio agiert mehr als auffällig, ohne Frage. Aber sicher ist auch, dass kaum jemand zwei Namen auf dem Zettel hatte, über die man in der Bundesliga aktuell permanent spricht. Zumal beides Defensivspieler sind. Gemeint sind Luka Vuskovic (Hamburger SV) und Ramon Hendriks (VfB Stuttgart).
Was Vuskovic und Hendriks eint, ist die Qualität in den Zweikämpfen. Hendriks ist mit einer Quote von 69,3 Prozent statistisch gesehen der beste Zweikämpfer der Liga. Niemand gewinnt seine direkten Duelle häufiger. Vuskovic steht hier auf Rang zwei (68,7 Prozent), hat aber mit insgesamt 297 nahezu doppelt so viele Zweikämpfe geführt wie Hendriks (151).
Der Hamburger ist nicht nur einer der besten Kopfballspieler der Liga und torgefährlich noch dazu – fünf Treffer und eine Vorlage hat er bereits auf dem Konto, darunter ein Tor des Monats mit der Hacke – sondern er ist mit seinen erst 19 Jahren sogar schon der Abwehrchef bei den Hanseaten. Vuskovic steht regelmäßig bei der kroatischen Nationalmannschaft im Aufgebot. Nicht wenige rechnen mit ihm als Stammspieler bei der WM im Sommer. Ganz so weit ist Ramon Hendriks noch nicht. Der Abwehrspieler, U17-Europameister von 2018 mit den Niederlanden, wartet noch auf eine Nominierung für die A-Nationalmannschaft seines Landes.
Hendriks wartet noch auf eine Nominierung
Ganz so weit ist Ramon Hendriks noch nicht. Der Abwehrspieler, U17-Europameister von 2018 mit den Niederlanden, wartet noch auf eine Nominierung für die A-Nationalmannschaft seines Landes. Und auch in Sachen Marktwert kann der 24-Jährige nicht ganz mit dem Kroaten mithalten. Er steigerte sich aber immerhin von 5 Mio. Euro (Stand März 2025) auf nun 20 Mio. Euro. Hendriks gehört dennoch zu den großen Durchstartern bei den Schwaben. Der Abwehrspieler kann in der Defensive mehrere Rollen spielen, mauserte sich so von der Kaderposition 12-15 zum Stammspieler mit 61 Prozent Startelfquote.
In den Einsätzen konnte er schon zwei Vorlagen verbuchen, doch viel wichtiger sind seine defensiven Attribute. Hendriks ist ein „unermüdlicher Fighter, der keinen Schmerz kennt und immer alles für die Mannschaft gibt“, sagt etwa Trainer Hoeneß. Zudem weiß Hendriks mit seiner Schnelligkeit zu überzeugen, gehört mit 35,07 km/h zu den schnellsten Spielern der Liga.
Aufgrund des verletzungsbedingten Ausfalls von Vuskovic (Schlag auf das Knie) kommt es nun nicht zum Duell mit Hendriks. Dafür dürfte sich wohl ein anderer HSV-Abwehrspieler so richtig freuen: Daniel Elfadli (29). Der Leonberger, der sein Profidebüt erst mit 25 feierte und beim HSV zu Saisonbeginn neben Vuskovic gesetzt war, ehe ihn eine Verletzung stoppte, kam bei den Hamburgern zuletzt nicht über die Rolle eines Ergänzungsspielers hinaus. Zuletzt stand er mehrfach im Kader, kam aber nicht zum Einsatz. Die Hamburger Personalnot dürfte ihn wieder in die Startelf spülen.
Elfaldli stammt aus der Region. Schaffte allerdings das Kunststück, zum Profi zu werden, ohne jemals beim VfB gespielt zu haben. Eltingen, Rutesheim, Nöttingen, Aalen und Magdeburg lauten seine Stationen vor dem HSV. „Er war mit Abstand der fleißigste, ehrgeizigste Spieler, den wir hatten. Vor dem Training, nach dem Training – er hat wahnsinnig viel investiert“, sagt sein ehemaliger Rutesheimer Trainer Rolf Kramer über ihn.
Noch nicht einmal gegen den VfB hat Elfaldli bisher gespielt – im Hinspiel fehlte er verletzt und in all den Jahren in der Regionalliga und darunter gab es nur zwei Duelle mit dem VfB II, als er für Aalen spielte. Seine Zweikampfwerte können zwar nicht mit denen von Hendriks mithalten – aber ganz sicher dürfte sich der ehemalige Nationalspieler (3 Länderspiele für Lybien) freuen, vor vielen Freunden und der Familie endlich mal wieder in der Heimat zum Einsatz zu kommen.