Bundespolitik reagiert auf Vorfälle von Deventer Foto: IMAGO/Kirchner-Media

Die Vorfälle rund um die VfB-Partie bei Go Ahead Eagles Deventer ziehen nicht nur Reaktionen vom VfB und den Stuttgarter Ultragruppen nach sich. Auch die Politik reagiert.

Starke Restriktionen im Vorfeld und sich urplötzlich und anlasslos bahnbrechende Polizeigewalt überschatteten die Partie des VfB Stuttgart bei Go Ahead Eagles Deventer. Der sportliche Erfolg der Schwaben, die das Spiel deutlich mit 4:0 gewannen, rückt komplett in den Hintergrund. Nachdem der VfB bereits am Spieltag ein klares Statement abgab und durch seinen CEO Alexander Wehrle deutliche Worte in Richtung des gastgebenden Vereins, der Stadt Deventer und an die örtlichen Behörden richtete, kommt es nun zu Reaktionen aus der organisierten Szene und der Politik.

 

Die Ultras legten dabei bereits den Fokus auf das kommende Wochenende und die bereits laufenden Proteste in der innerdeutschen Debatte um das Thema Stadionsicherheit und kündigten erneut Schweigeproteste in allen deutschen Stadien für die ersten zwölf Minuten der Spiele an; diese hatte es bereits am letzten Wochenende gegeben. „An die Vertreter der Vereine und Verbände appellieren wir: Zeigt deutlicher denn je Haltung und schützt gemeinsam mit uns das Alleinstellungsmerkmal des Fußballs in diesem Land – noch ist es nicht zu spät! Ohne euch wird ein Großteil der absurden politischen Forderungen nicht umsetzbar sein!“, lässt das Commando Cannstatt wissen und Schwabensturm 02 führt aus: „Die Stille der Kurven ist unsere unüberhörbare klare Forderung an die Politik, noch vor der anstehenden Innenministerkonferenz die dringend notwendige Kehrtwende einzulegen.“

Polizeigewalt gegen Fans beschäftigt auch Politik

Der VfB Stuttgart hatte sich gemeinsam mit allen Südwestclubs aus erster und zweite Liga hier bereits klar positioniert und auf die Seite der Fans gestellt. Die Vorfälle in Deventer geben der Thematik nun noch eine neue Dimension. Auch aus der Bundespolitik mehren sich Stimmen, die Aufklärungsbedarf dokumentieren. „Wer Fans ohne Anlass mit Schlagstöcken attackiert, hat im Polizeidienst nichts verloren. Solch unerträgliche Gewaltexzesse sind ein Schlag ins Gesicht all jener, die Europa als Raum der Freiheit und Fairness verstehen“, sagt der Fraktionsvorsitzende der FDP/DVP-Fraktion, Dr. Hans-Ulrich Rülke. Er fordert „eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle und eine harte Sanktionierung der Täter. Der niederländische Botschafter muss einbestellt werden, sollten die niederländischen Behörden nicht reagieren“.

Auch aus dem Lager von B90/Die Grünen kommen deutliche Worte. „Was in Deventer geschah, steht stellvertretend für eine gefährliche Entwicklung. Statt Deeskalation und Kommunikation erleben Auswärtsfans in Europa immer öfter willkürliche Maßnahmen – ohne Transparenz, ohne Kontrolle, ohne Konsequenzen“, sagt Marcel Emmerich, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. „Fußballfans werden pauschal als Risiko behandelt, nicht als Bürger, die Anspruch auf faire und rechtsstaatliche Behandlung haben. Es sieht so aus als gelte die europäische Idee für Fußballfans nicht“, so Emmerich weiter.

Die Fraktion wendet sich zudem direkt an das Innenministerium. „Der Fall Deventer muss vollständig aufgeklärt werden. Als Bundesinnenminister ist Alexander Dobrindt gefordert, sich aktiv einzuschalten, Aufklärung einzufordern und die Rechte deutscher Auswärtsfans gegenüber den niederländischen Behörden zu verteidigen. Gleichzeitig muss dieses Thema auf die Tagesordnung europäischer Politik: Es braucht verbindliche Standards, echte Kontrollmechanismen und klare Regeln für den Umgang mit Auswärtsfans. Die UEFA ist ebenso in der Verantwortung, sich für Fanrechte einzusetzen.“