Die riesige Solaranlage auf der Tennishalle ist ein entscheidender Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Foto: Simon Granville

Der TC Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg) sattelt komplett auf erneuerbare Energien um. Das soll auch der Kasse zugutekommen – und könnte zum Vorbild für andere Clubs werden.

Was die sportlichen Erfolge anbelangt, mischt der TC Oberstenfeld im ganzen Landkreis Ludwigsburg längst in der ersten Reihe mit. Der Tennisclub hat sich aber mittlerweile auf den Weg gemacht, auch auf einem ganz anderen Terrain die Nase weit vorne zu haben: beim Klimaschutz. Der Verein strebt an, noch stärker auf erneuerbare Energien zu setzen. Der Gashahn soll zugedreht, stattdessen auf Wärmepumpen umgesattelt werden. Außerdem will der TCO den Solarstrom vom Dach der Tennishalle künftig größtenteils selbst verwenden. Am Ende soll bilanziell die Klimaneutralität stehen – und sogar die Vereinskasse profitieren.

 

„Ich hoffe und würde mir wünschen, dass wir damit eine Blaupause für andere Vereine liefern“, sagt Dieter Haid, der frühere Vorsitzende des Vereins. Der 79-Jährige hat im Privaten die Energiewende längst vollzogen, sitzt zum Beispiel hinter dem Steuer eines E-Autos. Insofern begrüßt er es, dass auch der Tennisclub keine fossilen Brennstoffe mehr verfeuern wird. Wenn man so will, wird das aber nur ein angenehmer Nebeneffekt sein. „Ich bin Schwabe. Deshalb musste sich der Umstieg für mich vor allem finanziell lohnen. Und die Wirtschaftlichkeit steht nun auch beim Tennisclub im Vordergrund“, erklärt Haid, der weiter als Pressesprecher für drei Tennisteams fungiert.

Spätestens in zehn Jahren soll alles abbezahlt sein

Der langjährige frühere Vorsitzende Dieter Haid hat im Privaten schon auf Erneuerbare umgestellt. Er freut sich, dass der Verein nun nachzieht. Foto: Simon Granville

Mit spitzem Stift haben die Verantwortlichen des TCO deshalb alles durchgerechnet. Dabei sind sie zu dem Ergebnis gelangt, dass die Kredite für die nun fälligen Investitionen spätestens in zehn Jahren abbezahlt sein werden. Wenn noch Zuschüsse fließen, erreiche man diesen Punkt sogar früher, sagt Dieter Haid.

Dass sich Ausgaben in umweltschonende Technologien rentieren, weiß man beim TCO aus der Vergangenheit. Vor ungefähr zehn Jahren sei die Beleuchtung in der vereinseigenen Tennishalle auf LED umgestellt worden, berichtet Haid. 30.000 Euro habe man dafür in die Hand genommen. „Die Energiekosten haben sich danach halbiert. Zusätzlich haben wir uns jährliche Reparaturkosten von rund 1500 Euro gespart. Nach sechs Jahren hatte sich die Investition amortisiert“, erklärt der Oberstenfelder.

Gut verdient hat der TCO überdies mit der riesigen PV-Anlage auf der Tennishalle. Ein Investor hatte das Dach gemietet und die Module mit einer Leistung von 96,4 Kilowattpeak vor 20 Jahren installieren lassen. Der Verein kassierte dafür pro Jahr 4000 Euro, also bis dato 80.000 Euro.

Eine entscheidende Weiche in Richtung Klimaneutralität wurde dann dadurch gestellt, dass der Verein den Vertrag mit dem Energieversorger samt Anlage von dem Unternehmen im Jahr 2024 übernommen hat. In dem Zuge wurden 68.000 Euro ausgegeben, um die in die Jahre gekommenen Paneele zu erneuern. Die jetzt deutlich effizienteren Solarzellen produzieren rund 110.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr – fast 30.000 Kilowattstunden mehr als die alten.

Neue Solaranlage hat sich schon refinanziert

Die Investition für die neue PV-Anlage wurde schon innerhalb kurzer Zeit wieder hereingespielt. Foto: Simon Granville

Bis zum 1. Januar 2027 ist dem TCO wegen des Altvertrags eine Einspeisevergütung von aus heutiger Sicht sagenhaften 50 Cent pro Kilowattstunde garantiert. Schon Ende März 2026 konnte der TCO dank der hohen Einnahmen über den Stromverkauf die letzte Kreditrate an die Bank für die PV-Anlage überweisen. „Mit dem Auslaufen des Vertrags greift dann unser neues Konzept und wir wollen so viel wie möglich von dem Strom in der Tennishalle, dem Vereinsheim und der vereinseigenen Gaststätte selbst verbrauchen“, erklärt Dieter Haid. Deshalb steige der Club von der aktuellen Gasheizung auf vier Wärmepumpen um. Zusätzlich werde eine Batterie angeschafft mit einer Kapazität von 230 Kilowattstunden. Kostenpunkt für all die Geräte zusammen: rund 190.000 Euro.

Diese Summe soll durch Einsparungen beim Energieverbrauch, das Ausspeisen des nicht selbst verbrauchten Stroms und den Verkauf von Solarstrom an den Wirt der Gaststätte auf dem TCO-Gelände am Ortseingang von Richtung Großbottwar kommend über zehn Jahre wieder hereingeholt werden. Die Mitglieder haben das Vorgehen bereits abgesegnet. „Das kann man jedem Verein nur empfehlen, diesen Weg auch zu gehen. Und natürlich auch allen Privatpersonen, weil es einfach wirtschaftlich ist“, sagt Haid.