Gegen Mainz hat er 83 Prozent seiner Luftduelle gewonnen und spielte, als sei er nie weggewesen. Dan-Axel Zagadou ist nach 399 Tagen ohne Bundesligafußball im Aufwind.
Es war das XXL-Comeback im Rahmen einer Rotation der Superlative, ein ganz besonderer Moment also – für Dan-Axel Zagadou, für seine Mitspieler und den gesamten Staff des VfB. Denn nach einer elend langen Leidenszeit hat sich mit dem 26-jährigen „Daxo“ ein Profi auf dem Platz zurückgemeldet, der für die Stuttgarter aufgrund seiner fußballerischen und seiner Leader-Qualitäten mehr ist als nur ein Innenverteidiger. „Es freut mich sehr für ihn“, sagte der VfB-Cheftrainer Sebastian Hoeneß.
Zehn frische Feldspieler hatte der Coach für die letztlich mit 2:1 gewonnene Bundesliga-Partie gegen 1. FSV Mainz 05 gebracht. Ein Platz in der Startelf – und zwar der im Zentrum der Dreierkette – der war für den Linksfuß Dan-Axel Zagadou reserviert. Es war die Rückkehr des 1,96-Meter-Hünen nach 399 Tagen ohne Bundesliga-Fußball.
„Wenn man berücksichtigt, dass er nach sehr langer Zeit erstmals wieder von Anfang an gespielt hat, dann war das ein sehr guter Auftritt von ihm. Er hat ein paar schwierige Situationen sehr gut gelöst“, lobte Hoeneß hinterher den Franzosen, der in der ersten Pokalrunde bei Eintracht Braunschweig (8:7 n.E.) schon einen Kurzeinsatz hatte. „Wir haben Vertrauen in die Spieler. Daxo hat gut trainiert, er hat sich zuletzt Spielpraxis bei der U21 geholt“, ergänzte Hoeneß, „und dann kommt der Moment, in dem du ihn rein wirfst. Wir haben das aus voller Überzeugung gemacht.“
Also rückte Zagadou in die Startelf – und zauberte bis zu seiner Auswechslung in der 75. Minute („Da war er müde und platt“, so Hoeneß) einen erstaunlich abgeklärten Auftritt ohne jede Anlaufschwierigkeit auf den Rasen. Wie gut Zagadou war, der mit seinen schweren Knieverletzungen vom Januar und Oktober 2024 zweimal jäh aus allen Fußballträumen gerissen worden war, verdeutlicht auch ein Blick auch in das Zahlenwerk der Partie gegen die Mainzer. 65 Prozent seiner Zweikämpfe hat Zagadou gewonnen; in der Luft entschied der Franzose sogar 83 Prozent der Duelle für sich. 88 Prozent seiner Pässe kamen an, während noch drei Torabschlüsse das positive Gesamtbild abrundeten.
Doch es taugen neben dem Blick in die Statistik zur Beurteilung der Leistung eines Fußballers auch die weichen Faktoren: Dass sich Zagadou gleich nach seiner Rückkehr nicht scheute, auch ein paar schwierige Steilpässe in die Schnittstellen sowie gute Diagonalbälle in sein Spiel einzustreuen, zeigte, dass er zusätzliche Komponenten ins VfB-Team einbringt, die vorher gefehlt haben.
„Vor seiner ersten Verletzung war er in Topform. Dann ist einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga“, weiß Sebastian Hoeneß, der seit jeher auch ein Fan von „Daxo“ Zagadou ist. Ausgebildet in der Jugend von Paris Saint-Germain hatte der 1,96 Meter-Hüne aus Créteil, gelegen in der Banlieue der Hauptstadt, allerdings bereits in seiner Zeit in Dortmund mit Verletzungen zu kämpfen. Ohne die zahlreichen physischen Rückschläge, das scheint klar, wäre Zagadou wohl ein Stammspieler bei einem gehobenen Champions-League-Club.
Beim VfB sehen sie den sanften Riesen trotz seiner langen Ausfallzeit noch immer als Anführer an. Als einen Charakter, der einen natürlichen Kapitän verkörpert. Denn der 26-Jährige drängt sich nicht mit viel Geschwätz auf, sagt aber klar seine Meinung. So war es etwa einst Dan-Axel Zagadou, der seinem jungen Landsmann Enzo Millot den rechten Weg wies, als der zu Beginn seiner Stuttgarter Zeit eine leicht aufmüpfige Phase hatte.
Millot spielt inzwischen in der Wüste – und Daxo Zagadou arbeitet weiter in Stuttgart beharrlich an den nächsten Schritten seines Comebacks. Hält das Knie, ist seine Rückkehr als Dauergast in der Anfangsformation des VfB nur eine weitere Frage der Zeit. 399 Tage dürfte es diesmal nicht dauern.