Passagierflugzeuge transportieren weltweit etwa 80 Prozent der Luftfrachten – für die Firma EgeTrans in Marbach (Kreis Ludwigsburg) ist das aktuell ein Problem.
Der Iran-Krieg wirkt sich auch auf die Wirtschaft im Kreis Ludwigsburg aus. Beim Marbacher Logistikunternehmen EgeTrans beobachtet man die Lage aufmerksam – und bleibt handlungsfähig. „Wir sind mittlerweile gewohnt, mit solchen Themen flexibel umzugehen“, sagt der Unternehmenssprecher Heiko Schaal im Gespräch.
Die Routine im Umgang mit Ausnahmesituationen habe spätestens in der Corona-Pandemie begonnen. „Damals sind praktisch alle Regeln außer Kraft gesetzt worden“, erinnert sich Schaal. Lieferketten brachen zusammen, Vorschriften änderten sich beinahe täglich. Für die Logistikbranche bedeutete das: improvisieren, neu planen, ständig reagieren. Diese Erfahrung helfe nun auch im aktuellen Konflikt.
Persönlich, betont Heiko Schaal, empfinde er es als tragisch, dass Menschen im Krieg ihr Leben verlieren. Im Unternehmen jedoch gehe man professionell mit der Situation um. Das heißt vor allem: Alternativen finden. Besonders betroffen ist die Luftfracht. Rund 80 Prozent der weltweiten Luftfracht werden laut Schaal im Bauch von Passagierflugzeugen transportiert. Doch zahlreiche Fluggesellschaften haben ihre Routen über gesperrte Lufträume eingestellt. Für die Disponenten in Marbach bedeutet das, kurzfristig neue Kapazitäten zu organisieren – oft innerhalb weniger Stunden.
EgeTrans bedient inzwischen fast jedes Land
Das bleibt nicht ohne Folgen. Wenn Fracht umgeleitet wird oder zusätzliche Umladungen nötig sind, steigen die Kosten. „Das wirkt sich letztlich auf die Preise aus, die unsere Kunden zahlen müssen“, erklärt Schaal. Für Asien etwa sei Luftfracht zentral. Gleichzeitig gebe es nur begrenzte Alternativen auf dem Seeweg. „Wir haben nicht viele Containerschiffe in der Straße von Hormus“, sagt er. Die Meerenge gilt als einer der sensibelsten Knotenpunkte des Welthandels – andere Wege wie der über das Kap der guten Hoffnung in Südafrika versprächen derzeit Sicherheit.
EgeTrans ist ein mittelständisches Unternehmen mit rund 200 Beschäftigten in Marbach, 40 in den USA und etwa zehn in Mexiko. Es baut Handelsketten auf und betreut sie – vor allem im nordatlantischen Raum. Produkte aus Europa gelangen per Schiff in die USA oder in andere Länder Amerikas. Doch auch der Nahe Osten spielt eine Rolle. „Wir bedienen inzwischen fast jedes Land“, so Schaal. Viele Transporte nach Indien etwa würden organisiert, häufig mit Drehkreuzen im Nahen Osten.
Mit jeder Krise steigt der Aufwand für die Mitarbeiter, insbesondere in der Disposition und Kundenberatung. Gleichzeitig habe man eine gewisse Routine entwickelt. „Wir sind Krisen gewohnt“, sagt Schaal. Diese Gelassenheit bedeute jedoch nicht Gleichgültigkeit, sondern strukturierte Anpassungsfähigkeit.
Neben geopolitischen Konflikten beschäftigen das Unternehmen auch handelspolitische Themen. Vor allem durch US-Zölle nehme der Beratungsbedarf spürbar zu. Kunden wollten genau wissen, welche Abgaben auf ihre Produkte fällig werden – etwa wenn ein Erzeugnis zu 60 Prozent aus Stahl und zu 40 Prozent aus Kunststoff besteht. Hier unterscheide sich EgeTrans von manchem Wettbewerber: Man setze bewusst auf intensive Beratung und hohe Qualität.
Flexibel bleiben – das gilt auch bei der Frage nach der Kriegsdauer
Dabei spielen kulturelle Unterschiede eine wichtige Rolle. „Wenn ein US-Kunde einmal pro Woche anruft und ein indischer Kunde fünfmal am Tag, dann müssen wir damit umgehen können“, sagt Schaal. Internationale Logistik sei immer auch interkulturelle Kommunikation.
Wie lange der Konflikt andauern werde, könne er nicht sagen. „Ich bin kein Politikexperte“, betont Schaal. Unternehmen müssten sich grundsätzlich auf beide Szenarien einstellen: auf eine schnelle Entspannung ebenso wie auf eine längere Phase der Unsicherheit. Für EgeTrans heißt das vor allem: flexibel bleiben – so wie schon in früheren Krisen.
Das Unternehmen konnte seinen Jahresumsatz in den vergangenen Jahren stabil halten, teilt Schaal mit. Der Umsatz in 2024 belief sich am Hauptstandort in Marbach auf 110 Millionen Euro. Im Jahr 2025 habe EgeTrans mit einem Jahresumsatz von 121 Millionen Euro kalkuliert und rechne mit einem entsprechenden Abschluss. Der Neubau werde voraussichtlich im Sommer fertiggestellt sein.