Konnte es selbst nicht glauben: Chris Führich und die Elfmeterszene waren auf St. Pauli großes Thema Foto: Baumann/Hansi Britsch

Chris Führich verursachte gegen den FC St. Pauli einen Strafstoß – und konnte hinterher selbst nicht glauben, wie ihm dieser Fauxpas unterlaufen war.

Warum Schiedsrichter Benjamin Brand bei einer nahezu identischen Szene in der ersten Halbzeit – ein St. Paulianer hatte den Ball mit der Hand gespielt – nach VAR-Check weiterspielen ließ, war nach der Partie kein groß nachgefragtes Thema. Vielmehr drehte sich vieles um Chris Führich. Dem unterlief in der 55. Minute ein unabsichtliches, aber folgenschweres Handspiel. Und erneut griff der VAR ein, weil Brand die Situation zuerst außerhalb des Strafraums verortete. Doch nach Ansicht der Bilder war der Fall klar: Strafstoß St. Pauli.

 

„Ich habe den Schiri gefragt, was sagt das Regelwerk. Er meinte nur, dass die Bilder so katastrophal aussehen, dass er ihn geben muss“, gab Pechvogel Führich hinterher zu Protokoll und damit Einblick in die Kommunikation mit den Unparteiischen auf dem Platz. Zuvor war ihm der Ball an die Hand geprallt, nachdem er mit dem Arm bereits eine Ausholbewegung vollzogen hatte, bereit, das Spielgerät aus der Gefahrenzone zu befördern. Ohne Gegnerdruck wohlgemerkt, die Situation barg eigentlich überhaupt keine Gefahr.

„Es liegt ganz klar keine Absicht vor, ich habe da keinen Druck, muss den Ball nur mitnehmen und will dann klären. Was mein rechter Arm da macht, weiß ich auch nicht“, sprudelte es nach der Partie aus einem immer noch fassungslosen Führich heraus. „Ich weiß nicht, was ich da mache. Ich will den eigentlich nur mit dem Oberschenkel mitnehmen und dann rausschießen. Komische Situation. Habe ich so auch noch nie gehabt.“

Danel Sinani ließ sich die Chance nicht nehmen, verlud Alexander Nübel und traf zum vorentscheidenden 2:0 (55.). Der Treffer fiel mitten hinein in den guten Start der Schwaben nach Wiederbeginn, die sich anschickten, den knappen Rückstand noch umzudrehen. „Nach dem 0:2 war es dann schwer“, konstatierte Sebastian Hoeneß im Nachgang. Allerdings ohne Führich einen Vorwurf zu machen. Wie auch sonst niemand seiner Kollegen oder der Stuttgarter Verantwortlichen.

Chris Führich in Hamburg. Foto: IMAGO/Beautiful Sports

Denn auch wenn der Elfmeter sich als folgenschwer entpuppte, verloren hatten die Stuttgarter die Begegnung am Millerntor nicht wegen des Strafstoßes, sondern weil ihnen die Kiezkicker da längst den Schneid abgekauft hatten. Die Schlussoffensive mit dem Treffer vom Jamie Leweling nach Premieren-Vorlage von Jeremy Arevalo kam denn auch zu spät. Für den Flügelflitzer Führich blieb nach der Pleite dennoch ein bitterer Nachgeschmack.

Schließlich befand sich der 28-jährige zuletzt in einem deutlichen Formanstieg nach nicht immer einfachen Wochen, untermauerte seine gute Leistungsfähigkeit am vergangenen Mittwoch mit dem vorentscheidenden Treffer zum 2:0 im DFB-Pokal-Viertelfinale in Kiel. Doch am Ende der Woche blieb für ihn wie den gesamten VfB nur ein gebrauchter Nachmittag in Hamburg.