Mit dem Trio Kimmich, Goretzka und Pavlovic trifft Angelo Stiller gegen die Bayern auf seine Konkurrenten im Ringen um ein WM-Ticket. Sein Heimtrainer stärkt ihm den Rücken.
Diese Szene ist natürlich im kollektiven Gedächtnis haften geblieben: Wie Angelo Stiller am Sonntag den Freistoß im Hamburger Volkspark tief in der Nachspielzeit quer legte, dieser aufgrund eines Absprachefehlers mit Deniz Undav dann beim Gegner landete – und der verdutzte HSV so durch seinen späten Knockout-Treffer von Fabio Viera noch mit 2:1 gewann.
Doch dieser Fauxpas mit Knalleffekt täuscht lange nicht darüber hinweg, dass Stiller bislang eine herausragende Saison spielt – und auch zuletzt beim Pokalerfolg in Bochum (2:0) der Dreh- und Angelpunkt des VfB-Spiels gewesen ist. Zur Erinnerung: In Hamburg kam der Mittelfeldstratege, der eigentlich eine schöpferische Pause erhalten sollte, nach 57 Minuten lediglich deshalb für Nikolas Nartey aufs Feld, weil sein Team zusätzliche Stabilität dringend benötigte.
„Ange war, ist und wird für uns der zentrale Spieler bleiben. Er diktiert unser Spiel, ist der Motor und Antreiber“, sagt VfB-Trainer Sebastian Hoeneß über Stiller: „Das war er von Tag eins an – und das wird er auch am Samstag sein.“
Dann geht es im Südgipfel (15.30 Uhr), der größtmöglichen aller Herausforderungen in der Bundesliga, zuhause gegen den national bislang unbesiegten FC Bayern München. Angelo Stiller trifft im Duell mit dem Rekordmeister dann auch auf den Kern seiner Konkurrenten mit Blick auf eines der begehrten WM-Tickets im defensiven Mittelfeld der deutschen Fußball-Nationalelf. Schließlich war das Münchner Trio bestehend aus Aleksandar Pavlovic, Leon Goretzka und Joshua Kimmich im November-Länderspielblock im Gegensatz zum Stuttgarter mit dabei, als mit Siegen in Luxemburg sowie gegen die Slowakei die Tickets für das Endturnier in den USA, Kanada und Mexiko gesichert wurden.
Dabei rückte der Kapitän Kimmich anders als zuvor im Spiel in Nordirland wieder auf die Rechtsverteidiger-Positon; bleibt aber für Stiller wie auch die beiden Dortmunder Felix Nmecha und Pascal Groß ein ernst zunehmender Rivale auf der Sechser-Position.
Anders als die drei Bayern musste Stiller zuletzt trübe Zeiten durchstehen: Sein letzter Einsatz im Dress mit dem Bundesadler datiert von Anfang September, als es in Bratislava zum Auftakt der WM-Qualifikation ein 0:2 bei den Slowaken gab. Die DFB-Elf verlor schmachvoll und Stiller, der wie Kimmich und Goretzka im Mittelfeld in der deutschen Startelf stand, musste nach 60 Minuten raus.
„Der nächste Länderspielblock ist erst im März. Das ist noch eine Weile hin. Bis dahin muss Ange den Bundestrainer weiter überzeugen, dass er bei ihm rein gehört“, sagte Hoeneß: „Ich bin fest überzeugt davon, dass es so ist. Und glaube auch, dass es so kommen wird.“ Der Stuttgarter Trainer sieht in seinem verlängerten Arm also einen festen Bestandteil im deutschen WM-Aufgebot für Amerika, das vermutlich wie 2022 in Katar aus 26 Akteuren (23 Feldspieler und drei Torhüter) bestehen wird. Ein guter Auftritt am Samstag gegen die Bayern wird da helfen.
Schließlich ging die Talfahrt für den Ex-Hoffenheimer zuletzt erstmal weiter: Im Oktober-Länderspielblock war Stiller von Bundestrainer Julian Nagelsmann zwar nominiert worden, spielte aber nicht. Im November wurde der 24-Jährige von Nagelsmann dann gar nicht berücksichtigt, wobei dabei nicht nur der Zeitpunkt der Ausbootung – der Mittag des Europa-League-Spiels des VfB gegen Feyenoord Rotterdam – im Lager der Cannstatter für Aufregung sorgte. Doch Stiller blieb zumindest öffentlich cool – sagte nur soviel: „Kein Kommentar. Wir haben das intern besprochen. Das muss reichen.“
Vor allem Bayern-Profi Aleksandar Pavlovic, wie Stiller in München geboren, liegt in der Gunst von Nagelsmann weit vorne. Wie der Stuttgarter besitzt der 21-Jährige ein gutes Auge und eine feine Technik, ist aber körperlich einen Tick robuster – und sammelt obendrein in der Champions League auf allerhöchstem Niveau seine Erfahrungen. Beim Pokalsieg der Bayern am Mittwoch bei Union Berlin (3:2) musste Pavlovic allerdings nach 49 Minuten mit leichten muskulären Problemen am Oberschenkel verletzt raus, sodass es an diesem Samstag in Stuttgart womöglich nicht zum Aufeinandertreffen mit Stiller kommt.
Denn während sich der Spieler umgehend mit der Entwarnung zu Wort meldete („Macht Euch keine Sorge, Leute – mit geht’s gut“) schränkte sein Trainer Vincent Kompany am Freitag ein: „Ob er fit ist für das Spiel, müssen wir noch sehen.“
Muss Pavlovic passen, erhöht dies die Einsatzchancen für einen weiteren Stiller-Konkurrenten im Bayern-Dress: Leon Goretzka, der zuletzt in sämtlichen WM-Qualifikationspartien für Deutschland aufgelaufen war. Von seiner Karrieredelle vom Anfang der Vorsaison, als er in München so gut wie keine Rolle mehr spielte, zeigt sich Goretzka sehr gut erholt. Doch das gilt auch für Stiller, der nach dem Aussetzer von Hamburg bereits in Bochum wieder aufdrehte.