Zweieinhalb Jahre lang hat es das Duell Hamburger SV gegen VfB Stuttgart nicht gegeben. Nun kehren die Stuttgarter in ein Stadion zurück, in dem sie ein besonderes Erlebnis hatten.
Ganze 119 Pflichtspiele hat der VfB Stuttgart gegen den Hamburger SV in den vergangenen Jahrzehnten bestritten – weshalb man mit Fug und Recht von einem Traditionsduell sprechen kann. Das gab es in der ersten Liga, in der zweiten, im Pokal, in der Relegation. Aber nicht mehr seit fast zweieinhalb Jahren.
Damals, am 5. Juni 2023, standen sich die beiden Teams im Relegationsrückspiel gegenüber, der VfB setzte sich durch und musste bis jetzt warten, um erneut im Volksparkstadion in der Hansestadt antreten zu können. Erst im vergangenen Frühsommer schaffte der HSV den ersehnten Aufstieg nach sieben Jahren Zweitklassigkeit.
Mit dem bevorstehenden Duell kommen auch die Erinnerungen an denkwürdige Begegnungen im Volkspark hoch. Es gab schöne Auswärtssiege, enge Spiele, knappe und deutliche Niederlagen und spezielle Ereignisse. Zum Beispiel: Die üble Grätsche an der Eckfahne von Paolo Guerrero gegen den damaligen VfB-Keeper Sven Ulreich. Besonders präsent ist aber eben das Relegationsfinale in Hamburg vor zweieinhalb Jahren.
Die Konstellation war speziell. Beim VfB hatte im April 2023 Sebastian Hoeneß übernommen – auf Platz 18. Der Coach erweckte das Team wieder zum Leben, und es schien zwischendurch sogar, als könne sich der VfB direkt in der Liga halten. Nach dem 1:1 am letzten Spieltag gegen die TSG Hoffenheim war aber klar: Der Klassenverbleib muss über die Relegation geschafft werden.
Bei den Hamburgern hatte ein in Stuttgart alter Bekannter das Sagen an der Seitenlinie. Tim Walter sollte den VfB von Sommer 2019 an eigentlich zurück in die erste Liga führen. Nach einem halben Jahr erfolgte aber schon wieder die Trennung. Nun wollte er mit dem HSV nach oben. Entsprechend aufgeladen war das Duell – das die Stuttgarter dann aber recht schnell entschieden. Oder etwa nicht?
Im Hinspiel legte der VfB einen Blitzstart hin, führte schnell mit 1:0 (Konstantinos Mavropanos in der ersten Minute) und legte nach der Pause gleich zwei Treffer nach (Serhou Guirassy und Josha Vagnoman). „Wieder ein Nackenschlag“, klagte Tim Walter, der nach der Partie einen Kameramann scharf anging, weil dieser den Mannschaftskreis des HSV aus kurzer Entfernung filmte. Später sagte er mit Blick auf das Rückspiel: „Es geht nicht immer nur um Fußball, manchmal ist Liebe größer. Und deshalb wird es auch im Volkspark ein heißer Tanz.“
120. Duell am Sonntag in Hamburg
Sebastian Hoeneß war nach dem Hinspiel derweil hochzufrieden, auch wenn die Partie noch klarer hätte enden können. „Die Jungs haben eine super Leistung gezeigt“, lobte der VfB-Coach, „wir haben dem Druck standgehalten.“ Für das Rückspiel war die Vorgabe klar: Nur kein schnelles Gegentor kassieren und den Hamburgern dadurch wieder Hoffnung schenken. Doch genau das passierte.
Sonny Kittel traf in der sechsten Minute zum 1:0, der Volkspark bebte – doch das Wunder blieb aus. Der VfB fing sich schnell, kontrollierte das Geschehen und verscheuchte durch die Treffer von Enzo Millot (2) und Silas Katompa jegliche Zweifel am Klassenverbleib. „Da war Druck drauf, in beiden Spielen. Ich bin jetzt einfach nur ein glücklicher Mann, dass wir es gepackt haben“, sagte Hoeneß und lobte: „Die Jungs sind unglaublich, allergrößtes Kompliment.“ Am Ende gab es ein ikonisches Siegerfoto vor dem Gästebereich des Volksparkstadions.
Den werden am Sonntag (15.30 Uhr) wieder die Fans des VfB bis auf den letzten Platz füllen. Beim VfB-Comeback im Volkspark. Und der 120. Auflage dieses Traditionsduells.
Die VfB-Aufstellung in der Relegation
Tor
Florian Müller
Abwehr
Konstantinos Mavropanos, Waldemar Anton, Hiroki Ito
Mittelfeld Borna Sosa, Wataru Endo, Atakan Karazor, Josha Vagnoman
Angriff Enzo Millot, Serhou Guirassy, Chris Führich
Einwechslungen Dan-Axel Zagadou für Mavropanos, Luca Pfeiffer für Guirassy, Nikolas Nartey für Sosa, Tiago Tomas für Millot, Silas Katompa für Vagnoman