Der Rettungshubschrauber Christoph 41 soll von Leonberg nach Tübingen verlegt werden. Wie ist der aktuelle Stand?
Große Rettungseinsätze wie zuletzt beim verheerenden Lkw-Brand im Engelbergtunnel lenken oftmals den Blick auf die Situation der hiesigen Rettungs- und medizinischen Infrastruktur. Neben all dem, was Feuerwehren, Rettungsdienste, Polizei und Technisches Hilfswerk im Fall des Tunnel-Feuers und darüber hinaus geleistet haben, tauchte auch eine Frage nach fast einem Jahr Pause wieder auf: Wie steht es eigentlich um den Rettungshubschrauber Christoph 41?
Seit mittlerweile 40 Jahren – das Jubiläum wird am 1. Juni sein – ist der Rettungshubschrauber am Krankenhaus Leonberg stationiert. Im Jahr 2025 gab es insgesamt 832 Einsätze, davon 760 in der Notfallrettung und 72 zum Transport kritisch kranker oder verletzter Patienten zwischen Kliniken. Doch wie lange wird er noch in Leonberg bleiben?
In Tübingen wird eine neue Rettungsflugwache gebaut
Denn dieser soll an die BG Klinik Tübingen verlegt werden, um eine Versorgungslücke im Rettungsdienst auf der südlichen Schwäbischen Alb zu schließen. So zumindest lautet die Begründung, mit der das Landesinnenministerium die Verlegung im November 2022 beschlossen hat, die in Leonberg und Umgebung auf heftige Gegenwehr gestoßen ist. Gegen Ende des Jahre 2023 war ein Umzug in vier bis fünf Jahren in Aussicht gestellt worden, also 2027 oder 2028.
Auf eine aktuelle Nachfrage werden jedoch keine konkreten Daten genannt. „Dieses Datum kann erst bestimmt werden, wenn ein Zeitplan für den Bau des Luftrettungszentrums an der BG Klinik Tübingen vorliegt“, erklärt Patrick Knapp, Pressesprecher im Innenministerium. Diesen bereite die BG Klinik aktuell vor. Auf Nachfrage dort wird darauf verwiesen, dass die Planungen derzeit noch abgestimmt würden und man deshalb keine Informationen geben könne.
Ursprünglich war geplant gewesen, den Rettungshubschrauber auf dem Dach der auf Akut- und Rehafälle spezialisierten Klinik landen zu lassen. Die Statik des Gebäudes hatte dies jedoch nicht zugelassen. Deshalb muss nun ein neuer Landeplatz gebaut werden – auf Stelzen. Zusammen mit einem neuen Luftrettungszentrum mit Landeplatz und Hangar werden die Kosten auf rund 32 Millionen Euro geschätzt. 2022 war noch von 7,7 Millionen Euro die Rede gewesen.
Noch im vergangenen Juni war ein Baustart im Januar 2026 angekündigt und eine Fertigstellung Ende 2027 worden. Bau und Betrieb der Station müssen dann jeweils EU-weit ausgeschrieben werden. Erst wenn alles fertig ist, kann Christoph 41 umziehen.
„Es gibt bessere Alternativen, als den Hubschrauber aus Leonberg abzuziehen“, findet Leonbergs Oberbürgermeister Tobias Degode. Er sei grundsätzlich dafür, dass die Versorgung auf der südlichen Schwäbischen Alb verbessert werde. „Das ist eine sehr hohe Investition in Tübingen. Dabei ist in Leonberg schon die gesamte Infrastruktur da und in einem guten Zustand“, sagt der Leonberger Schultes, der seit 1. Dezember im Amt ist.
Neue Hoffnung für Christoph 41 unter einer neuen Landesregierung?
Die für ihn beste Variante: Das Land genehmigt einen zusätzlichen Rettungshubschrauber, stationiert in Tübingen oder in der Nähe, und Christoph 41 bleibt in Leonberg. „Aber das ist ein landespolitisches Thema, in dem Leonberg keine Karten hält“, betont Degode.
Die Hoffnung aufgegeben hat man in Leonberg nicht. Und schaut derzeit sehr gespannt nach Stuttgart, wo aktuell über eine neue Landesregierung verhandelt wird. Gibt es mit neuer Zuteilung von Ministerien und neuem Personal in leitenden Positionen vielleicht doch noch eine Möglichkeit, dass der Rettungshubschrauber Christoph 41 am Krankenhaus Leonberg stationiert bleibt?
Christoph 41
Leonberg
Seit 1. Juni 1986 ist der Rettungshubschrauber Christoph 41 am Krankenhaus Leonberg stationiert. Dort gibt es eine eigene Rettungsflugwache mit Hangar. Christoph 41 darf zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang starten und landen.
Einsatzgebiet
Es umfasst die Kreise Böblingen, Stuttgart, Rems-Murr-Kreis, Schwäbisch Hall, Heilbronn, Göppingen und Ludwigsburg sowie Pforzheim, Calw, Tübingen, Reutlingen und Esslingen. Einsatzorte im Umkreis von 70 Kilometern erreicht der Hubschrauber innerhalb von durchschnittlich 20 Minuten. Dabei gibt es Überschneidungen mit dem Hubschrauber Christoph 51, der seit 2009 in Pattonville stationiert ist (vorher Flughafen Stuttgart) und einen Teil der Einsätze übernehmen soll.