Neben Harry Kane haben nur Ermedin Demirovic und Andrej Kramaric in den vergangenen drei Bundesligasaisons stets zweistellig getroffen. Jetzt kommt es zum Duell der Mittelstürmer.
Als die Spielerkollegen samt Trainerstab des VfB am Abend nach dem etwas mageren 1:1 gegen Werder Bremen die Fußballerwaden hochlegten, da hatte Ermedin Demirovic noch eine Extraschicht zu schieben. Rund 800 Liter Gerstensaft galt es für den Mittelstürmer auf dem Wasen unter die Fans zu bringen, denn der 28-Jährige hatte ja Freibier versprochen für den Fall, dass er sich mit Bosnien für die WM in den USA qualifiziert. Und er hat Wort gehalten.
Nächste Woche werden dann auch noch die jüngeren VfB-Fans bedient. Dann wird ein Eiswagen auf Demirovics Kosten zum öffentlichen Training in der Mercedesstraße anrollen. Wann das genau sein wird, steht noch nicht fest.
Klar ist derweil, dass für Ermedin Demirovic und seine Mitspieler an diesem Samstag (15.30 Uhr) in der Arena in Sinsheim ein ganz wichtiger Termin ansteht. Dann geht es bei der punktgleichen TSG Hoffenheim drei Spieltage vor Saisonschluss im direkten Duell des Vierten beim Fünften um die Champions-League-Plätze.
„Wir haben noch alles in der eigenen Hand“, sagt Demirovic, dem gegen Bremen nach einer gut getimten Flanke von Bilal El Khannouss das wertvolle Tor zum 1:1 gelang. Es war der zehnte Saisontreffer des Angreifers, der damit in der internen Rangliste beim VfB hinter Deniz Undav (bisher 18 Bundesliga-Saisontore) weiter auf Platz zwei liegt. Und doch ist Demirovic mit seinem Kopfballtreffer gegen Bremen in einen ganz elitären Kreis vorgestoßen: Neben dem Münchner Top-Goalgetter Harry Kane und dem Hoffenheimer Andrej Kramaric ist der VfB-Profi nun der einzige Stürmer in der Bundesliga, der in den vergangenen drei Spielzeiten jeweils zweistellig traf. Zum Vergleich: Undav gelangen in der Vorsaison, als Demirovic wie in der Spielzeit zuvor für den FC Augsburg 15 Tore machte, nur neun Liga-Treffer.
Da der in Hamburg geborene Bosnier, der gegen Bremen für Tiago Tomas erst in der 57. Minute in die Partie kam, bei der TSG Hoffenheim wieder in der Anfangsformation des VfB erwartet wird, dürfte es in Sinsheim zum Duell der Ballermänner vom Balkan kommen. Denn Andrej Kramaric, der mit Kroatien in den USA möglichst den WM-Erfolg von 2022 mit Platz drei wiederholen will, ist im System des TSG-Trainers Christian Ilzer ein ganz wichtiger Baustein. Er hat noch kein Saisonspiel verpasst.
Beim 2:1-Erfolg im bis dato letzten Heimspiel gegen Borussia Dortmund schoss der 34-Jährige beide Tore vom Elfmeterpunkt. Und Kramaric, der mit 138 Bundesligatreffern hinter Robert Lewandowski (312 Tore) und Claudio Pizzarro (197), aber vor Giovane Elber (133) die Nummer drei bei den treffsichersten Ausländern ist, bleibt weiter topmotiviert. „Ich habe zu den Jungs vor dem Spiel gesagt: Heute ist vielleicht die letzte Chance. Wir sollen träumen von der Champions League! Gegen Mbappé, Haland und Lamine Yamal und gegen die besten Vereine und besten Spieler zu spielen. Das ist echt ein Traum für jeden Spieler“, das sagte der Kroate vor der Partie gegen den BVB, der am vergangenen Wochenende ein erneutes 2:1 beim Hamburger SV folgte.
Kramaric und die Kollegen sind durch die beiden Dreier heraus aus ihrem kleinen Leistungsloch, sitzen dem VfB, der allein durch die bessere Tordifferenz noch vorne ist, tabellarisch dicht im Nacken. Mit seinem Torriecher will der Kroate nun für einen weiteren Hoffenheimer Sieg im Duell de Ländle sorgen. „Er ist ein enormer Qualitätsspieler, ein Führungsspieler, ein Unterschiedsspieler – ich würde mir wünschen, dass er bleibt“, sagt Trainer Ilzer, weil der Vertrag des Kroaten nach Saisonende ausläuft. Dann ist Andrej Kramaric 35 Jahre alt.
Eine Vorsaison zum Vergessen
Die Karriere in Saudi-Arabien oder in der Major League Soccer in den USA ausklingen zu lassen, das war lange für den 114-maligen Nationalspieler durchaus eine Option. Noch in der Vorsaison waren die Hoffenheimer knapp am Abstieg vorbei geschrammt. „Wenn ich die Wahrheit sagen würde, werde ich die größte Strafe in der Geschichte der Bundesliga bekommen“, ätzte Kramaric im Januar 2025 nach einem 0:5 in München in einem TV-Interview, als sich die TSG auf dem Relegationsplatz wiederfand. Am Saisonende war man Viertletzter.
Doch es ist inzwischen Ruhe reingekommen bei den Hoffenheimern. Das Team spielt eine starke Saison, die letztlich wie die des VfB mit der Qualifikation für die Europa- oder die Champions League enden wird. Und auch mit Blick auf eine Verlängerung – angedacht sind zwei weitere Jahre – sieht es aktuell gut aus zwischen Kramaric, der seit Januar 2016 für den Verein spielt, und der TSG. Gerne würde der Stürmer später als Trainer-Azubi im Kraichgau einsteigen.
Derweil befindet sich der vier Jahre jüngere Ermedin Demirovic, 28, im besten Stürmeralter – besitzt beim VfB noch einen Vertrag bis 2028, und will mit den Stuttgartern möglichst wie in der Saison 2024/25 erneut in die Königsklasse einziehen. „Wir haben jetzt drei Finalspiele vor der Brust“, sagt der VfB-Stürmer: „Gegen Hoffenheim und danach gegen Leverkusen geht es gegen die direkte Konkurrenz. Aber jeder weiß, dass wir Topspiele können. Es wird schwer, aber diese Spiele liegen uns am besten.“