Nach intensiven Diskussionen in den vergangenen Tagen herrscht nun Klarheit auf der Torhüter-Position des VfB – auch, was die Nummer zwei und drei angeht.
Einen guten Torhüter zeichnet es aus, nach beschäftigungslosen Phasen von einem Moment auf den anderen zur Stelle zu sein. Dennis Seimen war genau das im Relegations-Rückspiel seines SC Paderborn gegen den VfL Wolfsburg, als er mit einer Glanztat in der Verlängerung entscheidenden Einfluss auf den Ausgang nahm. Blitzschnell riss er die Hände nach oben, entschärfte so den Kopfball von Kento Shiogai, hielt sein Team mit 2:1 in Führung. Wenig später war der vom VfB Stuttgart ausgeliehene Keeper unter einer Jubeltraube verschwunden – und der SCP in die Bundesliga aufgestiegen.
„Es ist unbeschreiblich. Ich kann es kaum in Worte fassen, was in mir abgeht“, freute sich der 20-Jährige im Anschluss auf dem Rasen – und blickte recht gelassen auf seine Nervenstärke bei besagtem Reflex: „Ich bin eine ruhige Person, ich bleibe bis zur letzten Minute ruhig. Das ist kein Problem.“ Mit der Ruhe war es dann aber nach Spielende vorbei – und eine lange Nacht begann: „Jetzt werden wir ein, zwei Tage den Aufstieg feiern.“
Aber: Die Feier wird fürs Erste den Schlusspunkt von Seimens Zeit in Paderborn bilden. Für den Torhüter geht es zurück zum VfB Stuttgart – und das in exponierter Rolle mit großer Aufmerksamkeit. Nach Informationen unserer Redaktion plant der VfB für die kommende Spielzeit mit Seimen als Nummer eins zwischen den Pfosten – die Position wird frei durch die auslaufende Leihe von Stammtorhüter Alexander Nübel, der noch bis 2030 beim FC Bayern unter Vertrag steht.
Vorausgegangen waren der Stuttgarter Torwart-Entscheidung in den vergangenen Tagen intensive interne Diskussionen. Auf der einen Seite ist das außergewöhnliche Talent Seimens unbestritten, die Wahrnehmung hat sich in dieser Saison auch nicht geändert – sondern eher nochmals verstärkt: Der gebürtige Heilbronner absolvierte alle Spiele für die Paderborner in der zweiten Liga, sicherte mit Reflexen und Präsenz in der Strafraum-Beherrschung teils Punkte im Alleingang, erhielt sogar Lob vom Gegner. Wie nach dem 0:0 beim VfL Bochum im Februar von Gerrit Holtmann: „Den Namen werde ich mir merken, der hat ja alles gehalten.“
Dennis Seimen wurde im NLZ des VfB ausgebildet
Auf der anderen Seite ist durch den Einzug des VfB in die Champions League nochmals eine neue Konstellation eingetreten – und mit ihr Diskussionsbedarf. Will man mit einem Torhüter ohne jede Bundesliga-Erfahrung in eine Saison in der Königsklasse mit Spielen im Drei-Tages-Rhythmus gehen? Braucht es dafür nicht eher einen erfahrenen Keeper? Dass ein Reifeprozess auch mal von Leistungsschwankungen begleitet wird, gehört schließlich zur Entwicklung und ist ja immer wieder zu beobachten. Zuletzt etwa beim Freiburger Noah Atubolu, der 2023/24 in seiner ersten Saison als Nummer eins des SC längst nicht fehlerfrei agierte, nun aber als einer der gefragtesten deutschen Torhüter gilt.
Letztlich überwog beim VfB die Überzeugung in Seimens Fähigkeiten und sein außergewöhnliches Talent – wodurch auch die externe Lösung auf der Torhüter-Position ausschied. Diese hätte Seimen womöglich dauerhaft den Weg ins Stuttgarter Tor verbaut, sofern ein neu verpflichteter Keeper wie in der Branche üblich mit einem Vertrag über mehrere Jahre ausgestattet worden wäre.
Damit steht nun in Dennis Seimen ein im eigenen Nachwuchsleistungszentrum ausgebildeter Spieler kurz davor, sich dauerhaft in der Profi-Mannschaft festzuspielen – eines der letzten noch nicht erfüllten Ziele der bislang so erfolgreichen Ära unter Trainer Sebastian Hoeneß. Die Perspektive ist dabei eine durchaus langfristige: Der Vertrag des 21-maligen deutschen U-Nationalspielers läuft bis 2029.
Die Rollen im Torwart-Gespann hinter Seimen sollen zwei Routiniers einnehmen: Fabian Bredlow (31), der schon seit 2019 beim VfB unter Vertrag steht. Und Marius Funk (30), der von Energie Cottbus zu seinem früheren Jugendverein VfB zurückkehrt. Für Florian Hellstern (18), das nächste Toptalent auf der Torhüterposition aus dem eigenen Nachwuchs, strebt der Verein eine externe Lösung zum Sammeln von Spielpraxis auf möglichst hohem Niveau an. Etwa durch eine Leihe in die zweite Liga. Im Fall von Dennis Seimen hat der VfB damit in dieser Saison ja sehr gute Erfahrungen gemacht.