Der VfB Stuttgart hat die Vorrunde der Fußball-Bundesliga mit 32 Punkten abgeschlossen. So gut war der Club selten nach 17 Spieltagen. Wir schauen, wohin das noch führen kann.
Weil der Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist, wird auch fast wöchentlich resümiert. Fabian Wohlgemuth weiß das. „Januar-Fazit, Februar-Fazit, Hinrunden-Fazit, Weihnachts-Fazit . . .“, zählte der Sportvorstand des VfB Stuttgart am Dienstagabend in der MHP-Arena auf – um sich dann doch auf die eine, nun relevante Bilanz zu konzentrieren.
Mit dem Abpfiff der Partie des VfB gegen Eintracht Frankfurt stand nicht nur der spektakuläre 3:2-Sieg fest, es endete auch die Vorrunde in der Fußball-Bundesliga. 17 Partien sind nun gespielt – und Wohlgemuth schaute recht erfreut auf das Erreichte. „Wir sind“, sagte er, „mit der Punktzahl extrem zufrieden.“ Mit den Erfolgen gegen die Eintracht und zuvor bei Bayer Leverkusen, ergänzte Wohlgemuth, habe die Mannschaft „ihre Ambitionen untermauert“.
32 Punkte also haben die Stuttgarter nun angehäuft – was nicht nur in der Realität, sondern auch mit Blick in die Historie kein ganz gewöhnlicher Wert ist. Denn: Mehr hatte der VfB seit Einführung der Drei-Punkte-Regel (1995/1996) nur zweimal zum Ende der Hinrunde.
In der Saison 2023/2024 waren es 34 Punkte, in der Spielzeit 2003/2004 sogar 35. 2006/2007 waren es ebenfalls 32 Zähler, dazu kommen zwei Hinserien, die der VfB mit jeweils 31 Punkten abschloss. Die Frage, die sich nun aufdrängt: Was ist noch drin mit einer solchen Basis? Auch da gibt es gute Nachrichten.
Vor eineinhalb Jahren feierte der VfB am Ende der Saison die völlig überraschende Vizemeisterschaft. Im Frühjahr 2004 landete das Team des damaligen Trainers Felix Magath auf Rang vier, die 32 Punkte im Winter 2006/2007 waren sogar das Fundament für die bislang letzte deutsche Meisterschaft der Weiß-Roten aus Bad Cannstatt. Und: Immer, wenn der VfB seit Mitte der 90er Jahre nach 17 Partien 30 oder mehr Punkte auf dem Konto hatte, wurde er am Saisonende mindestens Vierter.
Das sind gute Aussichten – von allein geht fortan aber alles nicht. Das musste das Team des aktuellen Cheftrainers Sebastian Hoeneß in der vergangenen Saison erfahren. Da waren es zwar „nur“ 29 Punkte nach 17 Spielen, doch wie heute war der Jahresstart besonders gelungen – doch dann kam das Tief, die Mannschaft rutschte zwischendurch sogar in die zweite Tabellenhälfte ab.
Das soll in dieser Saison nicht passieren. „Wir haben viel über diese Phase gesprochen, in der wir es – auf gut Deutsch – verkackt haben“, erinnert sich Ermedin Demirovic, der Stürmer. Mit Blick auf die am Sonntag (15.30 Uhr gegen den 1. FC Union Berlin) startende Rückrunde betont er: „Wir wissen, was wir damals falsch gemacht haben, das wird uns sicher nicht noch einmal passieren.“
Behält der Stuttgarter Angreifer recht, kann tatsächlich Großes entstehen in den kommenden Wochen und Monaten. Zumal die Historie zeigt: In der Rückrunde war der VfB meist besser als in der ersten Saisonhälfte. Im Schnitt holten die Stuttgarter Teams seit 1995 in der Hinrunde 23,3 Punkte – und legten durchschnittlich 25,7 Zähler obendrauf. Gleich neunmal holte ein VfB-Team in der Rückrunde 30 Punkte oder mehr, dreimal waren es 39 Zähler. Diese Bestmarken stammen aus der Vizemeister-Saison vor zwei Jahren und aus zwei Spielzeiten zwischen 2008 und 2010.
Die Art und Weise macht Fabian Wohlgemuth Mut
Jeweils galt damals die Hinrunde als nicht zufriedenstellend. Einmal ging im Herbst der Meistertrainer Armin Veh, ehe Markus Babbel den Club noch auf Rang drei führte. Dann war aber auch das Glück des Europameisters von 1996 aufgebraucht. Babbel musste Ende 2009 gehen – danach holte Christian Groß noch 39 Punkte und wurde immerhin noch Sechster mit dem VfB. In der Meistersaison 2006/2007 hatten die Stuttgarter zuvor 38 Rückrunden-Punkte geholt.
Der Meistertitel ist in dieser Saison sicher kein realistisches Ziel, aber hinter dem FC Bayern ist das Feld noch relativ offen – und der VfB mischt munter mit in der Spitzengruppe. „Die Art und Weise, wie wir die beiden Spiele gegen zwei absolute Topteams der Bundesliga gewonnen haben, macht Mut für die kommenden Partien“, sagt Fabian Wohlgemuth. Zumal es Titelchancen ja noch in zwei anderen Wettbewerben gibt.