Angelo Stiller (li.) und Victor Edvardsen sehen Gelb. Foto: IMAGO/Goal Sports Images

Am Ende hat er sich dann doch noch entschuldigt. Der Ärger über das Verhalten von Victor Edvardsen gegenüber Angelo Stiller vom VfB Stuttgart ist dennoch riesengroß.

Schon als er sich zum Warmmachen an den Rand des Spielfelds begab, wurde es laut im Fanblock der Go Ahead Eagles. Erst recht bei seiner Einwechslung und den ersten Aktionen. Auch Nicht-Kennern des Fußballs in Deventer wurde schnell klar: Victor Edvardsen ist beliebt. Nach der Partie des VfB Stuttgart beim niederländischen Erstligisten war das ganz anders. Zumindest auf Stuttgarter Seite.

 

Der 29-jährige Schwede spielt seit 2023 für die Eagles, hatte großen Anteil an der erfolgreichen vergangenen Saison, in der das Team den Pokal gewann (neun Tore, sechs Vorlagen). Zuletzt fehlte er verletzt, es hatte sich also wohl einiges angestaut – das sich dann in ziemlich geschmackloser Art und Weise entlud.

Der Mittelfeldspieler jedenfalls agierte nicht nur sportlich nicklig – dabei stand es schon 0:3 aus Sicht der Gastgeber, am Ende siegte der VfB 4:0 – sondern provozierte auch noch eher niederträchtig. Immer wieder fasste er sich an die Nase. Der Adressat seiner Geste: der VfB-Stratege Angelo Stiller – der entsprechend wütend wurde. Und der sich der Unterstützung seiner Teamkollegen sicher sein konnte.

Edvardsens wenig niveauhaltige Pöbelei blieb auch den anderen VfB-Akteuren nicht verborgen, so kam es zur Rudelbildung, an deren Ende der Schwede der Eagles zwar Gelb sah – Stiller jedoch auch. Was den Ärger auf Stuttgarter Seite noch verstärkte.

Während der Live-Übertragung echauffierte sich der RTL-Kommentator Corni Küpper („Asozial“), in der Nacht und am Tag danach war die Wut auf Victor Edvardsen im Netz groß. Der Schwede hatte sich noch direkt nach dem Spiel eher wenig einsichtig gezeigt. Meinte, er wisse nicht, ob er sich entschuldigen werde. Seine Erklärung für sein Verhalten: „Eigentlich war es nicht in Ordnung, aber ich wollte Energie rein bringen. Das Adrenalin hat mich überwältigt. Ich bin beim Spielen sehr emotional.“ Er habe „Schwung“ ins Spiel seiner Mannschaft bringen wollen.

Eine klare Meinung zu den Gesten des Schweden hatte derweil Wesley Snijder. Der ehemalige Weltklassespieler war als TV-Experte im Stadion und meinte nach der Partie: „Als Spieler bist du ein Vorbild. Kinder sehen das auch, und sie sollten nicht anfangen zu denken, dass es normal ist.“ Edvardsen sollte „einfach in die Umkleidekabine gehen und sich entschuldigen“. Denn das sei „Mobbing“. Der Niederländer nahm auch den Club in die Pflicht. Die Eagles sollten von ihrem Spieler verlangen, sich zu entschuldigen.

Ob es diesen Druck vonseiten des Vereins gab, ist unklar. Sicher ist aber: Victor Edvardsen hat sich tatsächlich noch bei Angelo Stiller entschuldigt, was der Eagles-Kapitän Mats Deijl bestätigte. Allerdings nicht in der Stuttgarter Umkleidekabine, sondern im Raum für die Dopingkontrolle. Dort saß der VfB-Profi, der am Donnerstag sein 100. Pflichtspiel für die Stuttgarter bestritten hat. Er war im Sommer 2023 aus Hoffenheim zum VfB gekommen.

Geholt hat ihn damals Fabian Wohlgemuth, der zu den Szenen am Donnerstag sagte: „Also wenn Emotionen im Spiel sind und die dann auch schnell wieder abebben und der Schiri die richtigen Maßnahmen ergreift, dann ist das alles nicht ganz so wild.“ Was nicht heißt, dass die Stuttgarter dem Schweden seine Geschmacklosigkeiten verziehen haben.