Ergebnistechnisch verläuft der Jahresabschluss des VfB Stuttgart mit dem 0:0 gegen die TSG Hoffenheim enttäuschend. Dennoch sind hinterher alle happy.
Am Ende wurde es noch richtig besinnlich. Unter weihnachtlichen Klängen und in der rot beleuchteten Arena marschierte die Mannschaft des VfB Stuttgart nach dem 0:0 gegen die TSG Hoffenheim nach einer Stadionrunde zu den Fans in der Cannstatter Kurve. Wo dann die Stimmung von besinnlich in emotional umschlug. Ungewöhnlich für ein gewöhnliches Bundesligaspiel dankte Trainer Sebastian Hoeneß per Mikrofon den Fans für ihre „fantastische Unterstützung“ und blickte auf ein „überragendes Jahr“ mit Europapokal und Pokalsieg zurück. Am Ende versprach er unter tosendem Applaus: „2026 greifen wir richtig an.“
Die Anhänger nahmen den Ball dankend auf und spielten ihn an die Mannschaft zurück. Eine Mannschaft, die sich niemals aufgebe, wie der Vorsänger des Commando Cannstatt betonte. Egal, ob sie 0:1 oder 0:2 zurück liege. Was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war. Und die wegen ihres unermüdlichen Einsatzes als Mannschaft deshalb in der Gunst der organisierten Szene ganz weit oben steht.
„2026 greifen wir richtig an“
Der Ultra skizzierte für 2026 eine rosarote Zukunft in Liga, Pokal und Europaleague und stimmte zum Abschluss des Fußballjahres den Klassiker an: „Eu-ro-pa-Po-kal!“ Und Tausende sangen mit. Ein Happy End eines Fußballjahres, das, man darf es nicht vergessen, mit Platz neun in der Liga auch seine Täler hatte. Das aber unter dem Strich dann doch so viel Positives bereit hielt, dass man sich im Lager der Stuttgarter am 15. Spieltag auch mit einem 0:0 gegen die TSG Hoffenheim zufrieden von 2025 verabschieden konnte. Deniz Undav brachte den Spielverlauf auf den Punkt: „Wir hätten viel, viel mehr Chancen kreieren können. Aber irgendwie hat es mit dem Endprodukt nicht geklappt.“
Ein Törchen hätte zum perfekten Glück gefehlt. Ganz am Ende scheiterte Undav (wie schon vergangene Woche in Bremen) an ein paar Zentimetern. Es lief bereits die Nachspielzeit, Chris Führich schlug eine letzte Flanke in den Strafraum, Undav köpfte ins Tor, das Stadion explodierte. Bis Schiedsrichter Daniel Siebert pfiff. Abseits. Die Schulter. So wurde es nichts aus dem erhofften Dreier und dem Vorbeiziehen an den Hoffenheimern. Woran auch Nationaltorhüter Oliver Baumann seinen Anteil hatte. Er vereitelte die beste Stuttgarter Chance durch Tiago Tomas mit einer Sensationsparade (43.). So blieb es am Ende bei einem aus Hoffenheimer Sicht glücklichen, torlosen Unentschieden.
Ärgerlich, aber verkraftbar, meinte Trainer Sebastian Hoeneß, der ein gutes Spiel seiner Mannschaft gesehen haben wollte. Sein Fazit: „Ich glaube, es wäre in Ordnung gewesen, wenn wir gewonnen hätten.“ Angesichts von 10:4-Torschüssen und eines Expected-Goals-Wert von 1,04 zu 0,12 garantiert keine Fehleinschätzung. So ehrlich war auch TSG-Coach Christian Ilzer: „Über das gesamte Spiel war der VfB das chancenstärkere Team.“ Der Österreicher ergänzte: „Ich glaube, sie können heute jeden Stuttgarter fragen, der sagen wird, dass ihm das Spiel gegen uns keinen Spaß gemacht hat.“
Tatsächlich machte das Überraschungsteam der Liga mit Platz fünf dem Pokalsieger durch hart geführte Zweikämpfe und viele Fouls das Spielen schwer. „Sie haben gezeigt, dass sie zu den besten Mannschaften in der Bundesliga gehören“, meinte VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. „Sie spielen aber auch hart.“ Darunter hatte vor allem die Stuttgarter Offensive zu leiden. Sie agierte engagiert, aber ohne Fortune. Allen voran Deniz Undav. Dennoch wollte auch er kurz vor Weihnachten ein positives Gesamtfazit ziehen. „Ich hoffe auf eine gute Rückrunde, die genauso gut läuft wie die bisherige Saison.“
Der VfB überwintert als Sechster auf einem Europaleague-Platz, steht im DFB-Pokal im Viertelfinale (gegen Holstein Kiel) und hat in der Europalegue bei noch zwei ausstehenden Spielen in der Ligaphase gute Chancen, direkt ins Achtelfinale einzuziehen. „Eine Top-Ausgangsposition für den Start ins neue Jahr“, wie Hoeneß meinte.
„Diesen Fehler dürfen wir kein zweites Mal machen“
Am 3. Januar ist Trainingsauftakt, zwei Tage später steht ein nicht öffentliches Testspiel gegen den FC Luzern auf dem Programm. Am 10. Januar wartet mit Bayer Leverkusen gleich der erste echte Prüfstein, ehe es mit mehreren englischen Wochen Schlag auf Schlag weitergeht.
Am Ende gab Deniz Undav noch den Mahner. Der 29-Jährige erinnerte an den Start ins Jahr 2025. Das verlief mit drei Siegen verheißungsvoll, ehe der Absturz erfolgte. „Im Januar“, erinnerte Undav an den Beginn dieses Jahres, „sind wir auch gut reingestartet in den zweiten Teil der Saison und haben dann verkackt. Diesen Fehler dürfen wir kein zweites Mal machen.“