Die Mannschaft von Sebastian Hoeneß steht schon wieder im Halbfinale. Doch nicht nur das zeichnet den Titelverteidiger aktuell aus, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.
3:0 – das klingt deutlich. Doch der Sieg des VfB Stuttgart bei Holstein Kiel war auf dem gefrorenen Rasen nicht so klar zustande gekommen, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Der Fußball-Bundesligist musste beim Zweitliga-Elften nicht nur aufgrund der eisigen Temperaturen mehrmals zittern, ehe das Weiterkommen im DFB-Pokal feststand. „Um ein bis eineinhalb Tore ist das Resultat zu hoch ausgefallen“, scherzte der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth nach dem verdienten Viertelfinalerfolg. Dennoch bleibt ernsthaft festzuhalten, dass der Titelverteidiger an diesem Abend wohl auch den zunächst knappen Vorsprung durch Deniz Undav (55.) über die Zeit gebracht hätte, ehe Chris Führich (90.) und Atakan Karazor (90.+2) mit ihren späten Toren, den Halbfinaleinzug leichter aussehen ließen, als er war.
Zum dritten Mal in der Ära von Wohlgemuth und dem Trainer Sebastian Hoeneß steht der VfB nun unter den besten vier Mannschaften des Cup-Wettbewerbs – bei nur vier Anläufen. Das zeigt: der VfB kann DFB-Pokal. In den K.-o.-Spielen weiß sich die Hoeneß-Elf zu fokussieren, sie schafft es, an ihre Leistungsgrenze zu gehen und sie hat gelernt, gegen Außenseiter so seriös aufzutreten, wie es nötig ist, um in die nächste Runde zu gelangen – wie in Kiel. Es war kein Glanzstück, aber die Vorstellung war nach der Halbzeit gut genug, um die Gastgeber unter Kontrolle zu halten.
Solche Qualitäten zeichnen eine Spitzenmannschaft aus – und die Stuttgarter sind auf dem Weg, national eine zu werden. Tabellenplatz vier in der Bundesliga und das erneute Halbfinale im DFB-Pokal dokumentieren diesen Entwicklungsschritt: Top four in Deutschland. Um den Reifeprozess fortzusetzen, braucht es jedoch weitere Siege. Wenn man so will, wird jetzt eine wichtige Etappe gespielt, um im kommenden April und Mai möglichst in den Finalmodus schalten zu können. Entscheidende Begegnungen sollen es werden, um große Ziele zu erreichen. Die Qualifikation für die Champions League winkt und der Traum von einem Titelgewinn lebt – dabei verfügt der VfB über die Qualität, das eine oder andere wahr werden zu lassen.