Die Kapitäne beider Mannschaften: Atakan Karazor (li.), Mael Corboz Foto: imago/Baumann

Die Pokalfinalisten aus Stuttgart und Bielefeld im Eins-gegen-Eins-Vergleich: Eigentlich eine klare Sache. Oder?

Auf dem Papier ist es eine klare Sache: Hier der Bundesligist, der in der Champions League Real Madrid und Juventus Turin Paroli bot und der nicht weniger als sechs aktuelle A-Nationalspieler in seiner Startelf aufbieten wird. Dort der Zweitliga-Aufsteiger, der bis vor kurzem noch in Verl und Unterhaching unterwegs war. Das Pokalfinale (Samstag, 20 Uhr) eine klare Sache also? Wird sich zeigen. Wir nehmen die Startelf beider Teams genauer unter die Lupe.

 

Tor Alexander Nübel Im aktuellen Torhüter-Ranking der Bundesliga landet der Westfale nur im Mittelfeld. Platz neun bei gehaltenen Torschüssen, Zehnter bei den Paraden. Dennoch wurde der 28-Jährige zum Nationaltorhüter. Leistungsmäßig ist Nübel wie der gesamte VfB aus der Spitzengruppe ins Mittelfeld abgestürzt. Jonas Kersken Wurde nach Ex-VfB-Keeper Benjamin Uphoff (Hansa Rostock) zum zweitbesten Torhüter der abgelaufenen Drittliga-Spielzeit gewählt. So top seine Leistungen waren, so fragwürdig erscheint sein Fair-play-Verständnis. Seine vorgetäuschten Verletzungen zum Zwecke taktischer Unterbrechungen sorgten für Ärger.

Abwehr

Josha Vagnoman Der Rechtsverteidiger spielte eine durchwachsene Saison. In der Champions League erhielt er gegen Paris Saint-Germain eine Lehrstunde der Extraklasse. Das dürfte ihm gegen den Außenseiter nicht blühen, wo ihm sein Tempo-Vorteil gegenüber Pascal Stenzel wohl einen Platz in der Startelf beschert.

Christopher Lannert Der 26-Jährige ist der Dauerbrenner auf der rechten Abwehrseite der Westfalen. Wenige Tage vor dem Pokalfinale verlängerte der Defensivspezialist seinen Vertrag bei den Arminen.

Finn Jeltsch Die Entdeckung der Rückrunde. Jeltsch gehört mit einer Zweikampfquote von 63,3 Prozent zu den besten Spielern der Bundesliga. Auch seine Passquote (93,1) ist top. Schwächen hat er noch im Kopfballspiel, offensiv traut er sich noch wenig zu. Aber der Junge ist auch erst 18 Jahre jung.

So jubelte der VfB über den Einzug ins Finale Foto: Baumann

Leon Schneider Jeltschs Pendant als rechter Part in der Innenverteidigung heißt Leon Schneider. Auch er ein Dauerbrenner – Coach Mitch Kniat hält nicht viel von Rotation. Er und sein Nebenmann Maximilian Großer sind die personifizierte Eingespieltheit.

Jeff Chabot Eingespielt war die VfB-Abwehr selten. Trainer Sebastian Hoeneß war auch verletzungsbedingt ständig zum Wechseln gezwungen. Jeff Chabot schwang sich dennoch zum Abwehrchef auf. In puncto Zweikampfquote (65,6 Prozent) die Nummer vier ligaweit. Drei Tore plus eine Vorlage können sich für einen Innenverteidiger ebenfalls sehen lassen. Steigerte sich in Sachen Aufbauspiel im Lauf der Saison, auch wenn er noch nicht an die Klasse eines Waldemar Anton aus der Vorsaison herankommt.

Maximilian Großer Der Innenverteidiger macht in Ostwestfalen seinem Namen alle Ehre. Kein Wunder, schoss er den Drittligisten mit seinem Treffer zum 2:1 gegen Leverkusen ins Finale.

Maximilian Mittelstädt Der Mann, der die meisten Flanken in der Bundesliga schlägt. Und der Spieler mit den konstantesten Leistungen in einer ansonsten wechselhaften VfB-Mannschaft. Sein Kämpferherz schlägt immer volle Pulle. Als Berliner ist Mittelstädt bei seinem Auftritt im Olympiastadion extra motiviert. Louis Oppie Wie Mittelstädt stammt auch der Bielefelder Linksverteidiger aus der Bundeshauptstadt. Auf den Mann mit dem Bürstenschnitt gilt es aufzupassen: Acht Torvorlagen kommen nicht von ungefähr.

Mittelfeld Atakan Karazor Spielt eine wechselhafte Saison, ist als Kapitän auf der Doppelsechs – auch mangels Alternativen – aber gesetzt. So auch im Pokalfinale. Wurde immer belächelt (kann alles außer Tore schießen), kommt in dieser Bundesligasaison aber immerhin auf zwei Tore und vier Vorlagen. Stefano Russo Anders als der VfB spielt Bielefeld nur mit einem Sechser vor der Abwehr, und der heißt Stefano Russo. Ein Deutsch-Italiener aus Ludwigshafen, der unter anderem in Augsburg und bei Waldhof Mannheim sozialisiert wurde. Das rustikale Fußballer-Handwerk beherrscht er. Angelo Stiller Spielt er, spielt er nicht? Die Frage, die alle Stuttgarter Fans umtreibt, wird wohl erst kurzfristig beantwortet werden. An einer Feststellung führt kein Weg vorbei: Stiller ist Denker und Lenker des VfB-Spiels. Sam Schreck Der „Pokal-Schreck“ gehörte bei allen Bielefelder Pokal-Sensationen zur Startelf. Als 17-Jähriger stand der Mittelfeldspieler bei Bayern München und Borussia Dortmund auf dem Zettel. Doch die ganz große Karriere blieb Schreck verwehrt. Kürzlich verlängerte der 26-Jährige seinen Vertrag bei der Arminia.

Für Bielefeld gab es in dieser Saison viel zum Jubeln Foto: imago/foto2press

Jamie Leweling Soll gegen die starke linke Bielefelder Seite Druck machen. Vor dem Tor zwar nicht mehr so gefährlich wie in der Saison 2023/24, dafür mit guten Sekundär-Werten: Blocks, raumgewinnende Pässe, abgefangene Bälle – hier ist der 24-Jährige nach wie vor top. Mael Corboz Der Franko-Amerikaner ist als Kapitän das Gesicht der Bielefelder Erfolgs-Truppe. Wurde in der dritten Liga zum Spieler der Saison gewählt und sagt: „Wenn wir den Pokal holen, wird man noch in 50 Jahren davon sprechen.“ Chris Führich Zwei Tore und vier Vorlagen in 33 Bundesligaspielen sind keine gute Bilanz und kein Ausweis besonderer Effizienz. Im Vorjahr kam der offensive Mittelfeldspieler auf 15 Torbeteiligungen. Trotzdem ist die Wundertüte gesetzt. Deniz Undav Der Stürmer bewegt sich durch seine unkonventionelle Art auf und neben dem Platz auf dünnem Eis. Als es in dieser Saison mal nicht so gut lief, bekam er es prompt um die Ohren. Rechtzeitig zum Saisonfinale ist der 28-Jährige aber wieder in Form. Die Bühne Pokalfinale im Olympiastadion ist wie gemacht für den Exzentriker.

Angriff Nick Woltemade Der frisch in die A-Nationalelf berufene Stürmer wird sich im Angriff mit den knochigen Bielefelder Innenverteidigern auseinandersetzen dürfen. Andersherum gilt: Mit einem Spielertypen wie ihm haben es die Bielefelder in Liga drei noch nie zu tun gehabt. Sarenren Bazee Einer der wenigen im Bielefelder Kader mit Bundesliga-Erfahrung. Zahlreiche Verletzungen bremsten den 28-Jährigen im Laufe seiner Karriere immer wieder aus. Aktuell ist Bazee fit – und auf den Flügeln mit viel Tempo unterwegs. Marius Wörl Der Spieler mit dem höchsten Marktwert im Kader der Ostwestfalen (800 000 Euro). Mit drei Toren und drei Vorlagen Topscorer der Bielefelder Pokalsaison. Ob er nach der Saison zu seinem Stammverein Hannover 96 zurückkehrt oder bleibt, wird in Bielefeld das beherrschende Transfer-Thema dieses Sommers werden. Joel Grodowski Der Stoßstürmer (Spitzname Stier) wechselte erst im Winter von Preußen Münster zur Arminia, was einem Transfer zwischen dem KSC und dem VfB gleichkommt. Mit seinen Toren schoss er sich aber schnell ins Herz der Bielefelder Fans.