Sparkassenpräsident Matthias Neth sieht seine Kreditinstitute von der Kritik aus der Wirtschaft: Der Mittelstand ist mit unserem Angebot zufrieden. Foto: dpa

Bremsen die Kreditinstitute mit ihrer Zurückhaltung nötige Investitionen der Unternehmen? Sparkassenpräsident Neth sieht seine Institute von der Kritik der Wirtschaft nicht berührt.

Unternehmen und Kreditwirtschaft im Südwesten stehen in einem zunehmend angespannten Verhältnis zueinander, weil in der Krise das Geld knapp wird. Investitionen zu finanzieren, das fällt immer schwerer.

 

In der neuen IHK-Konjunkturumfrage berichten viele Firmen in Baden-Württemberg über eine immer engere Finanzierung: 17 Prozent von Liquiditätsengpässen, fast 22 Prozent von Eigenkapitalrückgang und fast zehn Prozent von erschwertem Fremdkapitalzugang. Vor allem das Gastgewerbe und der Einzelhandel, aber auch die Industrie sind der Umfrage zufolge mit deutlich höheren Prozentwerten davon betroffen.

Agenda mit Schwerpunkt Unternehmensfinanzierung

Auch nach aktuellen Erkenntnissen der Europäischen Zentralbank stellen viele Unternehmen eine Verschärfung bei den Zinsen für Bankkredite und sonstige teurere Kreditkonditionen fest.

Erst jüngst haben das Wirtschaftsministerium im Land, Südwestmetall und IG Metall in einer gemeinsamen „Agenda“ die Verbesserung der Unternehmensfinanzierung zu einem Schwerpunkt gemacht. Demnach will das Ministerium in „Bankendialoge“ gemeinsam mit der Kreditwirtschaft Wege finden, „Finanzierungen einfacher und schneller zu machen“ und „Investitionen bestmöglich zu unterstützen“. Gemeinsam mit den „Spitzen der Kreditinstitute“ sollen „mögliche Hemmnisse bei der Kreditvergabe identifiziert und abgebaut werden“.

Etlichen Maschinenbauern in der Größenordnung von 800 bis 3000 Beschäftigten „geht wirklich die Luft aus“, sagt die IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch. „Die haben ihre Reserven aufgebraucht.“ Das Gleiche gelte zum Teil für die (nicht so großen) Zuliefererbetriebe. Da sei es der Gewerkschaft „ein großes Anliegen“, das Thema Unternehmensfinanzierung intensiver aufzugreifen. Trotz der Verschärfungen bei der europäischen Bankenregulierung „muss uns da etwas einfallen“, drängt die Bezirkschefin. Ähnliche Stimmen kommen aus dem Arbeitgeberlager.

Kreditzusagen an Firmen um fast zwölf Prozent gesteigert

Der Sparkassenverband Baden-Württemberg sieht sich hingegen in dieser Hinsicht auf einem guten Weg: Zum Ende 2025 seien die Kreditzusagen der Sparkassen an Unternehmen und Selbstständige im Land auf 15,5 Milliarden Euro gesteigert worden – ein Plus von fast zwölf Prozent gegenüber 2024 (13,8 Milliarden Euro). „Nach drei Jahren Rezession lässt die steigende Kreditnachfrage auf eine gewisse wirtschaftliche Belebung hoffen“, sagt Sparkassenpräsident Matthias Neth. „Tragfähige und zukunftsträchtige Vorhaben werden auch in dieser unsicheren Zeit finanziert.“ Man wisse um die Umbrüche, wünsche sich aber mehr solcher Investitionsvorhaben – viele Unternehmen hielten sich bei zuweilen schlechteren Erfolgsaussichten zurück. Das bedeutet für die Kreditvergabe: „Die Institute schauen genau hin, damit sie aussichtsreiche Investitionen finanzieren können.“

Für zwei Drittel der Kunden alleiniger Bankpartner

„Wir stehen an der Seite des Mittelstands“, betont Neth – dieser sei mit dem Angebot der 50 Sparkassen im Land „in hohem Maße zufrieden“. Die Institute seines Verbandes hätten nicht nur den größten Marktanteil in diesem Bereich, sie seien auch für rund zwei Drittel ihrer mittelständischen Kundschaft der alleinige Bankpartner.

Wo das Geld der Sparkassen fließt

Immobilienkredite
 2025 haben die Sparkassen in Baden-Württemberg 10,4 Milliarden Euro für private Immobilienfinanzierungen zugesagt – das ist mit plus 21,5 Prozent der größte Sprung der vergangenen drei Jahre. Entspannung auf dem Wohnungsmarkt werde es erst geben, wenn nicht nur bestehender Wohnraum gekauft, also nicht nur in Bestandsimmobilien, sondern wieder mehr in Neubauten investiert werde, so der Chef des Sparkassenverbandes, Neth. Die Politik müsse mehr dazu beitragen, um neuen Wohnraum bezahlbar zu machen.

Geldanlage
 Die Geldvermögensbildung bei den Sparkassen ist 2025 auf 7,9 Milliarden Euro gewachsen – nach 5,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Knapp die Hälfte davon, 3,8 Milliarden Euro, brachten die Kunden als Einlagen zur Sparkasse. Liquide Sichteinlagen standen im Fokus. Der größere Teil der Vermögensbildung (4,2 Milliarden Euro) wurde in Wertpapieren angelegt, speziell Investmentfonds. Gekauft und verkauft wurden diese im Wert von 36,9 Milliarden Euro.