Deniz Undav trug den VfB auf seinen Schultern und mit seinen Treffern durch den November und will nun daran anknüpfen. Foto: Baumann/Julia Rahn

Deniz Undav hat den wohl besten November seiner bisherigen Fußballerkarriere gespielt und sich gleich zwei Rekorde geholt. Der VfB-Angreifer ist aktuell unverzichtbar.

Die besondere Klasse von Fußballspielern erkennt man daran, dass sie, einmal eingewechselt, das Spiel ihrer Mannschaft auf ein anderes Level heben. So geschehen bei Angelo Stiller in Hamburg, der dem VfB die Kontrolle im Mittelfeld brachte. Und im ersten Durchgang durch Deniz Undav, der relativ früh für den verletzten Chris Führich auf das Feld sprintete. Mit ihm kamen Inspiration und Selbstbewusstsein auf den Platz.

 

Dass die beiden Protagonisten gemeinsam den schon sicher geglaubten Punktgewinn in der Hansestadt durch ihre völlig missratene Ausführung eines aussichtsreichen Freistoßes herschenkten, gibt der Geschichte eine tragische Note. „Es ist ein gebrauchter Tag. Die Freistoßsituation geht auf mich. Das war eine Fehlkommunikation, ich nehme das komplett auf meine Kappe“, gab ein zerknirschter Undav hinterher zum Besten, während es sein Kollege vorzog, in sein Smartphone starrend lieber den potenziellen Fragen der wartenden Journalisten auszuweichen und schnell in den Mannschaftsbus zu verschwinden.

Der Angreifer fand dafür klare Worte, erklärte die Situation im Detail und warb für Verständnis, dass so eine Nummer auch einmal schiefgehen könne. Sein Trainer stieß ins gleiche Horn. „Es gab beim Freistoß eine Idee und eine Absprache, das hat dann leider nicht gepasst. Aber ich mache der Mannschaft keinen Vorwurf, wir wollen Spieler, die Entscheidungen treffen.“ Auch wenn die in die Hose gehen.

„Wir verlieren nicht, weil wir schlecht gespielt haben, sondern unglücklich, weil es meine Schuld war“, ging Undav hart mit sich ins Gericht. Da diese Szene das Spiel auf dramatische Weise in der Nachspielzeit entschied, wurde hinterher kaum über die beiden Rekorde gesprochen, die Undav in diesem Spiel aufstellte.

Deniz Undav hat einen Lauf. Foto: Baumann/Julia Rahn

In der Bundesliga hat er nämlich nun die letzten sechs Treffer für den VfB erzielt und damit den Uralt-Rekord von Jürgen Klinsmann geknackt, der das fünfmal schaffte. In den Achtzigern, wohlgemerkt. Angesichts der Dauer, die diese Marke bestand, dürfte es wohl wieder eine ganze Weile dauern, ehe sie erneut eingestellt oder übertroffen werden wird. Undav erreichte sie auch, weil er mehr als geplant eingesetzt wurde. „Der Trainer wollte mir eine Pause geben, im Endeffekt habe ich dann mehr gespielt, als ich sollte“, erklärte der Stürmer.

Deniz Undav knackt den Uralt-Klinsmann-Rekord

Es war Undavs insgesamt neunter Scorerpunkt im November. Damit steht er europaweit an der Spitze. Niemand anderes in den Top-5-Ligen hat so viele Torbeteiligungen in den letzten Wochen gesammelt. Kein Lamine Yamal, kein Erling Haaland, kein Alexander Isak, kein Nick Woltemade. „Ich habe viele Spiele gemacht, oft getroffen, wurde auch von den Kollegen gut eingesetzt. Wenn ein Stürmer Selbstvertrauen hat und noch dazu das Vertrauen der Kollegen und des Trainers spürt, dann fallen Dinge leichter. Ich bin stolz darauf, dass ich die beiden Rekorde geholt habe, und versuche natürlich, daran anzuknüpfen“, so Undav.

Gelingt das, dürfte es angesichts der Statistiken wohl nicht mehr lange dauern, ehe der Nationaltrainer wieder einmal bei Undav anruft. Der das Leistungsprinzip predigende Julian Nagelsmann ist eigentlich dazu gezwungen, zumal er gern auf formstarke Akteure setzt. Und in der aktuellen Form muss Undav für die Nationalmannschaft eine Option darstellen, für den VfB ist er angesichts des immer noch andauernden Ausfalls von Ermedin Demirovic ohnehin unverzichtbar. Der Angreifer selbst verzichtete in Hamburg darauf, die Nationalmannschaft in irgendeiner Form zu thematisieren. Er ließ lieber Zahlen sprechen.