Der VfB Stuttgart geht mit einem Kader von 32 Spielern in die kurze Vorbereitung. Auf Trainer Sebastian Hoeneß und Sportvorstand Fabian Wohlgemuth wartet noch Arbeit.
Es dauerte ein wenig länger, ehe Tobias Herwerth am Samstagvormittag das Bulletin aus dem VfB-Lazarett verlesen hatte. Der Pressechef des VfB Stuttgart hatte sicherheitshalber eine Gedankenstütze per digitaler Notiz auf dem Smartphone mitgebracht. Also, aufgepasst: Es fehlten Silas (private Verpflichtung), Dan-Axel Zagadou (muskuläre Probleme), Luca Jaquez (muskuläre Probleme) und Ameen Al-Dakhil (Erkältung).
Eingeschränkt trainieren konnten lediglich Rückkehrer Jovan Milosevic (geschiente Hand), Lazar Jovanovic (Rückenprobleme) und Noah Darvich (muskuläre Probleme). Yannik Keitel wechselte am Samstagvormittag wie von unserer Redaktion bereits zuvor berichtet auf Leihbasis bis Saisonende nach Augsburg, die Fuggerstädter besitzen eine Kaufoption.
Lebhafter Start ins Jahr für den VfB Stuttgart
Dennoch hatte Sebastian Hoeneß zum Trainingsauftakt 27 Spieler um sich versammelt. „Die Jungs machen einen lebhaften Eindruck. Alle freuen sich, dass es wieder los geht“, bilanzierte ein zufriedener Trainer den ersten Aufgalopp vor 3000 Fans im Robert-Schlienz-Stadion. „Ein Wahnsinn. Damit habe ich nicht gerechnet. Dass unsere Fans uns immer hervorragend unterstützen, ist ja nicht neu. Aber das hier war nicht zu erwarten“, fand Hoeneß nur schwer Worte zum großen Andrang in Bad Cannstatt.
Auf seine Mannschaft wartet ein Husarenritt von neun Spielen in 29 Tagen zum Auftakt. Um diese Aufgabe zu bewältigen hat der Club rund sieben Millionen Euro plus Handgeld in Jeremy Arevalo investiert. Der 20-Jährige soll sofort eingreifen, gilt als Herausforderer für Deniz Undav und Ermedin Demirovic auf der Neuner-Position, zentral in der Offensive. „Wir kannten die Klausel und haben die Chance bekommen, ihn zu verpflichten. Er hat in der spanischen zweiten Liga seinen Durchbruch gefeiert, zuletzt dort einige großartige Dinge gezeigt. Er kann sofort helfen, bekommt von uns aber alle Zeit zur Integration“, so Hoeneß.
Demirovic will seinem Konkurrenten dabei helfen. „Er ist ein ruhiger Junge, bisschen schüchtern. Ich werde mein Spanisch rauskramen und versuchen, ihm Lockerheit zu vermitteln“, sagte der wieder ins Training eingestiegene Angreifer der nach fast drei Monaten Zwangspause einen geschmeidigen Eindruck hinterließ. „Ich habe viel gearbeitet, bin topfit und hoffe, dass ich schon am Samstag in Leverkusen eine Option bin für den Trainer“, unterstrich Demirovic seine Ambitionen. Der Stürmer machte keinen Hehl daraus, dass er nicht bereit ist, seine Kaderposition freiwillig herzugeben.
Dies ist nur einer von einigen möglichen Brandherden im Kader, die Hoeneß genau im Blick behalten und mit Bedacht moderieren muss. Denn trotz einer Vielzahl von Spielen und dadurch zu verteilenden Einsatzminuten fühlt sich schnell der eine oder andere zu wenig beachtet und könnte versucht sein, aufgrund der eigenen Situation seinen Unmut in das Mannschaftsgefüge zu tragen. Das birgt jede Menge Konfliktpotenzial. „Wir sind quantitativ gut aufgestellt und „wollen nun schauen, dass wir den Kader etwas verkleinern“, so Hoeneß, der vorerst weitere Verpflichtungen ausschloss.
Das bedeutet nicht nur viel Arbeit für Hoeneß, sondern auch für Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und seinen Sportchef Christian Gentner. Immerhin ist die Liste derer, denen man keine Steine in den Weg legen würde, nicht gerade kurz. Zwar will das niemand offiziell bestätigen („alle sind Teil des Kaders und alle haben Chancen auf Einsatzzeit“, Sportvorstand Wohlgemuth), doch Silas, Jovanovic, Milosevic und wohl auch Leonidas Stergiou können gehen oder auf Leihbasis wechseln, wenn das Angebot passt. Dazu sind Darvich und Justin Diehl weiter klar für die U21 in der 3. Liga eingeplant.