Strenge Sicherheitskontrollen bei der Partie des VfB gegen Maccabi: Ähnliches erwartet in der kommenden Woche die Freiburg-Fans Foto: Marijan Murat/dpa

Monatelange haben sich der SC Freiburg und die Polizei auf das Heimspiel gegen den israelischen Club Maccabi Tel Aviv vorbereitet. Es gibt viele Parallelen zur Partie in Stuttgart.

Ein Hubschrauber, der über Stunden über der Stadt kreist, zusätzliche Überwachung per Drohne, hunderte, teils schwer bewaffnete Polizeibeamte rund ums Stadion – und Einschränkungen für die Fans. Mitte Dezember haben Stuttgart und die Anhänger des VfB gegen Maccabi Tel Aviv einen besonderen Europa-League-Abend erlebt.

 

Was die Schwaben hinter sich haben, blüht in der kommenden Woche den Breisgauern. Wie es der Zufall wollte, trifft auch der SC Freiburg in der Ligaphase des internationalen Wettbewerbs auf den israelischen Rekordmeister. Und auch in Freiburg werden die Sicherheitsvorkehrungen sehr hoch sein.

„Kein gewöhnliches Europa-League-Spiel“

„Aufgrund der politischen Situation und den dadurch notwendigen Sicherheitsvorkehrungen ist es kein gewöhnliches Europa-League-Spiel“, sagt SC-Vorstand Oliver Leki vor der Partie am kommenden Donnerstag (22. Januar). Polizei und Verein haben die Begegnung des VfB mit Maccabi im Dezember, die die Schwaben klar mit 4:1 für sich entschieden, fernab des Rasens genau beobachtet, auch die Clubs tauschten sich aus.

Der Freiburger Polizeisprecher Michael Schorr nimmt den Einsatz als Vorbild: „Wir hoffen - ähnlich wie in Stuttgart - auf einen friedlichen und weitgehend störungsfreien Einsatz.“ Dementsprechend werden in Freiburg am Spieltag mehr als 1000 Beamte im Einsatz sein. Wie viele es am Tag vor und nach der Partie sein werden, hängt davon ab, wann die Maccabi-Fans an- und abreisen.

Der Maccabi-Block beim Spiel gegen den VfB im Dezember. Foto: Archiv/Baumann/Alexander Keppler

Hintergrund des massiven Polizeiaufgebots ist zum einen die abstrakt hohe Gefahr, dass deutsche Städte Ziele islamistischer Anschläge werden können. Auch Angriffe auf die Mannschaft und israelische Fans sollen verhindert werden, und nicht zuletzt wird nach Ausschreitungen – etwa im Herbst 2024 beim Auswärtsspiel in Amsterdam – auch befürchtet, dass gewaltbereite Fans in den Reihen der Anhänger von Maccabi Tel Aviv sein könnten.

„Erkenntnisse über eine konkrete Gefährdungslage liegen gegenwärtig nicht vor“, so Schorr, der in Stuttgart selbst vor Ort war. Tatsächlich hatte es dort lediglich einen Angriff am Stuttgarter Hauptbahnhof gegeben, der möglicherweise von Maccabi-Anhängern verübt wurde.

In der Landeshauptstadt waren zudem an verschiedenen Stellen anti-israelische Schmierereien und Plakate aufgetaucht. Die Staatsanwaltschaft in Stuttgart ermittelt zudem weiterhin gegen israelische Fans wegen rassistischer Schmähgesänge, die im Schlossgarten vor der Partie intoniert wurden. „Antisemitistischen Handlungen begegnen wir entschlossen und gehen gegen jede Form der Gewalt mit allen gebotenen Konsequenzen vor“, sagt Schorr. Die Partie gegen Maccabi sei mit einem Hochrisikospiel in der Bundesliga nicht vergleichbar, so der Polizeisprecher.

Immerhin: anders als in Stuttgart müssen seine Kolleginnen und Kollegen nicht zusätzlich einen Weihnachtsmarkt sichern. Bislang ist am Spieltag eine Veranstaltung in der Freiburger Innenstadt angemeldet, die sich gegen das Vorgehen Israels im Gazastreifen richtet. Die Polizei hofft, dass sich die Gästefans in Freiburg, ähnlich wie in Stuttgart, an einem zentralen Punkt sammeln und dann gemeinsam den Weg zum Stadion antreten. Ob das klappt, hängt davon ab, ob die israelischen Anhänger das annehmen, so Schorr.

Fans müssen sich auf strenge Kontrollen einstellen

Dass die vorletzte Partie des Teams von Trainer Julian Schuster in der Europa League anders wird als die vorangegangen, dürften vor allem die Fans zu spüren bekommen. Die Kontrollen am Eingang werden gründlicher sein und damit auch wesentlich länger dauern; auch Metalldetektoren kommen zum Einsatz. Entsprechend rät der Club, möglichst früh zum Stadion zu kommen. Weil die Partie bereits um 18.45 Uhr angepfiffen wird, dürfte das für einige schwierig werden. Rucksäcke und Taschen sind verboten, Fahnen und Bannern nur in einzelnen Blöcken. Auch das sind Parallelen zum Spiel in Stuttgart.

In Freiburg hatte es Aufrufe gegeben, die Partie gegen die Israelis zu boykottieren. Ein Bündnis forderte in einer Online-Petition den Ausschluss der Auswärtsfans – begründet wurde das mit dem Krieg im Gazastreifen. Der SC positionierte sich dagegen. „Mit diesem Spiel geht auch die Verantwortung einher, ein Zeichen für Respekt und faires Miteinander zu setzen. Fußball soll immer verbinden, niemals trennen“, sagte Oliver Leki.