Ermedin Demirovic und Deniz Undav harmonieren auf und neben dem Platz. Dennoch wird wohl einer der beiden immer mal wieder von der Bank kommen. Aus mehreren Gründen.
Schaden kann es sicher nicht, wenn Teamkollegen auch abseits des Platzes harmonieren und gut miteinander auskommen. Ermedin Demirovic und Deniz Undav befinden sich schon länger auf einer solchen Wellenlänge, erst am Wochenende stand für die beiden Stürmer des VfB Stuttgart wieder ein gemeinsames Essen an. Familie Demirovic zu Gast bei Familie Undav, Zusammenkunft in gemütlicher Runde, mit traditionell kurdischer Küche. Die Chemie stimmt also zwischen den Torjägern – was zuletzt auch immer öfter für das Zusammenspiel auf dem Rasen galt.
Beim 3:1-Sieg gegen den 1. FC Köln trugen sich beide in die Torschützenliste ein, bildeten aber auch darüber hinaus eine besser funktionierende Doppelspitze als in der Vorwoche beim FC St. Pauli (1:2). Ganz vorne Demirovic (27), dessen Revier der Strafraum ist. Etwas versetzt dahinter Undav (29) als mitspielender Stürmer, der sich immer wieder zurückfallen lässt und in unterschiedlichen Räumen für die gegnerische Defensive nur schwierig zu greifen ist.
Trainer Sebastian Hoeneß kann also auf zwei unterschiedliche Spielerprofile setzen, die sich im besten Fall gegenseitig ergänzen. „Wir haben oft betont“, sagt Demirovic, „dass wir beide zusammen spielen können und wollen. Deniz verfügt über etwas mehr Freiheiten. Wir haben eine gute Mischung zwischen langen Bällen hinter die Kette und kurzen davor.“
Das sehen prominente Beobachter ähnlich. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus verfolgte das jüngste Spiel live im Stadion und griff im Anschluss ins oberste Regal in puncto Quervergleich. Ihn erinnere das Zusammenspiel von Demirovic und Undav an jenes von Robert Lewandowski und Thomas Müller beim FC Bayern, so der Sky-Experte: „Sie bewegen sich in den richtigen Räumen und haben eine gute Verständigung. Es geht mit beiden zusammen, das haben sie eindrucksvoll bewiesen.“
Demirovic und Undav haben die meisten Torbeteiligungen
In der Hinrunde war diese Konstellation praktisch nie gegeben. Erst fehlte Undav wochenlang wegen eines Innenbandanrisses im Knie, dann Demirovic aufgrund einer beginnenden Fraktur der Fußwurzel. Inzwischen sind sie beide fit – und mit Blick auf die direkten Torbeteiligungen die mit Abstand wichtigsten Offensivkräfte des VfB. Undav steht in dieser Saison bei 16 Pflichtspieltoren und neun Vorlagen, Demirovic bei zehn respektive zwei. Jeweils nennenswerte Größenordnungen angesichts der Tatsache, dass beide ja mehrere Partien in der Hinrunde verpasst haben.
Was zur Frage führt: Kann der VfB auf das Duo in der Anfangsformation überhaupt verzichten? Wird die Doppelspitze zur Dauerlösung? Auf den ersten Blick spricht vieles dafür. Es gilt aber zugleich auch, Dinge abzuwägen. Sollten die taktischen Anforderungen viele Umschaltaktionen erfordern – was bei der auf Ballbesitz ausgelegten Spielweise des VfB zugegebenermaßen eher selten der Fall ist – könnten auch andere Spielerprofile mit mehr Tempo in den Fokus rücken.
Hinzu kommt: Für die Mittelstürmer-Position in vorderster Linie sind die beiden derzeit de facto die einzigen Kandidaten. Mit Demirovic als Option Nummer eins – und Undav, der bei einer Startelf ohne Demirovic eine Position nach vorne rückt. Die anderen Alternativen? Winter-Neuzugang Jeremy Arevalo ist noch ein gutes Stück von dem Duo entfernt und schaffte es zuletzt mehrfach nicht in den Spieltagskader, Tiago Tomas und Jamie Leweling wären als Mittelstürmer eher positionsfremde Aushilfen. Will Hoeneß also im Spielverlauf noch einen frischen Mittelstürmer einwechseln, lässt er meist Undav oder Demirovic auf der Bank und bringt auf der Position der hängenden Spitze einen anderen Akteur. Bilal El Khannouss oder Nikolas Nartey beispielsweise.
Diese Überlegungen stellen sich Spiel für Spiel aufs Neue. Erst recht in den englischen Wochen, in denen der Trainer immer wieder rotiert und den Faktor Frische im Blick hat. Selten absolviert ein Stuttgarter Profi hier alle Partien von der ersten bis zur letzten Minute – auch Demirovic und Undav nicht: In den bisherigen zehn Pflichtspielen dieses Jahres bot Hoeneß nur viermal beide zusammen in der Anfangsformation auf.
Zudem droht dem Duo in den kommenden Wochen eine Zwangspause: Beide müssten bei ihrer nächsten Gelben Karte in der Bundesliga ein Spiel aussetzen, für Undav gilt das darüber hinaus auch in der Europa League. Noch aber ist das Zukunftsmusik – und der Trainer frei in seiner Entscheidung.
Die Variante mit nur einem der beiden in der Startelf schließt dabei selbstredend nicht aus, dass es später im Spielverlauf zu einem Zusammenspiel kommt. Das Siegtor gegen den SC Freiburg (1:0) im Januar etwa resultierte aus einer Co-Produktion des Vorlagengebers Undav sowie des eingewechselten Torschützen Demirovic. Vor dem Hinspiel der Play-offs in der Europa League bei Celtic Glasgow am Donnerstag (21 Uhr) sind also wieder beide Optionen denkbar, der Doppelsturm von Beginn an oder Impulse von der Bank. Eines lässt sich aber mit relativer Sicherheit prognostizieren: Spätestens im Spielverlauf werden sowohl Ermedin Demirovic als auch Deniz Undav zu ihrer Einsatzzeit kommen.