Einige Parkplätze entlang der Augustenstraße wurden durch Sitzgelegenheiten und Pflanzen ersetzt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Geliebt oder gehasst? An dem autoarmen Quartier Superblock an der Augustenstraße in Stuttgart wurde viel Kritik geübt. Nun gibt es erste Untersuchungsergebnisse – und die zeigen ein etwas anderes Bild.

Als der Superblock im Juni dieses Jahres offiziell eröffnet wurde, konnte man leicht den Eindruck bekommen, dass die Kritik an dem Verkehrsversuch überwiegt: Zu wenig Grün, zu lieblos, zu viele Parkplätze weggefallen – das war der Tenor zu dem autoarmen Quartier an der Augustenstraße. Nun wurden im Bezirksbeirat West erstmals konkrete Ergebnisse vorgestellt. Und die geben ein etwas anderes Bild ab.

 

Zwei Drittel der Rückmeldungen bisher waren positiv

Das Institut Stadt Mobilität Energie (ISME) führt während des anderthalb Jahre andauernden Verkehrsversuchs Bürgerbeteiligungen durch. Dabei sollen nicht nur Anwohner und Gewerbetreibende zu Wort kommen, sondern auch Kunden und Besucher des Quartiers. Bei Runden Tischen und Stadtteilspaziergängen sowie durch Postkarten und E-Mails kamen zwischen Januar und November insgesamt 116 Rückmeldungen bei dem Institut an. Davon hatten 38 den Tenor, dass der Superblock eine schlechte Idee sei oder gar gestoppt werden müsse. 78 hatten den Tenor, dass der Superblock eine gute Idee sei. Zwei Drittel der Rückmeldungen (67 Prozent) waren also positiv, ein Drittel (33 Prozent) negativ.

Die Hauptkritik, die bisher bei ISME ankam, bezieht sich auf den Wegfall von Parkplätzen. Mit viel Abstand folgt danach die zu seltene Leerung der Mülleimer vor Ort sowie Unzufriedenheit mit der Verkehrsführung beziehungsweise dass andere diese missachteten. Einige bemängeln, dass die aufgestellten Sitzmöbel nicht genutzt würden.

Auch bei den Verbesserungsvorschlägen gibt es eine klare Tendenz: Der allergrößte Teil bezieht sich darauf, dass mehr Grün im Superblock gewünscht wird. Danach folgen Ideen zu mehr Sonnen- und Regenschutz sowie zu einer anderen Verkehrsführung.

Autofahrer kommen nur noch im Zickzack durch die Augustenstraße, Radfahrer können geradeaus fahren. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Dazu muss man wissen: An den Kreuzungen wurden Sperren eingerichtet, wodurch Auto- und Motorradfahrer nicht mehr direkt durch die Augustenstraße fahren können, sondern nur im Zickzack ans Ziel kommen beziehungsweise anders geleitet werden. Radfahrer und E-Scooter-Fahrer können normal durch die Straße fahren.

Auto-, Motorrad-, Radfahrer: Alle missachten die Regeln

Auch Erfahrungen der städtischen Verkehrsüberwachung wurden im Bezirksbeirat West gezeigt. Dazu zählt, dass insbesondere morgens, abends und an den Wochenenden zahlreiche Halteverbote im Superblock missachtet würden. Zudem werde die Einbahnstraßenregelung von Motorrad- und Rollerfahrern oft ignoriert. Und Radfahrende hielten sich regelmäßig nicht an die Verkehrsregeln. Allerdings seien aufgrund der Personalsituation bei der Verkehrsüberwachung keine zusätzlichen Kontrollen im Superblock möglich. Zudem heißt es, dass ähnliche Probleme auch in anderen Stadtquartieren mit hohem Parkdruck auftreten würden.

Aus Sicht der Polizei seien unterdessen „keine Auffälligkeiten“ beim Thema Falschparken erkennbar. Zudem seien die Bewohner mit eigenem Stellplatz eher zufrieden mit der Parksituation im Superblock, die ohne eigenen Stellplatz „überhaupt nicht zufrieden“, meldet die Polizei. Generell beruhigten die Sperren den Verkehr. Allerdings hätten zwei Gewerbetreibende der Polizei auch berichtet, dass sie durch den Superblock „deutlich weniger“ Einnahmen hätten. Insgesamt seien jedenfalls nicht mehr Polizeieinsätze seit der Einrichtung des Verkehrsversuchs nötig.

Auch Verkehr und Wohlbefinden im Superblock werden untersucht

Verkehr
Nicht nur die Befragungen durch das Institut Stadt Mobilität Energie (ISME) tragen am Ende zur Gesamtevaluation des Projekts Superblock bei. Beauftragt ist auch das Büro BrennerPlan. Deren Mitarbeitende haben bereits vor der Einrichtung des Superblocks Verkehrsuntersuchungen durchgeführt, während der Laufzeit folgen nun weitere, um vergleichen zu können. Geschaut wird sowohl auf den fließenden Verkehr als auch auf die Parksituation.

Gesundheit
Zudem beteiligt sich die Uni Stuttgart an einem EU-Forschungsprojekt namens Urbanome, bei dem auch der Superblock untersucht wird. Wissenschaftler führen unter anderem Umfragen und Interviews zu Gesundheit und Wohlbefinden unter Anwohnern, zudem wird mittels Sensoren Luftqualität und Lärm gemessen. Diese Evaluation geschieht nicht im Auftrag der Stadt Stuttgart, die Ergebnisse sollen der Verwaltung aber zur Verfügung gestellt werden.