Lorenz Assignon ist einer der Neuen beim VfB Stuttgart. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Der Pokalsieger geht den Auftakt in der Bundesliga mit einer Formation an, in der wohl kein Sommerzugang steht. Doch das soll sich bald ändern.

Fünf Neuzugänge hat der VfB Stuttgart in diesem Sommer bisher verpflichtet. Zwei, die in die Kategorie „Schon erfahrene Profis, aber noch entwicklungsfähig“ gehören: Lorenz Assignon (25) und Tiago Tomas (23). Und drei, die sich über Jugend und ihr enormes Talent definieren: Chema Andrés (20), Lazar Jovanovic (18) und Noah Darvich (18). Mehr als 30 Millionen Euro hat das neue Personal den Pokalsieger gekostet. Doch wenn nicht alles täuscht, dann wird Sebastian Hoeneß keinen von ihnen am Samstag (15.30 Uhr) beim 1. FC Union Berlin in die Startelf beordern. Die neue Formation besteht zum Auftakt der Fußball-Bundesliga erst einmal aus alten Bekannten.

 

Der VfB-Trainer vertraut im Stadion An der Alten Försterei wohl einer Mannschaft, die er schon länger kennt – und die um seine bevorzugten Abläufe auf dem Spielfeld weiß. Nicht weil die frischen Kräfte Hoeneß während der Vorbereitung nicht überzeugt hätten, sondern vielmehr weil die etablierten Spieler einen Tick stärker waren. Siehe Josha Vagnoman. Der Rechtsverteidiger präsentiert sich in guter Form und hat erst einmal Assignon ins Hintertreffen geraten lassen. Dabei war der Franzose (elf Millionen Euro an Grundablöse) geholt worden, um auf Anhieb die Problemzone der Vorsaison mit frischem Schwung zu beleben.

Jetzt muss sich Assignon gedulden. Auch, weil er aus dem letzten Spieltag der französischen Ligue 1 mit Stade Rennes eine Gelbsperre mitbringt, die er nun in der Bundesliga absitzt. „Das ist ärgerlich und hat mich auch überrascht. Aber wir haben die Sachlage geprüft, und Lorenz Assignon steht in Berlin nicht zur Verfügung. Das ist so“, sagt Hoeneß.

Tomas steht dagegen im Kader, obwohl er nach seiner Rückkehr vom VfL Wolfsburg für 13 Millionen Euro (plus Boni) erst seit wenigen Tagen an der Mercedesstraße trainiert. Der Portugiese bringt jedoch keinen Trainingsrückstand mit. Er hat bei den Niedersachsen die volle Vorbereitung mitgemacht und bietet Hoeneß mit seiner Flexibilität und seinem Tempo weitere Optionen in der Offensive. „Er gibt uns durch seine Schnelligkeit Tiefe. Er kann dribbeln und vorne auf allen vier Positionen eingesetzt werden. Das sind Qualitäten, die wir gut gebrauchen können“, sagt Hoeneß.

Grundsätzlich sind Assignon und Tomas damit zwei Kandidaten, die um Startelfplätze kämpfen. Denn Verteidiger und Stürmer erhöhen den Konkurrenzdruck auf den Außenpositionen. Chema Andrés, Jovanovic und Darvich verkörpern dagegen die Zukunft, gefallen dem Trainer aber schon jetzt. „Alle drei haben in den vergangenen Wochen einen Schritt nach vorne gemacht und bringen großes Potenzial mit“, sagt Hoeneß. Sie würden aber noch Zeit benötigen.

Die bekommt das Nachwuchstrio von Hoeneß zugestanden. Am nächsten dran an der Anfangself dürfte Chema Andrés sein – ein talentierter Stratege für das Mittelfeld. „Er hat bislang einen guten Eindruck hinterlassen. Neben seiner fußballerischen Klasse verfügt er auch über ein gutes Gefühl für Räume“, sagt der Trainer – und der bei Real Madrid ausgebildete Spanier ist 1,90 Meter groß. Gerade bei den Eisernen aus Köpenick kann die Körpergröße wichtig sein, da die Gastgeber viel mit langen, hohen Pässen agieren und die sogenannten zweiten Bälle attackieren. Zudem ist das Team von Union-Trainer Steffen Baumgart bei Standards sehr gefährlich.

Zu spüren bekam der VfB diese Stärken erst vor wenigen Monaten beim 4:4 in Berlin. Ein Rekordspiel, da alle acht Tore im ersten Durchgang erzielt wurden. Nun hat Sebastian Hoeneß seine Mannschaft darauf eingestellt, Freistöße und Eckbälle möglichst zu vermeiden oder gegebenenfalls konsequenter zu verteidigen. Nicht so wie im vergangenen April. Doch für Hoeneß bildet das nur einen Teil der damaligen Begegnung ab. „Ich habe auch noch positive Aspekte in Erinnerung“, erklärt der Coach, „wir haben selbst vier Tore erzielt und hatten viel Spielkontrolle.“

Das bleibt der Ansatz beim VfB, der sich bei der Zielsetzung mit einer Platzierung zurückhält. „Ich halte nichts davon, jetzt ein Ziel auszugeben, das wir in elf Monaten erreichen können“, sagt Hoeneß. Ihm ist das Hier und Jetzt wichtiger. Mit einem Erfolg in Berlin soll die Basis für eine gute Spielzeit gelegt werden – in der schon bald ein weiterer Zugang für die Startelf infrage kommen soll. Dem Nachfolger von Enzo Millot, der als einzige Stammkraft abgewandert ist. Die Stuttgarter arbeiten an einer Lösung, die das Team voranbringt.