Rotlicht übersehen? Typischer Unfall auf der Bundesstraße 14 am Gebhard-Müller-Platz. Foto: Andreas Rosar

Ein Platz im Stadtzentrum ist im dritten Jahr in Folge Stuttgarts Unfallbrennpunkt Nummer eins. Eine böse Überraschung gibt es auch in Untertürkheim.

Zwei Ampeln, hintereinander im Abstand von 30 Metern, die erste grün, die zweite rot. Das ist die Situation, als sich ein Renault-Fahrer der unfallträchtigsten Kreuzung Stuttgarts nähert. Und dann kracht es wieder mal auf dem Verkehrsknoten der Bundesstraße 14 auf Höhe von Hauptbahnhof und Wagenburgtunnel. Das dritte Jahr in Folge belegt der Gebhard-Müller-Platz den traurigen Spitzenplatz in der Liste der Unfallbrennpunkte in Stuttgart.

 

Das geht aus der Verkehrsunfallstatistik hervor, die am Donnerstag von der Stuttgarter Polizei vorgestellt wurde. Mehr als 23.000 Unfälle bedeuten eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Die Top Ten der Kreuzungen mit den häufigsten Karambolagen umfasst 112 Unfälle, 59 Verletzte und 1,9 Millionen Euro Schaden.

Auch ortskundige Fahrer sind betroffen

Acht Verletzte und eine Viertelmillion Euro Schaden gibt es allein auf dem Gebhard-Müller-Platz. Auch der jüngste Unfall dort hat mehrere Zehntausend Euro gefordert. Dabei ist der 47-jährige Renault-Fahrer nicht ortsunkundig – sein Wagen hat jedenfalls ein Stuttgarter Kennzeichen. Was war passiert? Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei fuhr er auf der zweispurigen Konrad-Adenauer-Straße (B 14) vom Charlottenplatz Richtung Neckartor. „Dann wechselte er von der rechten auf die linke Fahrspur, um einen Lkw zu überholen“, sagt Polizeisprecherin Kara Starke. Und dabei tauchten zwei Ampeln auf, in 30 Metern Abstand.

„Am stärksten belasteter Knotenpunkt“

Die erste Ampel zeigte Grün, die zweite aber Rot, so die Polizei. Der 47-Jährige wollte über die Kreuzung weiter. Aus seiner Sicht von rechts tauchte dann aber eine 59-jährige Audi-Lenkerin auf, die vom Wagenburgtunnel Richtung Hauptbahnhof fahren wollte. Der Renault prallte gegen ihre Fahrerseite, beide Autos blieben demoliert stehen. Die Audi-Fahrerin wurde leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht.

Die Unfallursachen am Gebhard-Müller-Platz sind hinlänglich bekannt. „Er ist zahlenmäßig einer der am stärksten belasteten Knotenpunkte“, sagt Stadtsprecher Oliver Hillinger, „seit August 2023 haben sich die Verkehrsmengen nochmals deutlich erhöht.“ Hinzu komme die Dauerbaustelle, bei der Fahrstreifenaufteilung und Streckenführung je nach Bauphase immer wieder angepasst werden müssten. Im Zuge des Tiefbahnhofprojekts Stuttgart 21 werden die B-14-Autotunnelröhren unter der Kreuzung verlängert. „Die unterschiedlichen Unfälle können nicht eindeutig einer Ursache zugeordnet werden“, sagt Hillinger. Nachbesserungen helfen trotzdem: „Zumindest die Linksabbieger von der Konrad-Adenauer-Straße her sind kein Problem mehr“, sagt Polizeisprecherin Starke.

Geisterfahrer landet in Untersuchungshaft

Nicht weit davon entfernt: Der Arnulf-Klett-Platz und die Schillerstraße sind als Neueinsteiger gleich auf vorderen Plätzen gelandet. Da wurden rote Ampeln übersehen, Linienbusse abgedrängt, Wendeverbote missachtet. „Und auch Alkohol spielte eine Rolle“, sagt Kara Starke. In den Annalen findet sich etwa ein 41-jähriger BMW-Fahrer, der in der Schillerstraße einige Warnbaken abräumte, nach Bad Cannstatt flüchtete, wo er als Geisterfahrer mehrere Fahrzeuge beschädigte. Der Mann kam am Ende in Untersuchungshaft.

Die Schlossstraße im Stuttgarter Westen hat gleich an zwei Stellen ein Problem: Stadtbahn-Kollisionen, weil Autofahrer verbotenerweise abbiegen. Eine Lösung? Unklar.

Verboten über die Gleise in der Schlossstraße: Der Autofahrer wurde schwer verletzt. Foto: Andreas Rosar

Ähnlich sieht es in Bad Cannstatt für die Kreuzung Waiblinger und Daimlerstraße aus. Trotz Neugestaltung und Beschilderung geraten Autofahrer seit Jahren den Stadtbahnen in die Quere. Eine neue Linksabbiegerspur von der Waiblinger Straße zum Daimlerplatz, die das Verbotene wenigstens in geordnete Bahnen brächte, ist bisher nur ein Plan. Allerdings gibt es in der Gegenrichtung schon diese Möglichkeit – aber eben Unfälle durch Rotlichtverstöße.

Fahrrad-Probleme in Untertürkheim

Ein Neuling unter den zehn unfallträchtigsten Stellen ist der Kreisverkehr Großglockner- und Mettinger Straße in Untertürkheim. „Das sind vor allem Fahrradunfälle“, sagt Polizeisprecherin Starke. Der Geh- und Radweg kreuzt in diesem Bereich die Auf- beziehungsweise die Abfahrt von einem Parkdeck. Radfahrer, die aus der Unterführung heraus in Richtung Großglocknerstraße radeln, werden für Autofahrer erst spät sichtbar. Ein bereits seit Jahren bekanntes Problem.

Manchmal können Statistiken aber auch täuschen. Das Olgaeck in der Innenstadt zum Beispiel verzeichnet lediglich drei Unfälle – doch dort gab es 2025 besonders viel Leid. So kam dort eine 81-jährige Fußgängerin ums Leben, als sie im März von einem abbiegenden Fahrer eines Klein-Lkw auf der Fußgängerfurt übersehen wurde. Und zwei Monate später prallte an derselben Stelle ein tonnenschwerer Geländewagen in eine Fußgängergruppe – eine 46-jährige Mutter wurde tödlich verletzt. Der Sachschaden wird auf 388.000 Euro beziffert.