Beim VfB hat sich ein erstaunlich großer Stamm an Profis herausgebildet, die fast immer spielen und teamintern viel Respekt genießen. Für wen die Belastung besonders hoch ist und warum sich kurzfristig dennoch keine Pause anbahnt.
Rotation, Schonung, Belastungssteuerung. Beim VfB Stuttgart haben ganz neue Vokabeln an Bedeutung gewonnen, seitdem das Team in dieser Saison in einem dritten Wettbewerb am Ball ist – und in der Champions League acht zusätzliche Partien absolviert. Mindestens. Es wäre deshalb alles andere als überraschend, würde Cheftrainer Sebastian Hoeneß seine Startelf an diesem Mittwoch gegen Atalanta Bergamo (21 Uhr) wieder auf einigen Positionen umstellen im Vergleich zur jüngsten Partie bei Bayer Leverkusen. Ebenso wahrscheinlich ist aber zugleich, dass manche Spieler davon unberührt sein werden.
Denn: Inmitten der Wechsel und Änderungen hat sich in den vergangenen Wochen ein Stamm an Dauerbrennern herauskristallisiert, die praktisch immer spielen. Die Gruppe ist erstaunlich umfangreich, zumindest beim Blick auf die bisherigen Partien in der Bundesliga (neun) und der Königsklasse (drei). Ausnahmslos immer in der Anfangsformation standen dabei Torhüter Alexander Nübel, Mittelfeldregisseur Angelo Stiller und der seit der Leverkusen-Partie verletzte Flügelstürmer Jamie Leweling. Dicht dahinter folgen fünf Profis, die in der Champions League ebenfalls stets begannen – und in der Liga fast immer: Innenverteidiger Jeff Chabot, Kapitän Atakan Karazor und Stürmer Deniz Undav kommen je auf acht Bundesliga-Startelfeinsätze, Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt und Offensivspieler Enzo Millot auf sieben.
Mittelstädt: „Man merkt die Belastung so langsam“
In Summe bedeutet das auf acht Positionen eine große Kontinuität in der ersten Elf – wenngleich an dieser Stelle zur Wahrheit gehört, dass durch Auswechslungen punktuell Kräfte geschont wurden. Am Befund eines Spielerstamms ändert das dennoch wenig, wobei sich eine Achse im Zentrum von ganz hinten nach ganz vorne erstreckt: mit Nübel im Tor, Chabot als Defensivchef in der Innenverteidigung, dem zentralen Mittelfeld-Duo Karazor und Stiller sowie Undav als hängender Sturmspitze.
Alle genießen sie teaminternen Respekt, alle sollen sie in ihrem Wirkungskreis für Stabilität auf dem Feld sorgen. Nübels Wert für die Mannschaft war dabei unlängst durch seinen Gala-Auftritt in Leverkusen (0:0) abermals überdeutlich zutage getreten, davor steht der kopfballstarke Abwehrturm Jeff Chabot nach muskulären Problemen nun gegen Bergamo wieder zur Verfügung – was seinen Mitspieler in der Viererkette freut. „Er tut uns defensiv extrem gut und gibt mir als Nebenmann Stabilität“, berichtet Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt. „Jeff ist ein Leader auf dem Platz, der uns sehr viel Energie verleiht.“
Noch etwas weiter vorne wiederum bilden Stiller und Karazor im Zentrum ein Paar, das schon in der Vorsaison harmonierte und den Takt des Spiels bestimmt. „Sie performen auf sehr hohem Niveau und sind körperlich absolut in der Lage, die Spiele auch wegzustecken“, sagt Hoeneß. Eben das gilt bis dato auch für Undav, der in vorderster Linie für die überraschenden Momente und Torgefahr sorgen soll.
Dennoch, das würde niemand beim VfB bestreiten, ist das Thema Belastung natürlich eines. Insbesondere für die Vielspieler. Von „ganz neuen körperlichen Belastungen“ spricht Hoeneß, welche gerade die Stuttgarter Nationalspieler nun kennenlernen würden. Denn durch die Nations-League-Spiele mit der DFB-Elf sind VfB-Stammspieler wie Nübel, Stiller, Mittelstädt und Undav noch in einem vierten Wettbewerb am Ball. „Man merkt so langsam“, sagt auch Mittelstädt, „dass man alle drei Tage ein intensives Spiel in den Beinen hat. Aber ich glaube, dass wir noch gut damit klarkommen.“
So wird es weiter ein stetes Abwägen bleiben für Hoeneß und sein Trainerteam – zwischen sportlicher Unverzichtbarkeit einerseits und körperlicher wie mentaler Frische andererseits. Kurzfristig sollte das kein großes Problem darstellen, der Spielplan meint es gut mit dem VfB: Zwischen den Partien in Leverkusen und gegen Bergamo sind es fünf Tage Pause, danach weitere vier Tage bis zum Bundesliga-Duell mit Eintracht Frankfurt am Sonntag – die jeweiligen VfB-Gegner müssen in beiden Fällen mit weniger klarkommen.
„In dieser Woche wird das Thema Frische nicht so groß werden“, prognostiziert daher VfB-Coach Hoeneß, der seine Spieler am Montag im Training nach einem freien Wochenende „sehr frisch und mit viel Vorfreude“ erlebt hat. Vieles, eigentlich alles, spricht also dafür, dass für die Stuttgarter Dauerbrenner weitere Einsätze dazukommen werden.