Maximilian Mittelstädt sagt, warum er Deniz Undav den Strafstoß überlassen hat – und äußert sich nach seiner starken Leistung gegen den HSV auch zum Thema Nationalelf.
Eigentlich ist die Sache ja klar. Erhält der VfB Stuttgart einen Strafstoß und steht Maximilian Mittelstädt auf dem Feld, tritt der Linksverteidiger an. Das gilt seit dieser Saison, in der die Rolle des Elfmeter-Schützen nach einem längeren Casting und viel Trainingsarbeit an den 29-Jährigen gegangen ist. Seine Bilanz: Vier Schüsse, vier Tore, 100 Prozent Trefferquote. Am Sonntagabend gegen den Hamburger SV (4:0) aber wurde die Routine durchbrochen, als Schiedsrichter Sven Jablonski in der Schlussphase nach Ansicht der Videobilder auf den Punkt zeigte: Mittelstädt überließ Stürmer Deniz Undav, der an diesem Abend noch auf sein Tor wartete.
„Deniz hat viel gearbeitet fürs Team und hat mich dann gefragt, ob er den Elfmeter nehmen kann“, berichtete Mittelstädt im Anschluss über seinen Austausch mit Undav auf dem Rasen. „Und wenn er mich so fragt, dann sage ich natürlich: Er soll schießen.“ Auch Trainer Sebastian Hoeneß sah die kurzfristige Änderung positiv: „Maxi ist der eingeteilte Schütze, hat aber Deniz überlassen. Das ist eher ein guter Vorgang. Das zeigt, dass es passt und die Mannschaft intakt ist.“
Mit dem Tor wurde es dann dennoch nichts, Undav rutschte leicht weg und setzte den Schuss über den Querbalken (82.) – was der VfB angesichts der komfortablen 3:0-Führung zu diesem Zeitpunkt verschmerzen konnte. „Schade“ fand das Mittelstädt, der zugleich ankündigte: „Ich glaube, im nächsten Spiel werde ich wieder schießen, wenn es einen Elfmeter gibt.“
Am 12. Mai gibt Julian Nagelsmann sein Aufgebot für die WM bekannt
Aus dem 29-Jährigen sprach dabei das Selbstvertrauen eines formstarken Fußballprofis, der gegen die Hamburger nach kleineren Unsicherheiten in der Anfangsphase zu den stärksten Stuttgartern gehörte und Vorwärtsdrang mit Aggressivität paarte. Kein Spieler auf dem Feld hatte mehr Ballkontakte als Mittelstädt (93), der die Mehrzahl seiner Zweikämpfe gewann (73 Prozent) und sich in der 56. Minute mit einem Tor per abgefälschtem Distanzschuss belohnte. Seine Klärungsaktion in der Schlussphase auf der Linie freute den Außenverteidiger indessen mindestens ebenso sehr: „Das ist genauso schön wie ein Tor.“
Nun ist bei Mittelstädt natürlich immer auch die Nationalelf ein Thema, über das gesprochen wird. Erst recht nach Leistungen wie gegen den HSV. Zuletzt hatte der Stuttgarter im DFB-Team das Nachsehen gegenüber David Raum (RB Leipzig) und Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt) – wobei ihm Bundestrainer Julian Nagelsmann zugleich bescheinigte, nicht aus dem Rennen für die Weltmeisterschaft im Sommer zu sein. Dass starke Auftritte wie zuletzt seine Chancen verbessern, liegt auf der Hand.
„Es sind natürlich viele gute Spieler auf der Position“, sagt Mittelstädt zwar mit Blick auf den hohen Konkurrenzdruck – gibt sich aber auch selbstbewusst: „Wir sind jetzt auf dem dritten Platz in Richtung Champions League. Da haben wir natürlich auch Argumente auf unserer Seite.“ Er wolle wie die weiteren Stuttgarter DFB-Kandidaten schlichtweg Woche für Woche mit Leistung auf sich aufmerksam machen: „Alles andere können wir nicht entscheiden.“
Auch der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth sieht jetzt eine „entscheidende Phase der Kaderberufung“ – in der auch Torerfolge wie zuletzt von Mittelstädt, Chris Führich und Angelo Stiller gegen den HSV ein Faktor sein könnten: „Wenn man zur guten Leistung noch Tore erzielt, ist das eventuell das kleine Puzzleteil, das am Ende noch helfen könnte. Aber bis zur Berufung sind es noch ein paar Spiele.“ Vier Bundesliga-Partien und das Halbfinale im DFB-Pokal bleiben Mittelstädt und Co noch zur Eigenwerbung, bis Nagelsmann am 12. Mai sein WM-Aufgebot bekannt gibt.